
Die Saison 2025/26 ist Geschichte. Für den TuS Rheinland Dremmen endet damit ein Spieljahr, das von Höhen und Tiefen, personellen Herausforderungen und einem Trainerwechsel geprägt war. Auch wenn die Mannschaft die Saison nicht mit dem erhofften Schlussspurt beenden konnte, blickt der Verein positiv nach vorne. Verantwortlich dafür sind nicht nur die frühzeitig eingeleiteten Kaderplanungen, sondern vor allem die Entwicklung, die die Mannschaft in den vergangenen Monaten genommen hat.
Als Alex Gieswein während der laufenden Saison die Verantwortung an der Seitenlinie übernahm, stand zunächst die Grundlagenarbeit im Mittelpunkt. „Als ich die Mannschaft übernommen habe, war schnell klar, dass viel Potenzial vorhanden ist. Gleichzeitig mussten wir an den Grundlagen arbeiten. Unser Ziel war es, klare Strukturen zu schaffen, die Trainingsqualität zu erhöhen und als Mannschaft wieder erkennbar zu werden. Ich möchte eine Mannschaft sehen, die mutig auftritt, füreinander arbeitet und eine klare Idee von Fußball verkörpert.“
Tatsächlich waren im Laufe der Rückrunde Veränderungen erkennbar. Dennoch blieb die Mannschaft bis zuletzt wechselhaft in ihren Leistungen. Besonders der Saisonendspurt sorgte beim Trainer für gemischte Gefühle.
„Mit dem Saisonendspurt bin ich nicht zufrieden. Wir haben zu viele Punkte liegen lassen, obwohl wir in vielen Spielen gute Leistungen gezeigt haben. Ausschlaggebend waren häufig einfache Gegentore und individuelle Fehler, die uns gerade als junge Mannschaft mental zurückgeworfen haben. Gleichzeitig haben wir es nicht immer geschafft, unsere Intensität über die gesamte Spielzeit aufrechtzuerhalten.“
Trotz der Ergebnisse sieht Gieswein klare Fortschritte in der Entwicklung der Mannschaft: „Unser Fokus lag in den vergangenen Monaten darauf, die Mannschaft taktisch kompakter zu bekommen und klare Abläufe gegen den Ball zu entwickeln. Wir haben die Abstände zwischen Defensive, Mittelfeld und Offensive verkleinert, um nach Ballverlusten schneller Zugriff zu bekommen und den Gegner weiter von unserem Tor fernzuhalten. Gerade in diesem Bereich haben wir deutliche Fortschritte gemacht.“
Auch die hohe Anzahl an Gegentoren zum Saisonende bewertet der Trainer differenziert: „Viele Gegentore sind nicht entstanden, weil unsere Grundordnung nicht funktioniert hat, sondern weil wir zu viele individuelle Fehler gemacht haben oder in entscheidenden Situationen nicht konsequent genug verteidigt haben. Gleichzeitig hat man gemerkt, dass uns in einigen Spielen die körperlichen Grundlagen gefehlt haben, um unsere Intensität über 90 Minuten aufrechtzuerhalten. Genau dort müssen wir in der kommenden Vorbereitung ansetzen.“
Erschwert wurde die Rückrunde zusätzlich durch zahlreiche Ausfälle. Gerade die geringe Kadergröße machte sich immer wieder bemerkbar. „Wir hatten phasenweise nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Trotzdem muss ich der Mannschaft ein großes Kompliment machen. Die Jungs haben nie aufgegeben, sind immer wieder aufgestanden und haben bis zum Schluss alles investiert.“
Trotz aller Rückschläge überwiegt beim Trainer der positive Eindruck. „Wenn ich die Mannschaft heute mit der Mannschaft vergleiche, die ich bei meiner Übernahme vorgefunden habe, sehe ich viele Fortschritte. Die Trainingsintensität ist höher, die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen ist gewachsen und die Jungs setzen sich deutlich bewusster mit ihrem eigenen Spiel auseinander. Gerade weil wir eine junge Mannschaft haben, war es mir wichtig, Verantwortung zu übertragen. Entwicklung entsteht nicht nur im Training, sondern auch durch Erfahrungen im Wettbewerb.“
Neben den sportlichen Themen wird die Saison auch durch einige personelle Veränderungen in Erinnerung bleiben. Mit Julien Feiter, Frederic Nowos und Bryan Dahlmanns verlassen mehrere Spieler den Verein. Sebastian Burylo beendet seine aktive Laufbahn aus familiären Gründen.
Besonders emotional ist jedoch der Abschied von Sascha „Schoppi“ Schopphoven. Nach 15 Jahren im Trikot des TuS Rheinland Dremmen endet die Karriere eines Spielers, der den Verein über viele Jahre geprägt hat. In dieser Saison absolvierte Schopphoven sein 300. Pflichtspiel und wurde dafür zum Ehrenspielführer ernannt. „Es ist sehr bedauerlich, einen solchen Typen zu verlieren. Schoppi gehört für mich zu den Spielern der alten Schule. Nie vorlaut, nie auf der Suche nach Aufmerksamkeit, sondern immer bereit, alles für die Mannschaft und den Verein zu geben. Er hat nicht durch große Worte geführt, sondern durch seinen Einsatz und sein tägliches Vorbild.“
Wie groß sein Stellenwert innerhalb der Mannschaft war, zeigte sich auch beim Saisonabschluss. Die Mannschaft richtete ihrem langjährigen Kapitän einen Ehrenplatz im Vereinsheim ein. Dort erinnern künftig ein Bild mit der Aufschrift „Vereinslegende“ sowie seine Fußballschuhe an seine aktive Zeit. „Da habe ich erst richtig gespürt, welchen Stellenwert Schoppi in dieser Mannschaft hatte. Die Jungs haben ihn nicht nur respektiert, sie haben ihn bewundert. Solche Persönlichkeiten findest du nicht oft. Er wird uns sportlich fehlen, aber vor allem als Mensch.“
Mit "Schoppi" verliert der TuS nicht nur seinen Kapitän, sondern auch einen Spieler, der über Jahre hinweg für Verlässlichkeit, Loyalität und Identifikation mit dem Verein stand. Sein Abschied hinterlässt sportlich wie menschlich eine Lücke, die sich nicht allein durch Qualität auf dem Platz ersetzen lässt.
Während einige verdiente Spieler verabschiedet werden, konnte der Verein gleichzeitig frühzeitig die Weichen für die kommende Saison stellen. Mit Florent Sadiku und Ryan Siebentritt gewinnt der TuS zusätzliche Erfahrung und Kreativität für die Offensive. In der Defensive sollen Rückkehrer Nils Focker und Luca Iacoi für mehr Stabilität sorgen. Darüber hinaus verstärken mit Nico Schunk, Lucas De Brito, Marshall Ströde und Joel Weigandt mehrere Spieler die Mannschaft, die sowohl Qualität als auch Entwicklungspotenzial mitbringen.
„Uns war wichtig, Spieler zu finden, die nicht nur sportlich zu uns passen, sondern auch menschlich. Wir haben bewusst auf Charakter, Mentalität und Entwicklungspotenzial geachtet. Die neue Mannschaft soll eine Mischung aus Erfahrung und Jugend, aus Qualität und Zusammenhalt verkörpern“, steckt für Gieswein hinter den Verpflichtungen eine klare Strategie.
Gleichzeitig reagierte der Verein damit auf eines der größten Probleme der vergangenen Saison. „Mit den Neuzugängen wollten wir nicht nur mehr Qualität gewinnen, sondern auch die Kaderbreite erhöhen. Gerade in der Rückrunde haben wir gesehen, wie schnell Verletzungen und Ausfälle eine Mannschaft mit einem kleinen Kader an ihre Grenzen bringen können.“
Dabei verfolgt der Verein bewusst einen langfristigen Weg. Die Mischung aus erfahrenen Spielern und entwicklungsfähigen Talenten soll dafür sorgen, dass die Mannschaft nicht nur kurzfristig stärker wird, sondern sich auch nachhaltig weiterentwickeln kann.
Der Blick richtet sich inzwischen klar nach vorne. Dabei geht es dem Trainer nicht um große Versprechungen, sondern um eine klare sportliche Entwicklung. „Ich möchte, dass man meiner Mannschaft ansieht, wofür wir stehen. Wir wollen mutig auftreten, intensiv und geschlossen gegen den Ball arbeiten und gleichzeitig in der Lage sein, Spiele zu kontrollieren. Mir geht es dabei nicht nur um Ballbesitz, sondern darum, das Spiel aktiv zu gestalten, das Tempo zu bestimmen und möglichst viele Spielphasen zu kontrollieren. Wir wollen nicht nur reagieren, sondern den Gegner vor Aufgaben stellen und selbst die Initiative übernehmen.“
Auch die Werte, für die die Mannschaft stehen soll, definiert der Trainer klar: „Fußball soll den Jungs Spaß machen, aber dieser Spaß entsteht aus meiner Sicht vor allem dann, wenn man gemeinsam arbeitet, Verantwortung übernimmt und füreinander einsteht. Man soll sehen, dass die Mannschaft bereit ist, füreinander zu laufen, füreinander zu kämpfen und gemeinsam Lösungen auf dem Platz zu finden. Disziplin, Hunger und Teamgeist sind für mich die Grundlage jeder erfolgreichen Mannschaft.“
Die Vorfreude auf die neue Spielzeit sei dabei bereits spürbar. „Ich freue mich auf die kommende Saison und ganz besonders auf die Vorbereitung mit den Jungs. Dort werden wir gemeinsam wieder Gas geben und die Grundlagen für die nächsten Entwicklungsschritte legen. Als Trainer freue ich mich auf das, was kommt. Da habe ich richtig Bock drauf“, so Gießwein.
Nach einer Saison voller Herausforderungen, wichtiger Erfahrungen und personeller Veränderungen blickt der TuS Rheinland Dremmen somit mit Zuversicht nach vorne. Die vergangene Spielzeit hat Schwächen offengelegt, aber gleichzeitig gezeigt, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Die Grundlagen sind gelegt. Nun gilt es, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.