
Mainz. Meisterparty in Marienborn? Die heimische TuS wird es unbedingt verhindern wollen. Am Sonntag (15.30 Uhr) tritt Verbandsliga-Spitzenreiter TuS Mechtersheim an der Kirschhecke an. Bei einem Sieg wären den Vorderpfälzern Titel und Aufstieg nicht mehr zu nehmen. Die Marienborner wollen ihren Klassenerhalt eintüten – und einen Rekord bewahren.
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„Ich denke, dass wir auf einen sehr motivierten Gegner treffen werden, der mit seinem Trainer alles daran setzen möchte, dass wir dort nicht die Meisterschaft feiern “, sagt Mechtersheim-Coach Nauwid Amiri. Wohl wissend, dass sein Gegenüber Ali Cakici mit dem TSV Schott Mainz 2013/14 in der Verbandsliga Südwest 81 Punkte erbeutet hatte – ein Rekord, den die Vorderpfälzer, wenn sie alle ausstehenden Spiele gewinnen, einstellen würden.
Die 97:21-Tore, die Preston Zimmerman, Can Özer, Markus Kreuz, Nils Döring und Co. damals rausbollerten, könnten Andrew Wooten, Alexander Biedermann, Nico Pantano und Kollegen schwerlich überflügeln (aktuell: 84:30). Und doch: „Wir wollen den Rekord einstellen“, kündigt der Bruder von Mainz-05-Profi Nadiem Amiri an. Cakici sei „bekannt dafür, dass seine Mannschaften immer hinter ihm stehen. Er wird sie heiß machen.“
Dennoch werden die Gäste neben ausreichend Getränken auch ihre Meister-Shirts im Reisebus verstauen. Damit geht es im Erfolgsfall zur großen Party daheim. Womöglich gibt es eine halbe Stunde Wartezeit, denn Verfolger FC Basara Mainz will ab 16 Uhr bei Viktoria Herxheim den nächsten Schritt Richtung Aufstiegsrunde gehen.
„Ich finde es gut, dass er so tickt“, blickt Cakici auf die Rekord-Ambitionen seines Trainerkollegen. „Und wenn sie uns besiegen, würde ich gern den Rekord mit ihnen teilen.“ Denn Mechtersheim hat es auch noch mit den Marienborn-Konkurrenten Steinwenden und Kreuznach zu tun. „Einen Dreier noch“, kalkuliert Cakici, „dann wären wir sicher. Wir sind auf Sieg gepolt.“ Rekorde sind dem künftigen Ingelheimer Chefcoach wichtig. Dass seine TuS bester Rheinhessen-Bezirksligist aller Zeiten bleibt, ist seit der jüngsten Barbaros-Niederlage sicher.
Verblüffende Parallelen erlebte Cakici unlängst mit Blick auf Vincent Kompany. 0:3-Pausenrückstand zum 4:3 umgebogen und im nächsten Spiel gesperrt – so ging es dem Bayern-Coach, erst in Mainz, dann in Paris. Also ein ekstatisches 5:4 an der Kirschhecke? „Gern, aber für uns!“ Cakici wird sich das Spiel wohl auf der Anhöhe hinter dem Tor angucken und verspürt durchaus Vorfreude.
Er weiß das Team bei seinem Co-Trainer und Nachfolger Timm Belz in guten Händen. „Der Sonntag ist nicht ausschlaggebend für die Arbeit als Trainer. Und dank meiner Emotionalität konnten wir das ja schon öfters üben.“ Zudem bekäme Cakici, sollte es Bierduschen auf dem Feld geben, ob seines Kontaktverbots direkt vor und nach der Partie keine Spritzer ab.
Voller Respekt äußert sich der 59-Jährige über die Gäste, gegen die es bislang nur ein Pflichtspiel an der Kirschhecke gab. Ende 2021, einen 2:0-Heimsieg im Pokal. „Sie werden auch in der Oberliga eine gute Rolle spielen“, sagt Cakici, der zum viel diskutierten Wechsel von Schott-Spielmacher Etienne Portmann nach Mechtersheim eine klare Meinung hat. „Ich habe volles Verständnis“, sagt der „bekennende Etienne-Fan“. Solche Lebensentscheidungen könne man nur selbst treffen. Allerdings hätte längst ein ambitionierter Regionalligist zuschnappen sollen.