Tarforster Torwartroulette in packendem Pokalspiel

Fußball: FSV-Nachwuchs geht gegen TuS Koblenz erst nach zwei Platzverweisen unter – Aushilfskeeper besticht durch unbekümmertes Spiel. - Eintracht Trier souverän im Halbfinale.

Das nackte Ergebnis des A-Junioren-Rheinlandpokal-Viertelfinalspiels am Sonntagnachmittag zwischen dem FSV Trier-Tarforst und dem klassenhöheren Regionalligisten TuS Koblenz (Endstand: 1:6) verrät nicht ansatzweise, wie packend die Partie über weite Strecken war. Der Rheinlandligist durfte eine Stunde lang von der Sensation träumen, ehe er dem hohen Favoriten in doppelter Unterzahl doch noch klar den Vortritt lassen musste.

Unvermittelt kam Melvin Schäfer kurz vor der Pause zu einem Einsatz im Tarforster Tor. Nachdem sich Nihat Kunduru bei einem Rettungsversuch nur noch mit einem Handspiel außerhalb des Strafraums zu helfen wusste und er dafür von Schiedsrichter Johannes Lescher aus Laufeld Rot sah, begann auf der FSV-Bank das große Rätselraten. Weil man aktuell über keinen zweiten Torwart verfügt, musste ein Feldspieler zwischen die Pfosten. „Irgendwie hatte sonst keiner Lust, und weil ich früher auch schon mal im Tor ausgeholfen habe, habe ich mich gemeldet“, sagt Schäfer.

Mit stoischer Ruhe stoppte er einige Schüsse lässig per Fuß. Koblenz war zwar fast über die gesamten 90 Minuten klar tonangebend, agierte aber allzu oft kopflos. Schäfer machte es dem vom Platz gestellten Kunduru nach, der bis dahin gerade in Eins-gegen-eins-Situationen immer wieder prächtig reagiert hatte und die Gäste vom Deutschen Eck schier zur Verzweiflung brachte.

Früh war die TuS geschockt, als Jeremy Kaiser – Sohn von Ex-Eintracht-Trier-Zweitligaspieler Asmerom Habte – schon in der zweiten Minute einen Foulelfmeter souverän versenkt hatte.

Koblenz verzeichnete zwar ein klares Chancenplus, der FSV hätte aber auch nachlegen können, ja müssen: Aus kurzer Distanz scheiterten so etwa Kaiser und mehrfach Jonah Berthold – beim 5:3 im Achtelfinale über den JFV Wittlicher Tal noch dreifacher Torschütze – um Haaresbreite.

„Unsere Taktik ging eine ganze Weile gut auf. Wir wollten nicht nur verteidigen, sondern auch mutig nach vorne spielen“, merkte Felix Ceiba an. „Die beiden Platzverweise haben unser Konzept dann aber leider über den Haufen geworfen.“

FSV-Tarforst-Kapitän Felix Schmand:

Mit viel Leidenschaft und Temperament trieb der seit der Winterpause amtierende Coach sein Team von der Außenlinie an. Über Jugendleiter Steffen Hilmer war der Kontakt zum 37-Jährigen mit spanischem und venezolanischem Pass zustande gekommen. Ehe sich Ceiba aus beruflichen und familiären Gründen in Trier niederließ und hier für den SV Krettnach und die SSG Kernscheid spielte, war er Co-Trainer und Fitnesscoach in der Nachwuchsabteilung des aktuellen spanischen Zweitligisten FC Malaga.

Ceiba musste von außen miterleben, wie Jan Mahrla per Doppelschlag den Regionalligisten zunächst in Führung schoss (61./62.). Dann fluchte Außenverteidiger Christopher Peter frustriert vor sich hin (63.) – so zumindest seine Darstellung. Schiri Lescher wertete es als Beleidigung eines Gegenspielers und stellte den Tarforster vom Platz.

„Das war natürlich blöd. Aber Christopher ist einer, der immer dabei ist und dem so etwas normalerweise nicht passiert. So was ist dann auch mal zu verzeihen“, meinte Kapitän Schmand, der einer der Garanten dafür war, dass die Tarforster kompakt in der Mitte standen und vor 100 Zuschauern am Trimmelter Hof lange keinen Treffer zuließen.

Mit zwei Mann mehr traf die TuS noch vier Mal (Predrag Vucic, 67. Minute; Larion Kosuchin, 72.; Veton Ahmetaj per Foulelfmeter, 80.; Ostian Bowen, 90.+2).

FSV-Aushilfstorwart Melvin Schäfer:

„Wir können trotzdem sehr stolz auf das Spiel sein. Koblenz hatte schließlich auch richtig Qualität“, merkte Kapitän Schmand an.

Trainer Ceiba bleiben noch knapp vier Wochen Zeit, um seine Mannschaft auf den ersten Spieltag der neuen Rheinlandligasaison vorzubereiten: Am Samstag, 5. September, 18 Uhr, ist die JSG Linz am Trimmelter Hof zu Gast.

Bis dahin hofft der Coach, noch einen zweiten Torwart gefunden zu haben. Beim FSV wissen sie aber nun, dass sie sich zur Not auch auf Melvin Schäfer verlassen können.

Aufstellung FSV Trier-Tarforst gegen TuS Koblenz: Nihat Kunduru - Luca Schmitt, Christopher Peter, Nikola Kiefer, Kent Arslan, Jeremy Kaiser, Jonah Berthold (43. Melvin Schäfer), Felix Schmand, Marcel Meyer (45.+3 Paul Anton Bladt), Jasper Stolz (73. Jasper Stolz), Justin Barbosa-Lopes (33. Mahmoud Hammoud)

Regionalligist Eintracht Trier hat souverän das Halbfinale im A-Junioren-Rheinlandpokal erreicht: Das Team des neuen Trainers Jan Stoffels gewann am Samstag in Linz mit 13:1- Meris Dervisevic steuerte fünf Treffer bei. Babacar Diop und Jens Schneider war je zwei Mal erfolgreich. Die weiteren Tore markierten Fränz Sinner, Ömer Yavuz, Faris Kssouri und Tobias Klein.
Samstag, 17 Uhr, gastiert die Eintracht nun beim Regionalligakonkurrenten Sportfreunde Eisbachtal. Das andere Halbfinale bestreiten zur gleichen Zeit Rheinlandligist Ahrweiler BC und Regionalligist TuS Koblenz.

Aufrufe: 09.8.2020, 20:27 Uhr
Andreas Arens Autor

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