Zwillinge? Zauberei? Nein, nur eine Fotomontage: Harald Wittke links im grünen Dress als Trainer der SG Malsburg-Marzell, rechts im blauen Gewand des TuS Efringen-Kirchen, bei dem er im Vorstand mitwirkt.   | Foto: Privat
Zwillinge? Zauberei? Nein, nur eine Fotomontage: Harald Wittke links im grünen Dress als Trainer der SG Malsburg-Marzell, rechts im blauen Gewand des TuS Efringen-Kirchen, bei dem er im Vorstand mitwirkt. | Foto: Privat

Harald Wittke führt ein fußballerisches Doppelleben

Zwischen Trainerstuhl und Vorstandssessel

Trainer Harald Wittke hat die SG Malsburg-Marzell in der Spitze der Kreisliga B etabliert. Dabei schlagen zwei Fußballherzen in seiner Brust. Weshalb er schon ganz spezielle Duelle erlebt hat.

Sieger sein und ebenso Verlierer? Gastgeber und zugleich Gast? Als im September 2020 die SG Malsburg-Marzell den TuS Efringen-Kirchen II mit 3:1 besiegte, hätte Harald Wittke beide Rollen vereinen können. Er war als Gastgeber der Sieger, als Gast der Verlierer. Denn der 57-Jährige ist Fußballcoach in Malsburg-Marzell - und Vorstandsmitglied des TuS.

Die Duelle beider Teams sind für Wittke jedoch keine emotionale Grenzerfahrung, das Leben in zwei Clubs weiß er zu trennen: "Die 90 Minuten bin ich Trainer der SG." Dies seit drei Jahren, die vierte Saison ist bereits fixiert. Dabei wollte er gar nicht mehr in den Trainerjob zurückkehren. "Das haben die Malsburg-Marzeller geschickt eingefädelt", sagt Wittke. 2018 unternahm er mit Freunden, darunter SG-Funktionäre, einen Bundesliga-Ausflug nach Düsseldorf. Danach fanden sich Vorstand, Spielausschuss und Betreuer der SG im Hause Wittke ein, "da haben sie mich gefragt, ob ich bei ihnen Trainer werden würde".

Wittkes Gattin gibt ihm den Schubser ins sportliche Glück

Doch der Umworbene war skeptisch. Von 1997 bis 2000 führte er den SV Malsburg als Spielertrainer, später coachte er im Efringer Aktiv- und Jugendbereich. Der Aufwand aber wurde ihm zu groß. Wittke erbat sich Bedenkzeit, es zog sich hin, die SG harrte aus. "Meine Frau sagte dann: Mach' es doch. Ich steh' hinter dir." Womit die Gattin ihren Gatten ins sportliche Glück schubste. Seit dem Start der Zusammenarbeit hat sich die SG, nach drei Jahren Abstiegskampf, im vorderen Tabellenfeld der Kreisliga B, Staffel I, etabliert. Das Jahr 2018 war für den Club ohnehin von übergeordneter Bedeutung: Die gefestigte Spielgemeinschaft der SF Marzell und des SV Malsburg vollendete ihre Fusion, der altehrwürdige Malsburger Hartplatz wurde in einen modernen Kunstrasenplatz umgewandelt.

In seinem ersten Jahr als SG-Trainer kam es für Wittke gleich zu einem bedeutsamen Duell. Die Efringer Reserve reiste am drittletzten Spieltag als Aufstiegsaspirant nach Malsburg. Doch über Geschenke seines Vorstandsmitglieds durfte sich der TuS nicht freuen. Im Gegenteil: Die Efringer verloren das Spiel mit 1:4 und damit den zweiten Platz an den TuS Binzen, dem später in den Aufstiegsspielen gegen den FV Fahrnau der Sprung in die A-Klasse gelang. Noch heute bekommt Wittke deshalb beim TuS das eine oder andere Mal eine frotzelnde Bemerkung zu hören, "aber alles auf einem sehr freundschaftlichen Niveau", wie er sagt.

Der Coach lobt die außergewöhnlich hohe Trainingsbeteiligung

Begeistert ist Wittke in Malsburg-Marzell von der "außergewöhnlich hohen Trainingsbeteiligung für einen B-Ligisten". Standen anfangs erste und zweite Mannschaft noch gemeinsam auf dem Platz, "mussten wir sie schließlich aufteilen". Bis zu 20 Spieler seien es meist im Training der "Ersten", deren 15 in der Reserve. "Anfangs dachte ich: Klar, das ist so bei einem neuen Trainer", sagt Wittke, der sicher war: "Irgendwann verläuft sich das." Was es aber nicht tat. Bei der Reserve wirkt sich selbst das Dasein als Kellerkind in der C-Klasse nicht negativ auf die Motivation aus. Weshalb Wittke lobt: "Da kann ich nur den Hut ziehen."

An der positiven sportlichen Entwicklung sind auch einige Zugänge beteiligt, die selbst bei der SG vorstellig geworden seien. "Es spricht sich herum, dass sich hier etwas entwickelt", so Wittke, der personell keine Sorgen hat. "Wir haben einen richtig guten Kader mit 18 bis 20 Spielern, die man problemlos einsetzen kann. Sie merken auch, dass eine gewisse Konkurrenzsituation da ist." Taktische Flexibilität ist dem Coach wichtig, er will die Formation je nach Kader und Gegner anpassen können. "Ich habe auch Spieler auf Positionen gestellt, die sie nie gespielt haben", berichtet Wittke. Ihm gehe es auch darum, Anreize schaffen.

Harald Wittke: "Wir haben das Niveau, um eine Klasse höher zu spielen."

Die Resonanz im Ort: positiv. Sei früher scheinbar fast niemand mehr zu den Spielen gekommen, "pendeln sich die Zuschauerzahlen mittlerweile bei 100 ein", sagt Wittke, der viel Potenzial in der "sehr jungen Mannschaft" sieht. "Sowohl von der Infrastruktur, vom Sportheim und den Spielern haben wir das Niveau, um eine Klasse höher zu spielen."

Als Aufstiegskandidaten für die neue Saison hat Wittke auch die Efringer Reserve auf dem Zettel. Er ist schließlich nah dran. Wer weiß, vielleicht gibt es ja ein Aufstiegsendspiel gegen die SG? Klar wäre dann: In Wittkes Brust würde für 90 Minuten nur ein Fußballherz schlagen.

Aufrufe: 8.6.2021, 20:17 Uhr
Matthias Konzok (BZ)Autor

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