Familienbande: Die Aktiven des VfL Oldentrup rahmen den Trainer ein. Von links Marcel, Maurice, Ede, Patrice und Joel Hertel.
Familienbande: Die Aktiven des VfL Oldentrup rahmen den Trainer ein. Von links Marcel, Maurice, Ede, Patrice und Joel Hertel. – Foto: Bentrup

VfL Oldentrup: Ein Hertel kommt selten allein

Bezirksligist ist nicht nur, aber auch eine Familienangelegenheit. Einer der fünf Hertels verlässt zwar demnächst den Verein, aber Blut ist dicker als Tinte.

Über einen großen deutschen Fußballer weiß Wikipedia: „Lukas Podolski hat – insbesondere mit seinem stärkeren linken Fuß – einen äußerst wuchtigen Torschuss und einen direkten und schnörkellosen Stil, mit dem er häufig zielgerichtete Vorlagen gibt und punktgenaue Tore aus großer Distanz erzielt.“ Eine Beschreibung, die allerdings auch auf einen anderen Fußballer zutreffend ist: Joel Hertel vom Bezirksligisten VfL Oldentrup.

Der »Poldi« aus Oldentrup

„Mein stärkerer Fuß ist der rechte“, sagt der 22-jährige Joel Hertel lachend. Das ist dann aber – vom Bankkonto abgesehen – wohl der einzige Unterschied, denn auch Hertel hat einen direkten und schnörkellosen Stil auf dem Platz. Er kommt, genau wie Podolski, vorrangig über die linke Seite. Und er schießt gerne Tore. Sehr zum Leidwesen seines Onkels Eduard Hertel, Ex-Mitspieler und nun Trainer des VfL. „Ede“ sagt: „Ich durfte zwar das erste Bezirksliga-Tor für Oldentrup schießen, ansonsten aber macht Joel die Buden lieber selbst.“

Mit zwei Hertels ist es beim VfL Oldentrup allerdings nicht getan. Joels Bruder Patrice und seine Cousins Marcel und Maurice kicken ebenfalls beim VfL Oldentrup in der ersten Mannschaft. „Uns ist aber wichtig, dass es nicht heißt, der VfL Oldentrup ist der VfL Hertel“, stellt Ede Hertel klar. Joel Hertel sagt: „Der Ehrgeiz untereinander ist enorm hoch. Jeder will der bessere sein, das Trainingsspiel gegen den anderen gewinnen. Häufig stachelt man sich gegenseitig an, aber es wird auch viel übereinander und miteinander gelacht.“ Hinzu komme ein riesiger Andrang des erweiterten familiären Umfelds zu den Spielen. „Gepaart mit dem Oldentruper Umfeld ergeben sich häufig geniale Zuschauerzahlen, was für einen Spieler in dieser Klasse richtig Bock macht“, erzählt der Mechatroniker, der Fan des 1. FC Köln ist und Lukas Podolski als sportliches Vorbild hat.


In der Familie kommt man nur schwer am Fußball vorbei

Joel Hertel spielt seit 2007 Fußball. Damals fing er in der F-Jugend des FC Altenhagen an. Von 2010 bis 2013 kickte er in der D- und C-Jugend des VfL Theesen, ehe es ihn dann zum VfL Oldentrup zog. Er erzählt: „Bei uns in der Familie kommt man nur ganz ganz schwer am Fußball vorbei. Mein Vater und meine Onkel haben damals auch schon guten Amateurfußball gespielt, und so waren wir schon immer auf dem Fußballplatz zum Anfeuern. Da meine Cousins direkt neben uns gewohnt haben, ging es im Garten oder im Keller nie ohne Ball. Es war nur eine Frage der Zeit bis wir dann in den Verein kamen.“

„Onkel Ede“, in Bielefeld für seinen unnachahmlichen Torriecher bekannt, begann erst in der A-Jugend mit dem richtigen Fußballspielen. „Wenn ich bei den Minikickern angefangen hätte, wäre ich Profi geworden“, sagt er lachend. Nun kam Edes Karriereende schneller als eigentlich geplant. Durch den Rücktritt von Trainer Patrick Pyka hat er dessen Job übernommen und muss mit ansehen, wie mit seinem Neffen Joel einer der wichtigsten Oldentruper Spieler den VfL im Sommer verlässt. Es zieht ihn zum momentanen Landesligisten TuS Dornberg.

Coach Hertel sagt: „Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass Joel es bei Dornberg schafft.“ Der TuS Dornberg – vorrangig dessen sportlicher Leiter Thies Kambach – habe sich seit langer Zeit um Joel bemüht. „Thies ist ein jahrelanger Wegbegleiter von mir, wir haben alle das Gefühl, dass er von der Qualität von Joel überzeugt ist. Darum sind wir ihm als Familie auch nicht böse. Aus Vereinssicht ist es ist natürlich schade, dass er geht. Ihn zu ersetzen wird schwer und ist nur als gesamte Mannschaft möglich.“

Joel Hertel freut sich auf die neue Herausforderung und erklärt: „Mir war schon lange klar, dass ich irgendwann den nächsten Schritt machen möchte. Ich bin sehr ehrgeizig und habe immer einen hohen Anspruch an mich selbst. Mit dem TuS Dornberg stehe ich schon lange in Kontakt. In der Vergangenheit hat es sich bei mir aber bisher nicht ergeben, da ich im vergangenen Jahr Papa geworden bin und zuvor meine Ausbildung abgeschlossen habe. Ich dachte mir, wenn ich wechsle, dann möchte ich auch meine Zeit und Energie für den Erfolg in Dornberg reinstecken.“ Sollte es beim TuS nicht klappen, stehen ihm die Türen beim VfL jederzeit offen.


Hertel wünscht sich sportliches Saison-Ende

Die momentane Fußball-Zwangspause nagt an Joel Hertel: „Ich denke, jedem Vollblut-Fußballer juckt es schon lange unter den Füßen. Mir fehlt das sehr. Es ist bei mir nicht nur ein Hobby oder meine Leidenschaft, sondern gleichzeitig auch mein Ausgleich im Alltag. Ich hoffe, wir kommen schnell wieder auf den Platz. Währenddessen genieße ich die Zeit mit meiner Frau und meinem kleinen Sohn sehr und halte mich durchs Joggen und auf dem Fahrrad-Ergometer fit.“

Joel Hertel wünscht sich eine sportliche Beendigung der Saison. Auch, um noch einmal mit seinen Oldentruper Jungs gemeinsam auf dem Platz stehen zu können. Sein sportliches Highlight bisher war die Hallen-Stadtmeisterschaft 2019. Seinerzeit scheiterten die Oldentruper knapp in einer starken Zwischenrundengruppe. „Dafür haben wir aber kurz darauf das Neujahrs-Turnier in Heepen gewonnen – und ich wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt.“

Übrigens eine weitere Parallele zu Lukas Podolski, denn der wurde bei der Sommermärchen-Weltmeisterschaft 2006 zum besten (Nachwuchs-) Spieler des Turniers gewählt.

2347 Aufrufe15.3.2021, 09:00 Uhr
NW / FuPaAutor

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