Der "Titan" der Kreisklasse Pfarrkirchen: Josef Burmberger.
Der "Titan" der Kreisklasse Pfarrkirchen: Josef Burmberger. – Foto: Santner

Der "Titan" aus dem Rottal: Sternstunde in der Verlängerung

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Fußball ist ihr Leben! Die Helden der Kreisklasse sind selten im Fokus, aber ohne sie wäre der Sport mit dem runden Leder nur halb so liebenswert. Die dritte Halbzeit nach dem Spiel ist dabei mindestens so wichtig wie die 90 Minuten davor. Heute unterhalten wir und mit Josef "Sepp" Burmberger von der DJK-TSV Dietfurt.

Herzlichen Glückwunsch zum 30. Geburtstag! Josef Burmberger durfte vor wenigen Tagen sein rundes Jubiläum begehen, mit feiern war allerdings nicht viel. "Eine Katastrophe. Es wäre eine große Party geplant gewesen. Aber das wird alles nachgeholt, das verspreche ich", versichert er. Und man kann getrost davon ausgehen, dass nicht wenige Feierlustige auf seinen Ehrentag anstoßen wollen. Im Rottal ist der Sepp, wie er von allen gerufen wird, eine Marke. Wenn zwischen Eggenfelden und Pfarrkirchen die Rede vom "Titan" ist, denken die Leute nicht zuerst an Bayern-Legende Oliver Kahn, sondern an ihn. Woher kommt der Spitzname? "Mei, ich war schon immer ein großer Fan von Oli. Dann haben sie mich damals in Pfarrkirchen spaßeshalber Titan genannt. Das bin ich irgendwie nicht mehr losgeworden."

11 Freunde sollt ihr sein: Für Burmberger wichtiger als die sportliche Komponente.

Rein äußerlich ist Burmberger ein gemütlicher Zeitgenosse, der Inbegriff bayerischer Zünftigkeit. Seine Vereine wählt er deshalb nicht unbedingt streng nach sportlichen Gesichtspunkten aus. "Ich bin ein sehr geselliger Typ. Das Drumherum muss passen. Ich habe mal in einer Mannschaft gespielt, die sich zum Spiel getroffen hat und danach sind alle wieder ihrer Wege gegangen. Nein, das ist nicht mein Ding. Zur dritten Halbzeit ins Sportheim, das ist ein Muss. Das Gesellschaftliche ist mir fast wichtiger als das Sportliche. Ich muss mich mit den Spielern auch außerhalb des Platzes verstehen", grinst er und geht schäkernd ins Detail: "Nach dem Spiel zwei, drei Bierchen, das muss sein. Oder auch mal mehr."

Der Keeper hat in seiner Laufbahn schon so einiges mitgemacht. Ganz besonders in Erinnerung ist ihm allerdings der 6. Januar 2016 geblieben. Dreikönigsturnier in Pfarrkirchen, Halbfinale, Verlängerung, 30 Sekunden noch auf der Uhr, die Zuschauer hält es nicht mehr auf den Plätzen. Sepp erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: "Ein gegnerischer Spieler lief alleine auf mich zu und wollte mich tunneln. Aber nicht mit mir! Dann dachte ich mir: Was soll's, jetzt setze ich zum Solo an." Er tankt sich durch bis in die gegnerische Hälfte. "Ein Doppelpass noch vorm Tor und dann habe ich eben das Ding in den Kasten gehauen. Die Halle hat getobt! Ein unglaubliches Erlebnis und neben den Aufstiegen der beste Moment meiner Karriere."

Da jubelt selbst der Gegner mit: Burmberger (in grün) macht in der Halle nach einem Solo den Ausgleich.
Da jubelt selbst der Gegner mit: Burmberger (in grün) macht in der Halle nach einem Solo den Ausgleich. – Foto: Santner

Er ist eben nicht nur ein Schlussmann, der auf der Linie klebt. Der Projektleiter bei der Firma Lindner Group hat was drauf, auch wenn aus ihm in diesem Leben wohl kein Modellathlet mehr werden wird. "Mit dem Laufen hab ich`s nicht so", schmunzelt er vielsagend. Während er also Ausdauerläufe in der Finsternis - wie üblich in einer Wintervorbereitung - eher weniger vermisst, fehlt ihm natürlich der Fußball an allen Ecken und Enden. Die lange Pause ist für ihn in diesem Jahr doppelt schwer. In den Wintermonaten frönt er nämlich normal seinen zweiten Leidenschaft: dem Skifahren. Aber auch das ist aus bekannten Gründen nicht drin. Ganz schlimm sei das für ihn, und man kann es fast spüren, wie er sich in die Winterlandschaft der Alpen träumt. Ein schönes Weißbier in der Sonne nach einer langen Abfahrt - die Freuden des Winters kann er hoffentlich nächstes Jahr wieder genießen.

Nach 7 Jahren: Auf Abschiedstournee in Dietfurt.

Um der Zeit der Perspektivlosigkeit zumindest ein wenig entfliehen zu können, stürzt er sich daheim in Pfarrkirchen in die digitale Welt. Zocken an der Playstation hat's ihm angetan. "Ich stehe den eSport-Angeboten aufgeschlossen gegenüber. Ich nehme immer wieder an Turnieren teil. Da zocke ich mal gegen Kumpels von der TuS 1860 Pfarrkirchen oder gegen Gegner aus ganz Deutschland. Ganz unterschiedlich. Wenigstens hier kannst du noch ein wenig Kontakt zu Mitmenschen haben, wenn's schon anders nicht mehr möglich ist", klingt er nachdenklich.

Schluss in Dietfurt: Burmberger (am Ball) wird Trainer bei Pfarrkirchen II.
Schluss in Dietfurt: Burmberger (am Ball) wird Trainer bei Pfarrkirchen II. – Foto: Partner

Irgendwann wird's aber auch im bayerischen Amateurfußball weitergehen. Und dann geht der "Titan" nach sieben Jahren in Dietfurt auf Abschiedstournee. "Ich spiele die Saison in Dietfurt noch zu Ende, anschließend übernehme ich das Traineramt bei der zweiten Mannschaft des TuS 1860 Pfarrkirchen." Nicht auszuschließen, dass er seinen neuen Schützlingen erst einmal zeigt, wie man zu einem ordentlichen Solo ansetzt. Und die Jungs der TuS II sollten sich an den Spieltagen nicht zu viel vornehmen. Der neue Coach ist ein Freund von ausgedehnten Mannschaftsabenden. Nach Corona werden die alle noch viel intensiver werden.

Aufrufe: 030.1.2021, 07:30 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor

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