
Francisco Carrasco musste nach Spielschluss schnell weg. Es war allerdings nicht als Flucht vor dem drohenden Abstieg aus der Landesliga zu verstehen, dass der Trainer von TuRU Düsseldorf nach dem Stadtderby gegen die SG Unterrath flugs den Heimweg aufsuchte. Vielmehr musste der 51-Jährige noch die Koffer packen, weil er sich schon am Samstagmorgen mit der Familie auf den Weg in die spanische Heimat machte.
Zum Weglaufen war zumindest aber das Ergebnis aus Sicht derjenigen, die es gut mit dem Oberbilker Traditionsverein meinen. Denn TuRU verpasste gegen einen ersatzgeschwächten Nachbarn den so dringend benötigten Befreiungsschlag im Tabellenkeller. 1:4 hieß es am Ende aus Sicht der Blau-Weißen, die nach Spielende zumindest noch aufmunternde Worte vom Gegner bekamen.
„Die TuRU hat heute nicht wie ein Absteiger gespielt. Sie waren auch zwingend. Der Unterschied war aber, dass sie ihre Chancen nicht verwertet haben, während wir unsere Dinger reingemacht haben“, urteilte Unterraths Trainer Daniel Beine. Mann des Abends auf dem Naturrasenplatz an der Feuerbachstraße war diesmal ausnahmsweise nicht Toni Munoz. Während der überragende Unterrather Akteur der vergangenen Wochen an alter Wirkungsstätte leer ausging, sprang Shuki Hamanosono in die Bresche. Der wieselflinke Japaner stockte sein persönliches Torekonto mit einem Dreierpack (15., 37., 88.) auf elf Treffer auf. Dass das zum Teil unter gütiger Mithilfe der Platzherren gelang, war auch Francisco Carrasco nicht verborgen geblieben.
„Beim 0:1 rempelt unser Außenverteidiger den eigenen Innenverteidiger um, vor dem 0:2 verliert Amin Saouti den Ball im Mittelfeld“, klagte TuRUs Trainer, der neben den inidviduellen Fehlern auch die fehlende Kaltschnäuzigkeit im Abschluss beklagte. „Wir hatten ja unsere Chancen. Aber entweder treffen wir dann die falsche Entscheidung oder haben Pech, dass der Ball an den Pfosten springt.“
Die SGU nahm die Unzulänglichkeiten aufseiten der Platzherren dankend an und fuhr letztlich relativ ungefährdet drei Punkte ein, ohne über die gesamte Distanz zu glänzen. „Ich fand uns in der ersten Hälfte nicht gut. Nach der Pause lief es dann besser. Wir sind einfach eine geile Truppe“, meinte Daniel Beine.
Während Unterrath mit dem Sieg nun auch die letzten theoretischen Zweifel am Klassenerhalt beseitigte, könnte Letzterer für die Turu schon bald auch praktisch nicht mehr realisierbar sein. „Wir müssen jetzt rechnen, rechnen, rechnen“, sagte Carrasco mit Blick auf die missliche Lage im Tabellenkeller. Besser gesagt müssen die Blau-Weißen nun auch beten, dass die direkte Konkurrenz mitspielt und somit die kleine Resthoffnung am Leben hält. Der SSV Bergisch Born zählt für die TuRU seit Sonntag nicht mehr dazu. Mit dem 4:2-Sieg im Kellerduell gegen den 1. FC Wülfrath baute der SSV den Vorsprung auf die Turu auf sechs Zähler aus. Da Bergisch Born zudem den direkten Vergleich mit den Oberbilkern für sich entschieden hat, kann die Turu nicht mehr ihnen vorbeiziehen. Die Carrasco-Elf muss nun unbedingt am kommenden Wochenende beim Tabellen-13. Victoria Mennrath gewinnen. Gelingt das nicht, könnte der Abstieg schon vorzeitig besiegelt sein.