
Es war die 45. Minute, als für Eike Binder alles ganz schnell ging. Beim Kellerduell des MTV Wolfenbüttel beim TSV Wetschen (4:1) prallte Stammtorhüter Ömer Güzel unglücklich mit einem Gegenspieler zusammen – und konnte nicht weitermachen. Plötzlich war der 21-Jährige mittendrin statt nur dabei. Sein erstes Oberliga-Spiel? Ein Debüt, das turbulenter kaum hätte verlaufen können.
„Natürlich stellt man sich es anders vor, zum Debüt zu kommen“, sagt Binder. „Aber so schnell kann Fußball eben sein.“ Der junge Keeper dachte in diesem Moment vor allem an seinen Kollegen: „Mir tut Ömer da am meisten leid.“ Für ihn selbst sei es „eine etwas undankbare Situation“ gewesen, direkt in eine ohnehin hektische Phase vor dem eigenen Tor hineingeworfen zu werden.
Dass die erste Aktion gleich misslang, half nicht gerade: „Der Abstoß fiel weniger positiv aus“, erzählt Binder mit einem Lachen – der Ball landete prompt beim Gegner. „Das hat meiner Nervosität noch mal den Rest gegeben.“
Seine eigene Analyse fällt entsprechend schonungslos aus: „Wenn ich mich in der Schlussphase der ersten Halbzeit bewerten müsste, dann wäre das eine glatte 6.“ Zwar habe er auch zwei gute Paraden gezeigt, doch gleichzeitig gefährliche Situationen selbst eingeleitet. „Der Halbzeitpfiff konnte also nicht schnell genug kommen.“
Zusätzlich zog sich die Nachspielzeit der ersten Hälfte noch über sieben Minuten. „Danach konnte und musste ich auch noch mal tief durchatmen“, so Binder.
Mit Wiederanpfiff zeigte sich jedoch ein anderes Bild. „Ich war im Kopf voll da und konnte mein grundsätzlich solides Spiel aufziehen“, erklärt das Wolfenbütteler Eigengewächs. Und tatsächlich: In der zweiten Hälfte stabilisierte sich der junge Keeper spürbar.
Seinen größten Moment hatte Binder kurz vor dem entscheidenden 2:1 durch Hannes Joppich. Einen abgefälschten Ball parierte er mit einer starken Fußabwehr – obwohl er bereits in die andere Ecke unterwegs war. Eine Szene, die das Spiel kippen ließ und großen Anteil am zweiten Auswärtssieg in Serie hatte.
Am Ende stand ein deutlicher 4:1-Erfolg für den MTV Wolfenbüttel – und ein Debüt, das trotz aller Anfangsschwierigkeiten in positiver Erinnerung bleiben dürfte. Auch intern wurde die Leistung gewürdigt: Wie Nils Schneegans berichtete, wurde Binders Name „auf der Rückfahrt im Bus von der Mannschaft auch öfter gefeiert“.
Ein turbulenter Einstand – und einer, der Mut für mehr macht.