Unmittelbare Lockerungen sind auch für den Sport unter freiem Himmel scheinbar nicht zu erwarten.
Unmittelbare Lockerungen sind auch für den Sport unter freiem Himmel scheinbar nicht zu erwarten. – Foto: Alexander Fischer

Mönchengladbach: Kaum positive Signale für den Lokalsport

Ver­tre­ter von Ver­ei­nen und Ver­bän­den dis­ku­tie­ren mit der zu­stän­di­gen Staats­se­kre­tä­rin.

Es gab Re­de­be­darf für Ver­tre­ter von Ver­ei­nen und Ver­bän­den aus dem Mön­chen­glad­ba­cher Lo­kal­sport. Die Co­ro­na-Pan­de­mie trifft auch sie emp­find­lich. Laut Wolf­gang Rom­bey, Prä­si­dent des Stadt­s­port­bun­des, ver­lo­ren die lo­ka­len Ver­ei­ne im ver­gan­ge­nen Jahr 2600 Mit­glie­der, da­von 1700 Ju­gend­li­che. Die CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Frank Boss und Jo­chen Klen­ner lu­den da­her am Don­ners­tag­abend zu ei­ner Vi­deo­kon­fe­renz mit An­drea Milz, Staats­se­kre­tä­rin für Sport und Eh­ren­amt NRW, ein. The­ma: „Zu­kunft des Sports in un­se­rer Stadt – wie kann ein Neu­start nach der Pan­de­mie ge­lin­gen?“

Johannes Gathen stellt "merkwürdigen Stellenwert" fest

Rund 30 Ver­tre­ter aus fast al­len Sport­ar­ten nah­men dar­an teil. Rom­bey stell­te da­bei zu Be­ginn die zen­tra­le Fra­ge, die ge­gen­wär­tig vie­le Ver­ei­ne be­schäf­tigt: „Der Ver­lust der Ju­gend­li­chen ist ein ernst­zu­neh­men­des The­ma. Wie kön­nen wir die­se Kin­der wie­der er­rei­chen?“ Aber auch die Aus­wir­kun­gen des neu­en In­fek­ti­ons­schutz­ge­set­zes wa­ren The­ma – laut neu­er Ver­ord­nung dür­fen Kin­der bis 14 Jah­re bei ei­ner Sie­ben-Ta­ge-In­zi­denz von über 100 kon­takt­lo­sen Sport im Frei­en nur noch in Fün­fer­grup­pen aus­üben. Be­treu­er müs­sen zu­dem ei­nen ne­ga­ti­ven Co­ro­na-Test vor­wei­sen. Für den rest­li­chen Brei­ten­sport gilt fast aus­nahms­los wei­ter ein Ver­bot. „Ich ha­be er­staunt fest­ge­stellt, welch merk­wür­di­gen Stel­len­wert der Sport bei den Ent­schei­dungs­trä­gern in der Po­li­tik hat. Da wird er als rei­ne Frei­zeit­ak­ti­vi­tät an­ge­se­hen. Sport ist aber le­bens­wich­tig. Wir ver­lie­ren mo­to­ri­sche Fä­hig­kei­ten und pro­du­zie­ren die Kran­ken und To­ten von mor­gen“, sag­te un­ter an­de­rem Jo­han­nes Gathen, Ge­schäfts­füh­rer des SSB.

An­drea Milz nahm sich rund 90 Mi­nu­ten Zeit für die Fra­gen der Teil­neh­mer. Viel Po­si­ti­ves konn­te sie in der ge­gen­wär­ti­gen Si­tua­ti­on aber nicht ver­mit­teln. „Es wird kein Pa­tent­re­zept ge­ben, wie wir die Kin­der zu­rück­be­kom­men“, sag­te Milz. Sie stell­te die Ver­ei­ne auch dar­auf ein, dass es nach der Pan­de­mie nicht wie vor­her wird. „Ist man den Leu­ten so­gar da­mit ent­ge­gen­ge­kom­men, den Sport in die Wohn­stu­be ge­bracht zu ha­ben? Wer als Ver­ein über­le­ben will, der muss sich die Fra­ge stel­len. Die­se Hy­brid­an­ge­bo­te sind ge­fragt“, sag­te Milz. Nicht je­dem in der Run­de ge­fiel die­se Aus­sicht.

Lockerungen für Sport im freien gefordert

Vor al­lem mit den Be­schrän­kun­gen für Sport­ar­ten im Frei­en zeig­ten sich vie­le in der Run­de nicht ein­ver­stan­den – und ap­pel­lier­ten, an­ge­lei­te­ten Sport in re­du­zier­ten Grup­pen wie­der zu er­mög­li­chen. Vie­le mach­ten auch deut­lich, dass es Un­ter­stüt­zung durch die Po­li­tik brau­che, um das Ver­eins­le­ben nach der Pan­de­mie wie­der auf­zu­bau­en.

Milz zeig­te Ver­ständ­nis für die An­lie­gen der Run­de – auch für den Wunsch nach als­bal­di­gen Lo­cke­run­gen für den Sport – füg­te aber auch an: „Bei ho­hen In­zi­den­zen müs­sen die Kon­tak­te re­du­ziert wer­den. Den Su­per­markt kann ich nicht ver­bie­ten. Es­sen und Trin­ken ist ein Muss. Wir Sport­ler sa­gen, die Leu­te müs­sen sich auch be­we­gen. Da sa­gen aber vie­le: Nein, das müs­sen sie nicht. Sport ist kein Muss.“

Aufrufe: 28.4.2021, 16:00 Uhr
RP / Daniel BrickweddeAutor

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