Türkgücü München braucht ein Stadion für die Regionalliga: Die Planungen in Fürstenfeldbruck ziehen sich aber in die Länge.
Türkgücü München braucht ein Stadion für die Regionalliga: Die Planungen in Fürstenfeldbruck ziehen sich aber in die Länge. – Foto: Sven Leifer/Imago

Türkgücü droht Horror-Szenario in Fürstenfeldbruck - Akkay klagt über Verhalten der Stadt

„Uns läuft die Zeit davon“

Türkgücü München ist in einem Wettlauf gegen die Zeit. Doch bei der Stadionfrage ist die Stadt Fürstenfeldbruck nicht so kooperativ, wie sie sich gibt, sagt Präsident Akkay.

München/Fürstenfeldbruck - Der Wirbel um Türkgücüs Stadionplan in Fürstenfeldbruck hört nicht auf. Viele Nebengeräusche begleiten das Vorhaben im Klosterstadion. Jeder Rückschlag ist für den Verein gravierend, denn die Unterlagen müssen schon bald auf den Tisch des Bayerischen Fußballverbands. Klappt der Durchbruch nicht bis Ende Juni, droht Türkgücü der Lizenzverlust und damit der Gang in die unterste Liga.

Zu Beginn sah alles gut aus für Türkgücü München. Der SC Fürstenfeldbruck hatte seine volle Unterstützung zugesichert und sogar schon Pläne für die Austragung von Regionalligaspielen in der Schublade gehabt. Doch dann grätschte die Stadt dazwischen: Ohne sie geht es nicht. Der BFV braucht die Zusicherung des Stadioninhabers, dass sich die Spielstätte eignet.

Seitdem stockt das Vorhaben. Der erste Besichtigungstermin an der Klosterstraße wurde wiederholt nach hinten verschoben und kurz darauf kamen plötzlich neue Thematiken auf, die nicht alle Beteiligten nachvollziehen können.

Türkgücü kämpft ums Stadion in Fürstenfeldbruck: Akkay klagt über mangelnde Kooperation der Stadt

„Uns läuft die Zeit davon“, klagt Türkgücü-Präsident Taskin Akkay. Seinem Verein sind ohne ausreichende Amtshilfe die Hände gebunden. Dabei fordert er gar nicht viel von der Stadt Fürstenfeldbruck, sagt Akkay: „Wir wünschen nur, dass uns alles, was uns weiterhilft, zur Verfügung gestellt und nicht verwehrt wird. Mehr wollen wir gar nicht.“

Ganz aktuell streiten sich die Fürstenfeldbrucker Verantwortlichen sogar intern im Stadtrat. Nach der Begehung hatte die Stadt ein Lärmgutachten sowie die Prüfung der Wellenbrecher verlangt. Für viele Beteiligte unverständlich.

Denn: Ein Lärmgutachten besteht aus dem Jahr 2006. Die Wellenbrecher wurden 2012 als nicht notwendig ausgewiesen. Entsprechende Dokumente liegen auch Fussball Vorort vor. Das alte Lärmgutachten will die Stadt aber nicht mehr akzeptieren. Und dass die Wellenbrecher überprüft werden müssen, sei erst jetzt im Bauplan aufgefallen, wandte Oberbürgermeister Erich Raff ein.

Stadt Fürstenfeldbruck behindert Türkgücü? Akkay versteht nicht, wieso so viele Fragen offen sind

Türkgücü hat es nicht leicht, es kommt immer mehr Arbeit auf und die Zeit wird immer knapper. Trotzdem berichtet Raff von „regem und engem Kontakt“ mit Taskin Akkay. Die Stadt Fürstenfeldbruck unterstütze „sehr wohlwollend“. Der Türkgücü-Präsident lässt das so nicht durchklingen: „Uns fehlt die Hilfe, die man bei gutem Willen erwartet“, klagt Akkay, „immer wieder haben wir gute Gespräche und ich bemühe mich um gute Laune, aber die Amtshilfe bleibt aus.“ Die Stadt verhindere die Bemühungen von Türkgücü sogar. „Da hätte ich lieber eine klare Absage, dann verliere ich hier keine Zeit“, sagt Akkay.

„Immer wieder haben wir gute Gespräche, aber die Amtshilfe bleibt aus. Da hätte ich lieber eine klare Absage, dann verliere ich hier keine Zeit.“

Türkgücü-Präsident Taskin Akkay über die Schwierigkeiten in Fürstenfeldbruck.

Lärmgutachten, Sicherheit und Kapazität. Diese drei großen Baustellen muss Türkgücü in Fürstenfeldbruck aus dem Nichts erledigen. Nicht einmal einen Startpunkt liefere die Stadt, moniert Akkay. Außerdem wundert er sich: „Es kann ja nicht sein, dass diese Fragen nie geklärt worden sind. Der SC Fürstenfeldbruck spielt ja auch aktuell noch dort. Und auch eine Kreisligamannschaft könnte bei einem attraktiven Testspiel oder in der Relegation auf 800 Zuschauer kommen.“

Ein Aktenvermerk von 2012, der Fussball Vorort vorliegt, hält außerdem fest, dass die Tribüne im Klosterstadion 1.700 Zuschauer fasst und in einer Mitteilung von 2019 (liegt ebenfalls vor) spricht das Büro des Bürgermeisters selbst von einer Maximalkapazität von 5.000 Zuschauern.

Stadion-Posse in Fürstenfeldbruck: Zulassungen nur für Einzelspiele? Türkgücü bittet um Klärung

Das sei alles im Hinblick auf Einzelspiele geschehen, wendete Bürgermeister Erich Raff ein. Was SCF-Präsident Jakob Ettner nicht so stehen lassen will. Eine Prüfung des Bauamts bezüglich der Wellenbrecher sei 2012 erfolgt. Und das im Rahmen des Lizenzantrags des SC Fürstenfeldbruck, der damals in der Bayernliga spielte.

Taskin Akkay bittet nun inständig darum, dass die Stadt wenigstens die Kapazitätsfrage schnell klärt und den Verein mit verlässlichen Zahlen versorgt. Er habe bereits eine Sicherheitsfirma zur Ausarbeitung eines Sicherheitskonzepts beauftragt. Aber das funktioniert ohne Kapazitätsangabe nun mal nicht. Selbst wenn die Stadt nur die 2012 erfassten 1.700 Zuschauer unterschreiben würde, könnte Türkgücü beim BFV um eine Ausnahmegenehmigung bitten, die wenigen Fürstenfeldbrucker Spiele mit einer geringeren als der vom BFV geforderten Kapazität von 2.500 Zuschauern austragen zu dürfen. Zumal um das Spielfeld ausreichend Platz sein sollte, um die übrigen 800 Fans unterzubringen. (moe)

Aufrufe: 09.6.2022, 14:50 Uhr
Moritz BletzingerAutor