Hasan Kivran will nicht mehr. Der Präsident stopft nicht die finanziellen Löcher und Türkgücü München muss Insolvenz anmelden.
Hasan Kivran will nicht mehr. Der Präsident stopft nicht die finanziellen Löcher und Türkgücü München muss Insolvenz anmelden. – Foto: Imago Images / Markus Fischer

Keine Rettung durch Präsident Hasan Kivran - Türkgücü München meldet Insolvenz an

Ambitioniertes Projekt am Ende

Jetzt herrscht Gewissheit. Türkgücü München bekommt seine finanziellen Probleme nicht in den Griff und meldet Insolvenz an. Das hat der Klub am Montag bestätigt.

München - Alle Bemühungen von Geschäftsführer Max Kothny und seinem Team haben nichts genützt. Hasan Kivran wird nicht ein weiteres Mal die finanziellen Löcher des Drittligisten stopfen. Deshalb hat Türkgücü München am heutigen Montag beim Amtsgericht München Insolvenz beantragt. Das ambitionierte Projekt von Präsident und Geldgeber Kivran ist damit sechs Jahre nach seinem Einstieg schon wieder gescheitert.

„Bis zum Tag der Antragsstellung haben wir alles in unserer Macht Stehende versucht, um diesen Schritt noch abzuwenden“, wird Geschäftsführer Max Kothny in der Pressemitteilung des Klubs zitiert. „Auch wenn das leider nicht gelungen ist, so gilt es jetzt, die Situation nicht als Ende, sondern als Chance zu sehen. Wir haben nun die Möglichkeit, uns ohne Belastungen aus der Vergangenheit und mithilfe von möglichen neuen, starken Förderern neu auszurichten.“

Türkgücü München beantragt Insolvenz: Sportliche Zukunft des Klubs zunächst unklar

„Sportlich hat die Antragsstellung wohl einen Neun-Punkte-Abzug zur Folge“, heißt es im Schreiben des Vereins weiter. „Mit einem langfristigen, stabilen und wirtschaftlich-nachhaltigen Plan wäre aber ein Verbleib oder im Falle eines Abstiegs eine Rückkehr in den Profi-Fußball nicht ausgeschlossen. Hierfür sind wir auf der Suche nach passenden Partnern und Investoren.“

Nach Kivrans Einstieg im Dezember 2015 stieg Türkgücü München von 2018 bis 2020 dreimal in Serie von der Landesliga bis in die 3. Liga auf. Das mittelfristige Ziel des Klubs war der Sprung in die 2. Bundesliga. Für die erste Spielzeit im Profi-Bereich verpflichtete der Klub Alexander Schmidt als Nachfolger von Reiner Maurer. Trotz einer starken Vorrunde wurde der heutigen Dynamo-Dresden-Trainer im Februar vor die Türe gesetzt. Danach ging es sportlich und personell bergab. Rechnet man den zweimaligen Interimstrainer Andi Pummer mit ein, ist Andreas Heraf inzwischen der fünfte Übungsleiter, der seit Schmidts Abgang vor einem Jahr an der Seitenlinie steht.

Türkgücü München meldet Insolvenz an: Hasan Kivran fand keine Abnehmer für seine Anteile

Sportlich setzte die Mannschaft den Trend der Rückrunde auch in der laufenden Saison fort. Kivran wollte seine Anteile verkaufen, doch der Abstiegskampf schreckte potenzielle Interessenten ab. Vor etwas mehr als einer Woche gab es dann die ersten Gerüchte um eine Insolvenz. Wie die „Bild“ berichtet, haben die Spieler im Januar offenbar noch kein Gehalt bekommen.

Die Stimmung beim Klub war in den vergangenen Tagen gedrückt. die Trainer Heraf forderte nach der 0:1-Heimniederlage gegen Schlusslicht TSV Havelse deswegen Klartext vom Verein. Jetzt herrscht Gewissheit: Der Klub bekommt laut Regularien des DFB neun Punkte abgezogen und würde damit mit zwölf Zählern ans Tabellenende rutschen. Bei zehn Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz und zehn Spielen ohne Sieg ist der Abstieg in die Regionalliga Bayern wohl kaum noch abzuwenden.

Die Pressemitteilung im Wortlaut

Türkgücü München stellt Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens

Die Türkgücü München Fußball GmbH & Co. KGaA hat beim Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Im Zuge des Prozesses der Nachlizenzierung der Türkgücü München Fußball GmbH & Co. KGaA für die 3. Liga wurde ein für die weitere Planung der Spielzeit 2021/22 erforderlicher Finanzbedarf festgestellt, der durch Gesellschaftermittel hätte ausgeglichen werden sollen. Nachdem zunächst zugesagte Gesellschaftermittel nicht flossen, wurde der Schritt des Antrages auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens unumgänglich.

„Bis zum Tag der Antragsstellung haben wir alles in unserer Macht Stehende versucht, um diesen Schritt noch abzuwenden“, erklärt Geschäftsführer Max Kothny: „Auch wenn das leider nicht gelungen ist, so gilt es jetzt, die Situation nicht als Ende, sondern als Chance zu sehen. Wir haben nun die Möglichkeit, uns ohne Belastungen aus der Vergangenheit und mithilfe von möglichen neuen, starken Förderern neu auszurichten.“

In welcher Spielklasse ein Neuaufbau erfolgen kann, ist von sportlichen sowie finanziellen Faktoren abhängig.

Sportlich hat die Antragsstellung wohl einen Neun-Punkte-Abzug zur Folge. Mit einem langfristigen, stabilen und wirtschaftlich-nachhaltigen Plan wäre aber ein Verbleib oder im Falle eines Abstiegs eine Rückkehr in den Profi-Fußball nicht ausgeschlossen. Hierfür sind wir auf der Suche nach passenden Partnern und Investoren.

„Wir sind jedem Fan, jedem Mitglied, jeder Sponsorin/ jedem Sponsor und jeder sonstigen Sympathisantin/ jedem sonstigen Sympathisanten dankbar, der dem Klub in dieser Zeit weiterhin die Treue hält. Gemeinsam kann der steinige, aber aussichtsreiche Weg des Neuanfangs gegangen werden. Das Motto „Überall Familie“ gilt nun mehr denn je und auch weiterhin für jeden, der Teil dieses Vereins sein möchte“, richtet sich Kothny an das Vereinsumfeld.

Der Türkgücü München Fußball GmbH & Co. KGaA wird mit dem heutigen Tag vom Amtsgericht München ein vorläufiger Insolvenzverwalter zur Seite gestellt.

Der Türkgücü München e.V. ist durch den Insolvenzantrag nicht betroffen.

(Jörg Bullinger)

Aufrufe: 031.1.2022, 12:38 Uhr
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