Peter Kowalenko. 	Archivfoto:  FC Erdbach
Peter Kowalenko. Archivfoto: FC Erdbach

Fünf Teams träumen vom Aufstieg

KLC1 DILLENBURG: +++ In Gruppe 1 der Fußball-C-Liga ist der Kampf um die Ränge eins bis drei spannend wie lange nicht +++

Dillenburg. Aus fünf mach drei, aber bleib dabei: Nach diesem Motto werden der SV Herborn, der FSV Nanzenbach, der FC Eintrach Haiger, die SG Tringenstein/Oberndorf und der FC Erdbach bis zum 23. Mai in Gruppe 1 der Fußball-C-Liga Dillenburg um die drei interessantesten Ränge spielen. Die ersten beiden steigen direkt in die B-Liga auf, der Dritte wird an der Relegationsrunde mit den Vertretern der B-Liga und der C-Liga, Gruppe 2 teilnehmen.

Am Sonntag um 15 Uhr kommt es in der Begegnung FSV Nanzenbach – SG Tringenstein/Oberndorf gleich zum ersten der insgesamt acht Begegnungen, in denen die Top Fünf gegeneinander spielen. Die Redaktion hat die fünf Trainer befragt, wie es um die eigene Mannschaft steht und wem aus der Fünfergruppe sie am meisten zutrauen. Und siehe da: Peter Schukat vom FSV Nanzenbach bringt sogar noch ein sechstes Team als möglichen Aufsteiger ins Spiel.

Alles klar für den Start?

Albert Steiger (SV Herborn) ist mit seiner Mannschaft bisher wie ein heißes Messer durch die Butter gegangen: 14 Siege, eine Niederlage, 84:18 Tore, Rang eins mit neun Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger.

Der 33 Jahre alte C-Lizenz-Inhaber, der die Mannschaft in seiner zweiten Saison trainiert, sagt deswegen: „Für mich liegt in dieser Bilanz für den weiteren Saisonverlauf die größte Schwierigkeit. Jeder will uns erzählen, wir seien schon durch. Aber wir dürfen nicht aufhören. Sicherlich hätten wir den Aufstieg aufgrund unserer Hinrundenleistung verdient, aber wir müssen diese Leistung nun bestätigen.“

Intern hat sich der SV Herborn mehrere Ziele gesetzt, verrät der Trainer, der als Endprüfer für Luftfahrtprodukte bei Rolls Royce arbeitet: „Wir wollen den Titel, wir wollen für den Rest der Runde ungeschlagen bleiben, und wir wollen nach der verdienten 2:3-Hinspielniederlage in Tringenstein das Rückspiel gegen diesen Gegner gewinnen.“

Peter Schukat (FSV Nanzenbach) liegt mit seiner Mannschaft mit 30 Zählern und 41:20 Treffern auf Rang zwei. Der 67-Jährige hat gemeinsam mit den Spielern in den vergangenen zweieinhalb Jahren etwas aufgebaut. In jeder Saison ging es ein Stückchen weiter voran.

„Ja, wir stehen auf Platz zwei, ja wir sind motiviert, aber wir sind nicht hochnäsig“, beantwortet er die Frage nach den Aufstiegsambitionen. „Die Jungs arbeiten prima mit. Ich würde mir den Aufstieg allein schon deswegen wünschen, weil er der weiteren Entwicklung der Mannschaft gut tun würde.“ Die Zahl der Langzeitverletzten hat sich auf zwei reduziert: Christopher Klabunde und Jakob Nickel.

Joannis Arabatzis (FC Eintracht Haiger) ist um seine Arbeit nicht zu beneiden. Seine Mannschaft steht mit 29 Punkten und 49:43 Toren zwar auf Rang drei, ist aber ihre Infrastruktur los. Sie darf zurzeit weder das Vereinsheim noch den Hartplatz auf dem Haarwasen nutzen.

Die Vorbereitungsphase fand deswegen beinahe ausschließlich in der Halle statt, und das Training war deswegen auf eine Einheit in der Woche beschränkt. „Riesenkompliment an den SSV Sechshelden, dass wir auf seinem Kunstrasenplatz unsere Punktspiele austragen dürfen“, dankt der 38 Jahre alte Spielertrainer, der mit 18 Treffern zweitbester Torschütze in der Liga ist, dem Nachbarverein.

In der Winterpause haben sich der Mannschaft zwei neue Spieler angeschlossen: Furkan Demir (Gurbetspor Burbach) und Baris Can Alici (SV Niederscheld II). Joannis Arabatzis glaubt deswegen: „Der Kader ist sowohl qualitativ als auch in der Breite besser aufgestellt als in der Hinrunde.“

Michael Busch (SG Tringenstein/Oberndorf) hat mit seiner Mannschaft viele in der Liga überrascht. Mit 28 Punkten und 47:29 Treffern hat sich das Team nach und nach auf Rang vier gepirscht. Als einzige in der Liga hat sie den SV Herborn besiegt – wie auch so manch anderen Konkurrenten im Aufstiegskampf.

Der 51 Jahre alte Steinmetz sagt deswegen: „Wir liegen nicht zufällig aussichtsreich im Rennen. Solange wir in dieser Form an der Konkurrenz dran bleiben, ist alles in Ordnung.“

Zwei Spieler stehen zurzeit nicht zur Verfügung: Voraussichtlich bis Ende März wird die SG Tringenstein/Oberndorf auf den kürzlich operierten Leistungsträger Dean Wolz verzichten müssen, und Verteidiger Ruben Levi wird berufsbedingt ein halbes Jahr im Ausland zubringen.

Peter Kowalenko (FC Erdbach) sagt angesichts von 28 Punkten und 45:27 Toren: „Wir werden alles versuchen, um so lange wie möglich um den Aufstieg zu spielen. Wenn´s klappt, dann klappt´s, wenn nicht, dann nicht.“ Der 34 Jahre alte Spielertrainer ist in seiner zweiten Saison beim FC Erdbach, der auf Rang fünf liegt.

Was spricht für die eigene Mannschaft?

Albert Steiger (SV Herborn) sagt mit Blick auf den unglücklichen Abstieg am Ende der Saison 2018/2019 und mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2020, in dem der Verein sein 100-jähriges Bestehen feiert: „Die Mannschaft brennt vor Ehrgeiz. Wir sind bis auf Tanju Köroglu, der inzwischen gemerkt hat, wie schön es bei uns ist, und vom SSV Guntersdorf zurückgekehrt ist, zusammengeblieben und haben gesagt: Wir steigen gemeinsam wieder auf.“ Als Pluspunkte sieht er das Gesamtpaket aus Talent, individuellen Stärken und mannschaftlicher Geschlossenheit an. „Die Jungs vestehen sich richtig gut.“

Peter Schukat (FSV Nanzenbach) sagt: „Nanzenbach ist noch heute ein Verein, wie es ihn ganz früher einmal gab. Nach dem Fußball sitzen alle noch beim Bier zusammen. Der Zusammenhalt ist unheimlich groß. Der Aufstieg wäre nur meine zweitgrößte Freude. Die größte Freude wäre die mit dem Aufstieg verbundene Feier.“

Joannis Arabatzis (FC Eintracht Haiger) nennt als große Stärke: „Wir können mit schwierigen Situationen umgehen und sind ganz eng zusammengerückt.“ Mehrere Akteure bringen Erfahrung aus höheren Spielklassen und eine große Qualität mit.

Michael Busch (SG Tringenstein/Oberndorf) sagt: „Die Kameradschaft passt, die Mannschaft hat sich gefunden. Wir sind ausgeglichen besetzt. Auch wenn wir keinen ausgesprochenen Torjäger haben: drei, vier Mann nutzen ihre Torchancen. Das macht uns schwer berechenbar.“

Peter Kowalenko (FC Erdbach) meint: Von den Mannschaften, die oben stehen, haben wir den geringsten Druck. Wir müssen nicht aufsteigen. Die Mannschaft gibt es ja überhaupt erst in der dritten Saison.“

Was macht die Konkurrenz so gefährlich?

Für Albert Steiger (SV Herborn) ist Nanzenbach die taktisch stärkste Elf, vor allem im Defensivverhalten. „Von Haiger lasse ich mich überraschen“, sagt er sowohl im Hinblick auf die Infrastuktur-Schwierigkeiten der Eintracht als auch im Hinblick auf die Verstärkungen. „Tringenstein/Oberndorf hätte den Aufstieg wirklich verdient. Michael Busch leistet dort tolle Arbeit. Es wird für diese Mannschaft wie in der Hinrunde weitergehen“, glaubt Steiger. Für Erdbach wiederum würden der schwer zu bespielende Platz und die daraus resultierende Heimstärke sprechen. „Außerdem kommt diese Mannschaft übers Kollektiv. Es gibt keine Stars.“

Peter Schukat (FSV Nanzenbach) sagt: „Der SV Herborn ist haushoher Favorit. Die marschieren durch. Und Haiger hat Joannis Arabatzis.“ Erdbach werfe Spielerisches, Willen und Kampfstärke gleichermaßen in die Waagschale, und in der Mannschaft herrsche eine tolle Kameradschaft. Tringenstein/Oberndorf habe sich toll entwickelt.

Joannis Arabatzis (FC Eintracht Haiger) meint: „Herborn ist durch. Die hätten gar nicht erst absteigen dürfen. Nanzenbach wird weiterhin vorn mitspielen. Erdbach ist für mich der unangenehmste Gegner – eine junge Mannschaft mit einer tollen Einstellung zum Sport.“ Tringenstein/Oberndorf stuft er als nicht ganz so beständig wie die anderen ein.

Michael Busch (SG Tringenstein/Oberndorf) sagt: „Der SV Herborn ist weg – eine sehr gute Mannschaft mit einem sehr guten Trainer.“ Auch Nanzenbach (diese Mannschaft trainierte er als Vorgänger Peter Schukats) schätzt er als stark ein, auch aufgrund des großen Kaders. Haiger stelle eine „Wundertüte“ dar: „Das Pokalspiel haben wir mit 11:0 gewonnen, in der Liga mit 2:3 verloren. Aber sie haben Joannis Arabatzis.“ Über den FC Erdbach sagt er: „Die Hinrunde war überragend gut. Ohne Verletzte wird es für Erdbach so weitergehen.“

Peter Kowalenko (FC Erdbach) schließt sich in Sachen SV Herborn seinen Vorrednern an: „Die sind durch“, sagt der ausgebildete Drahtzieherin der Metallverarbeitung. Der unter Peter Schukat gefestigte FSV Nanzenbach wird bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielen. Und über die SG Tringenstein/Oberndorf sagt er: „Die werden noch kommen.“ Diese drei Mannschaften schätzt er stärker als den FC Eintracht Haiger ein.

Angenommen, die eigene Mannschaft steigt auf: Wer steigt mit ihr auf?

Albert Steiger (SV Herborn): Tringenstein/Oberndorf und Erdbach.

Joannis Arabatzis (FC Eintracht Haiger): Der SV Herborn. Wir spielen mit Nanzenbach um die Ränge zwei und drei.

Peter Schukat (FSV Nanzenbach): Der SV Herborn. Ich habe außerdem Türkgücü Dillenburg auf der Rechnung.

Michael Busch (SG Tringenstein/Oberndorf): Meine Favoriten heißen SV Herborn und FSV Nanzenbach.

Peter Kowalenko (FC Erdbach): Der SV Herborn und der FSV Nanzenbach.



Abgänge und Zugänge

SV Herborn, Abgänge: Samir und Munir Popalzai (beide zum FC Bechlingen), Patrick Pfeiffer (TuS Driedorf); Zugänge: Tanju Köroglu (SSV Guntersdorf), Jarek Witkowski (Polen)-

FSV Nanzenbach, Abgänge: keine; Zugänge: Tim Niklas Blöcher (SSV Frohnhausen).

FC Eintracht Haiger, Abgänge: keiner; Zugänge: Furkan Demir (Gurbetspor Burbach), Baris Can Alici (SV Niederscheld II).

SG Tringenstein/Oberndorf, Abgänge: Ruben Levi (Auslandsaufenthalt); Zugänge: keiner.

FC Erdbach, Abgänge: Nico Lohmann (TuS Driedorf); Zugänge: Jonas Jung (SSV Medenbach). (jes)

Aufrufe: 06.3.2020, 20:43 Uhr
Sven Jessen (Dill-Post / Dill Zeitung)Autor

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