500 Millionen Euro an Schwarzgeld wird im deutschen Amateurfußball bezahlt. Das ergab eine ARD-Umfrage. (Symbolbild)
500 Millionen Euro an Schwarzgeld wird im deutschen Amateurfußball bezahlt. Das ergab eine ARD-Umfrage. (Symbolbild) – Foto: Imago images/Hanno Bode

„Wenn das Geld im Umschlag kommt“ - 500 Millionen Euro Schwarzgeld im Amateurfußball?

ARD-Dokumentation „Milliardenspiel Amateurfußball“

Hat der Amateurfußball ein massives Schwarzgeldproblem? Nach einer ARD-Recherche fließen Unsummen an Amateur-Spielergehältern am deutschen Fiskus vorbei.

München - Eine Milliarde Euro an Spielergehältern? Und davon 500 Millionen Euro an der Steuer vorbei? Diese unglaublichen Zahlen ergeben eine ARD-Recherche zum Thema Bezahlung im Amateurfußball. Über 10.000 Amateurfußballer wurden dafür befragt.

Die Teilnehmer beantworteten in einem Fragebogen, in welchen Ligen sie spielen, was sie verdienen und ob ihr Verdienst schriftlich festgehalten wird. Erhoben wurden die Daten im Oktober 2020. Rechnet man den Verdienst aller 700.000 Amateurspieler in Deutschland auf das ganze Jahr hoch, ergab sich die schier unglaubliche Summe von einer Milliarde Euro. Und da die Hälfte aller Befragten angaben, das Geld schwarz zu erhalten, ergibt sich eine Schwarzgeldsumme von 500 Millionen Euro im deutschen Amateurfußball pro Jahr.

ARD-Recherche: 36,4 Prozent der Befragten bekommen in der Kreisliga noch Geld

Dabei beschränkt sich die Bezahl-Kultur nicht nur auf die höchsten Amateur-Ligen in Deutschland. 60,2 Prozent der männlichen Befragten im Alter von 18 bis 39 Jahren gaben an, einmal oder öfter Geld dafür bekommen zu haben, in einem Amateurverein zu spielen. Selbst in der Kreisliga bekommen nach der Umfrage noch 36,4 Prozent der Hobbykicker eine Vergütung für ihr Hobby.

Wie viel Prozent der Spieler werden in den verschiedenen Ligen bezahlt?
Wie viel Prozent der Spieler werden in den verschiedenen Ligen bezahlt? – Foto: Tim Frohwein

Die Amateurspieler erhalten demnach ein monatliches festes Gehalt und/oder Punkt- und Siegprämien von ihrem Verein. Und insgesamt 50 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, das Geld nicht auf rechtem Weg zu bekommen. Denn laut DFB-Spielordnung dürfen Amateurfußballer nicht mehr als 250 Euro pro Monat an Auslagenerstattung und/oder Aufwandsentschädigung bekommen. Bekommt ein Spieler mehr Geld, muss ein Amateurvertrag abgeschlossen werden - Steuern und Sozialgebühren inklusive. 8500 Amateurerträge auf 700.000 Amateurspieler lassen jedoch eine gewisse Schwarzgeld-Kultur im deutschen Amateurfußball erahnen. Das Gehalt wird demnach schwarz per Briefumschlag an den Spieler übergeben.

Wie viel Geld erhalten die Amateurkicker in ihren Ligen?
Wie viel Geld erhalten die Amateurkicker in ihren Ligen? – Foto: Tim Frohwein

Bezahlung im deutschen Amateurfußball: Minijob für die Freundin

Neben der ‚klassischen Vergütung‘ im Briefumschlag werden die Vereine bei der Bezahlung durchaus kreativ. 18,2 Prozent der Befragten gaben an, auch schon mit Sachwerten und Dienstleistungen entlohnt worden zu sein. Eine vom Verein gestellte Wohnung oder Auto sind keine Ausnahme.

Auch die Anstellung der Freundin vom Verein/Sponsor für einen Minijob, der nicht ausgeübt wird, Handwerkerleistungen oder ein angebliches Engagement als Jugendtrainer sind laut den Umfrage-Teilnehmern Möglichkeiten bezahlt zu werden.

Die Dokumentation „Milliardenspiel Amateurfußball - Wenn das Geld im Umschlag kommt“ wird am heutigen 19. Januar um 23.30 Uhr im Ersten ausgespielt. (kk) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Aufrufe: 019.1.2022, 11:38 Uhr
Korbinian KothnyAutor