Jugend- oder Herrenfußball? Die U 19-Junioren – hier ein Duell aus früheren Zeiten zwischen dem FC Moosinning (gelb) und der SpVgg Altenerding – spielen künftig bei den Herren – sofern sie nicht in der BOL sind. 
Jugend- oder Herrenfußball? Die U 19-Junioren – hier ein Duell aus früheren Zeiten zwischen dem FC Moosinning (gelb) und der SpVgg Altenerding – spielen künftig bei den Herren – sofern sie nicht in der BOL sind.  – Foto: Christian Riedel

Im Bezirk ein Junior, im Kreis ein Mann: Verjüngung birgt Probleme

Spielleiter und Trainer reagieren auf Abstimmung

Die Altersabsenkung im Kreis Donau/ Isar sorgt für Probleme. Es ziehen nicht alle Kreise mit, was die Planungen für das kommende Jahr erschwert.

Erding Unsere Fußballjugend soll jünger werden. Hört sich seltsam an, ist aber erklärbar. Künftig dürfen U 19-Junioren bei den Herren spielen – das hat nun die Mehrzahl der Vereine beschlossen. Das und die komplette Altersabsenkung gilt aber nur für den Fußballkreis Donau/Isar, zu dem die Kreise Erding, Freising, Pfaffenhofen und Ingolstadt gehören. Wer etwas weiter in Oberbayern rumkommt, hat jetzt ein dickes Problem.

Wie berichtet, hatte Kreisjugendleiter Stefan Erl die Vereine aufgerufen, für das Projekt Altersabsenkung abzustimmen. Die A-Jugend bilden statt der U 19- und der U 18-Junioren künftig die U 18 und die U 17, die B-Jugend ist dann U 16/U15 und so weiter. 109 der 158 Vereine beteiligten sich an der Abstimmung – 70,6 Prozent votierten für die Verjüngung.

Erdings Spielgruppenleiter Willi Brambring freut’s: „Dass U 19-Spieler künftig bei den Herren auflaufen, finde ich gut. In diesem Alter müssen und wollen sie auch nicht mehr in der Jugend spielen.“

Erdings Spielgruppenleiter Brambring: Oberbayerischer Fleckerlteppich

Aber Brambring sagt auch: „Wir haben jetzt einen Fleckerlteppich in Oberbayern.“ Der Spielkreis München etwa habe sich gegen die Altersabsenkung entschieden. Der Kreis Inn/Salzach hat sich für eine Altersabsenkung zur Saison 2021/22 entschieden. Die U 19 wird gestrichen, Die A-Jugend besteht dann aus drei Jahrgängen (U18, U 17, U 16), ab der C-Jugend gibt es keine Veränderung, es bleibt wie bisher bei U 15, U 13, U 11 und U 9.

Das unterschiedliche Procedere werde für die Vereine ein Problem, die über die Fußballkreisgrenzen hinaus unterwegs sind, befürchtet Brambring. Die SpVgg Altenerding etwa muss laut Jugendleiter Florian Aldinger zweigleisig planen, weil noch offen ist, welche Mannschaften im nächsten Jahr in der BOL spielen. „Bei uns steht derzeit nur fest, dass die C-Jugend in der BOL spielt, aber die Zugehörigkeiten von A-, B- und D-Jugend entscheiden sich erst im Juni oder Juli“, erklärt Aldinger. Konkret heißt das: Sollte Altenerdings A-Jugend in die Kreisliga absteigen, besteht das Team aus den Jahrgängen 2004 und 2005. Bleibt aber die B-Jugend in der BOL, sind es die 2005er und 2006er. Das hieße, dass die 2005er in der A- und B-Jugend tragende Säulen sind.

Eine A-Jugend aus drei Jahrgängen

Bleibt die A in der BOL und die B in der Kreisliga, würde sich das Problem dahingehend verschieben, dass die A-Jugend aus drei Jahrgängen (2003 – 2005) bestünde. „Der junge Jahrgang hätte es aufgrund von körperlichen Defiziten schwer, dort sofort Fuß zu fassen, denn es kann hier im Extremfall zu drei Jahren Altersunterschied kommen“, so Aldinger, der auch eine erschwerte Trainerplanung auf die Vereine zukommen sieht. „Gerade im Juniorenfußball sind viele Väter Übungsleiter. Bislang konnte ich bei der Saisonplanung im Januar schon sagen, wo dessen Sohn im nächsten Jahr spielt. Da die Jahrgangseinteilung nun aber auch von der Ligazugehörigkeit abhängig ist, ist eine frühzeitige Planung nicht mehr darstellbar“.

Christian Mildner, Jugendleiter vom TSV Dorfen, hat für die Altersabsenkung gestimmt. Allerdings sieht er „nun den Verband in der Pflicht und erwartet, dass es kurzfristig doch zu einer Vereinheitlichung kommen wird.“ Da Dorfen aus heutiger Sicht mit der A-Jugend in der nächsten Saison wohl nur eine Mannschaft in der BOL stellt, ist der Verein zuversichtlich, dass man mit der Situation gut umgehen kann. Mildner hätte sich aber gewünscht, dass die Altersabsenkung nicht schon zur nächsten Saison realisiert werden würde: „Durch Corona fehlen schon jetzt viele Monate Spielpraxis in allen Jahrgängen. Dies lässt sich sicher nicht von heute auf morgen aufholen. Damit haben die Vereine ohnehin schon einen deutlichen Mehraufwand, und jetzt muss man sich noch auch diesem zeitintensiven Thema widmen“.

Die schwere Phase nach Corona für die Vereine

Die Zeit nach der Corona-Pandemie ist auch für Brambring die große Unbekannte. „Wir wissen nicht, wie es in den Vereinen weitergeht, wieviele Spieler übrig bleiben“. Er habe zwar keine Zahlen, aber bei Gesprächen mit Vereinsfunktionären und Trainern höre er immer wieder deren Sorge raus, dass bei weitem nicht alle Jugendkicker zurückkehren. „Und auch Betreuer haben nun bemerkt, dass es ganz angenehm ist, nicht zweimal die Woche auf dem Trainingsplatz zu sein“, erzählt Brambring.

Gökmen Uluhan, 2. Sportlicher Leiter der JFG Sempt Erding, steht der Altersabsenkung positiv gegenüber, hat aber bei seiner Entscheidung auch die Belange seines Heimatvereins FC Türkgücü Erding im Blick. „Es gab in der Vergangenheit immer wieder Probleme, eine A- und/oder B-Jugend zu stellen, was damit zusammenhing, dass Vereine schon mit ihrem älteren Jahrgang für den Herrenbereich planen.“ Diese Problematik werde durch die neue Regelung etwas abgeschwächt, weil bei der neuen Altersstruktur deutlich weniger Jugendspieler ein Spielrecht im Herrenbereich besitzen. Uluhan hofft, dass man dadurch mehr Spieler durch den Jugendbereich bekommt, „denn so stoßen sie ein Jahr früher in den Herrenbereich, was auch der Wunsch vieler Nachwuchsakteure ist“. Da auch die JFG mit den D-Junioren in der BOL vertreten ist, müssen sich die Erdinger mit dem Problem der unterschiedlichen Regelung befassen. Uluhan: „Da kommt viel Arbeit auf uns zu, um dies planen zu können.“

BSG Taufkirchen freut sich auf die 19-Jährigen

Obwohl die BSG Taufkirchen voraussichtlich vor der kommenden Saison nicht mit diesen Schwierigkeiten in Berührung kommt, kann Juniorenleiter Stefan Bart die unterschiedliche Vorgehensweise nicht nachvollziehen. Er bedauert, „dass jeder Kreis, auch bei den kürzlich eingeführten Meldeligen, sein eigenes Süppchen kocht“. Unabhängig davon hat die BSG für die Altersabsenkung gestimmt, weil man in die Taufkirchen die 19-jährigen Spieler idealerweise im Herrenbereich sieht. Trotz allem vertritt Bart die Meinung, dass „eine einheitliche Lösung – zumindest für den Bezirk Oberbayern – wohl deutlich mehr Sinn machen würde. Wenn ich bedenke, dass selbst die Kreise völlig unterschiedliche Regelungen haben, bin ich mir sicher, dass es hier immer wieder zu erheblichen Schwierigkeiten im Spielbetrieb kommen wird.“

(Andreas Heilmaier/ Dieter Priglmeir)

Ein ausführliches Interview mit Kreisspielleiter Stefan Erl folgt.

Aufrufe: 2.2.2021, 10:14 Uhr
Erdinger Anzeiger / A. Heilmaier / D. PriglmeirAutor

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