
Einige Zuschauer werden sich gewundert haben. Im Nachholspiel von Fußball-Bezirksligist TSV Zorneding gegen den SV Miesbach am Mittwochabend standen auf Zornedinger Seite überraschend wieder Sascha Bergmann und Florian Heppert an der Seitenlinie. Beide waren erst vor rund anderthalb Wochen entlassen worden. Ob die kurzfristige Rückholaktion von Erfolg gekrönt war, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
„Wir haben das Gefühlskarussell jetzt in kurzer Zeit einmal komplett durchgespielt. Wir wurden am späten Dienstagabend angerufen und haben uns dann in kurzer Zeit dazu entschlossen, es zu machen. In erster Linie, weil uns die Jungs sehr am Herzen liegen“, erklärte Sascha Bergmann das nicht für möglich gehaltene Comeback. „Eigentlich hatten wir uns ja schon längst von der Mannschaft verabschiedet“, so der neue alte TSV-Coach.
Seit Ende der Winterpause kommt der TSV Zorneding nicht zur Ruhe. Anfang März verkündeten die Verantwortlichen die Vertragsverlängerung mit ihrem langjährigen Erfolgsduo Bergmann und Heppert bis zum Ende der Saison 2026/27. Trotz sportlicher Talfahrt stärkte die Abteilungsleitung ihren Trainern Anfang April solidarisch den Rücken, um sie rund zwei Wochen später nach dem 2:2-Remis gegen Siegsdorf doch von ihren Aufgaben freizustellen.
Wir haben das Gefühlskarussell jetzt in kurzer Zeit einmal komplett durchgespielt.
TSV-Trainer Sascha Bergmann
Stattdessen entschied man sich, im Saisonendspurt auf die bisherigen Coaches der Reservemannschaft, Michael Franz und Maximilian Kapfelsperger, zu setzen. Durch die 0:1-Niederlage in Saaldorf am vergangenen Sonntag rutschte der TSV auf den letzten Tabellenplatz ab, ehe es nun zur Rolle rückwärts kam.
„Wir haben uns weder die erste noch die jetzige Entscheidung leichtgemacht. Mein ausdrücklicher Dank gilt Michael und Maximilian, die in einer schwierigen Situation kurzfristig Verantwortung übernommen haben. Die Entscheidung ist weder eine Reaktion auf das jüngste Spielergebnis noch eine Bewertung ihrer Arbeit“, erklärte Abteilungsleiter Mark Grusz, der am Dienstagabend zu „intensiven und offenen Gesprächen zwischen Mannschaft, Trainerteam und Vereinsführung“ gebeten hatte, wie der TSV in einer Pressemitteilung am Mittwochvormittag erklärte.
„Dabei kamen alle Beteiligten zu dem Ergebnis, dass in der aktuellen sportlichen Lage die über Jahre gewachsene, vertrauensvolle Verbindung zwischen Mannschaft und Trainerduo der Faktor ist, der die entscheidenden Punkte bringen kann“, hieß es weiter.
Wie mehrere Quellen unserer Redaktion unabhängig voneinander bestätigten, war die Entlassung von Bergmann und Heppert nach dem Siegsdorf-Spiel im Kreis der Mannschaft auf großes Unverständnis gestoßen. Die Spieler gingen anschließend offenbar auf die Barrikaden. „Ich kann dazu nichts sagen. Ich weiß nur, dass die Jungs nicht gerade glücklich waren und sich dann sehr für Hepps und mich eingesetzt haben. Das zeigt die gegenseitige Wertschätzung, die wir über die Jahre aufgebaut haben“, so Bergmann, der keinen Groll gegenüber der Abteilungsleitung äußerte: „Jeder macht mal Fehler. In einem Verein geht man eben gemeinsam durch gute sowie schwierige Zeiten.“
Selbst eine Zusammenarbeit über das Jahr hinaus ist für beide Seiten plötzlich wieder denkbar. Zunächst möchte man in Zorneding gemeinsam den Klassenerhalt klarmachen – nun also doch mit dem langjährigen Erfolgsduo Bergmann/Heppert.