Kein Halten mehr beim FC Stätzling: Nachdem Torhüter Florian Hartmann (gelbes Trikot) in der Nachspielzeit das 1:1 erzielt hatte, gab es vor allem für seine Mannschaftskameraden kein Halten mehr. So richtig freuen konnte sich der 19-Jährige aber nicht.
Kein Halten mehr beim FC Stätzling: Nachdem Torhüter Florian Hartmann (gelbes Trikot) in der Nachspielzeit das 1:1 erzielt hatte, gab es vor allem für seine Mannschaftskameraden kein Halten mehr. So richtig freuen konnte sich der 19-Jährige aber nicht. – Foto: Sebastian Richly

Ekstase in der Nachspielzeit

Torhüter Florian Hartmann trifft für den FC Stätzling zum späten 1:1 +++ Wie der 19-Jährige den Treffer erlebt und warum er sich gar nicht so richtig freuen kann

Als Florian Hartmann auf dem Boden landete, wusste er nicht, was passiert war. War der Ball nun im Tor oder nicht? Zuerst sah der Stätzlinger Torhüter in die enttäuschten Gesichter der gegnerischen Fußballer. Ganz sicher war er sich aber erst, als seine Mitspieler auf ihn zustürmten. „Dann habe ich erst realisiert, dass ich getroffen habe“, so Hartmann, der mit einem Kopfballtreffer in der Nachspielzeit dem FCS zumindest einen Punkt beim 1:1 gegen den TSV Wertingen sicherte.

Vor dem Tor des Gegners bildete sich spontan eine Stätzlinger Jubeltraube. Mittendrin Florian Hartmann, der im Vergleich zu seinen völlig ausflippenden Teamkameraden vergleichsweise ruhig blieb. „Ich dachte, dass das Spiel noch länger geht, und wollte wieder zurück in mein Tor“, so der 19-Jährige, der sich gar nicht so richtig freuen konnte. Hartmann lief zielstrebig Richtung Stätzlinger Strafraum vorbei an den fassungslosen Gegenspielern. Auf halben Weg ertönte der Schlusspfiff. „Erst dann habe ich mich freuen können. Schließlich war es mein erstes Tor aus dem Spiel heraus“, so Hartmann. Der Torhüter, der in Inchenhofen wohnt, hat aber noch eine andere Erklärung für seine verhaltene Freude: „Ich habe in den letzten Wochen den ein oder anderen Fehler gemacht. Ich bin froh, dass ich der Mannschaft mit meinem Tor helfen konnte, und hoffe, dass mir das Selbstvertrauen gibt.“ Zahlen für den Treffer muss der Premieren-Torschütze übrigens nicht. Denn laut Hartmann muss beim FCS der Trainer eine Kiste spendieren, wenn ein Spieler, der sich im ersten Erwachsenenjahr befindet, ein Tor schießt oder einen Elfmeter hält. Bei Florian Hartmann hätte Trainer Andreas Jenik aber eher auf Zweiteres getippt.

Immerhin hatte der Coach das Okay gegeben für Hartmanns Ausflug in den gegnerischen Sechzehner. „Mein Vater und andere Zuschauer haben reingerufen. Ich habe dann beim Trainer nachgefragt und bin nach vorne“, so Hartmann, der keinen großen Plan verfolgte. „Ich bin einfach da hingerannt, wo ich dachte, dass der Ball hinfliegt. Ich hatte am Anfang auch einen Gegenspieler, der dann aber nicht mehr so nah an mir dran war. Ich habe einfach versucht, den Ball aufs Tor zu bringen“, so der FCS-Schlussmann, der am Abend einige Nachrichten auf seinem Handy hatte. „Viele Freunde, Vereinskollegen aber auch gegnerische Spieler haben mir gratuliert.“

Geübt hat Hartmann solche Situationen im Training übrigens nicht. „Bei den Torwartübungen schießen wir schon öfter aufs Tor. Köpfen ist allerdings sehr selten, wenn dann bei Flanken“, so Hartmann, der seit der F-Jugend im Tor steht. „Als ich ganz klein war, habe ich ein paar Tore gemacht. Auch in der Halle habe ich schon getroffen, aber so noch nicht.“ Auch Stätzlings Abteilungsleiter Manfred Endraß kann sich in all seinen Jahren nicht an ein solches Tor erinnern. „Das habe ich noch nicht erlebt. Torwart-Tore vom Elfmeterpunkt gab es schon, aber das noch nicht“, so Endraß, der hinzufügt. „Es ist aber auch ein bisschen sinnbildlich für unser Spiel gewesen. Wir hätten wahrscheinlich drei Tage spielen können, und unsere Feldspieler hätten nicht getroffen.“ Der FCS-Sportchef hofft aber, dass Hartmann künftig nicht mehr so häufig mit nach vorne müsse. „Mir ist es lieber, er bleibt im Tor. Das würde dann ja auch bedeuten, dass wir nicht hinten liegen. Er hätte sich aber durchaus mehr freuen können. Auch wenn er ein paar Fehler macht, stehen wir voll hinter ihm. Da braucht er sich keine Sorgen machen.“ Auch Florian Hartmann hätte sich lieber im eigenen Strafraum ausgezeichnet. „Eine spielentscheidende Parade bevorzuge ich. Ich muss kein Tor schießen.“

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Aufrufe: 023.11.2021, 07:49 Uhr
Friedberger Allgemeine / Sebastian RichlyAutor

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