TSV-Urgestein Marius Kugele ist neuer Cheftrainer seines Heimatvereins.
TSV-Urgestein Marius Kugele ist neuer Cheftrainer seines Heimatvereins.

"Der TSV Waldhausen ist für mich eine Herzensangelegenheit"

Das ist der Neue: Marius Kugele soll in dieser Saison die Geschicke des TSV Waldhausen als Cheftrainer leiten. Im Interview sprachen wir über den Umbruch, der ihm und dem Verein bevorsteht.

Ihn kennt in Waldhausen jeder, jetzt ist er der neue Cheftrainer der Aktiven: Marius Kugele ist seit über 25 Jahren beim TSV aktiv und war bis 2018 zwölf Jahre lang Jugendtrainer und zwei Jahre Jugendleiter, bevor es den Werkzeugmechaniker berufsbedingt nach China verschlug. Seit etwas mehr als einem Jahr ist er wieder zurück in Deutschland und soll nun den TSV-Umbruch nach den Abgängen von Torhüter Marcel Salzmann, Knipser Yalcin Yavuz und Spielertrainer Kenny Maurice Spengler einleiten.

Fußball ist für ihn aber nicht nur gleichbedeutend mit dem TSV: Seit 20 Jahren ist der begeistere VfB-Fan Dauerkartenbesitzer und außerdem zweiter Vorsitzender des Fanclubs Rot-Weiße-Welle Urbach. Den TSV Waldhausen lebt er durch und durch. Und auch seine eigene fußballerische Karriere fand ausschließlich bei seinem TSV statt: Nach dem Credo: „Die Besseren sollen spielen“, lief Kugele zwar meist für die Reserve auf, doch umso mehr konnte er sich in dieser Zeit um seine Jugendmannschaften kümmern. Denn der 35-jährige Defensivallrounder hatte auch schon Jahre, in denen er mehrere Jugendmannschaften gleichzeitig trainierte und damit buchstäblich sieben Mal pro Woche auf dem Platz stand. Dieser frühe Fokus auf die Aufgabe an der Seitenlinie, der sich nach einer Sprunggelenksverletzung 2006 noch einmal ausweitete, möchte er sich jetzt als Cheftrainer der Aktiven zunutze machen.

Michael Feindert: Hallo Marius! Wie kam es dazu, dass du jetzt Cheftrainer beim TSV bist?

Marius Kugele: Der Verein hat Gespräche mit ein paar Kandidaten geführt. In diesem Zuge fiel dann auch mein Name, weil ich sehr lange Jugendtrainer in Waldhausen war. Als die Verantwortlichen auf mich zukamen, habe ich kurz überlegt, aber mir war schnell klar, dass ich das Amt gerne übernehmen würde. Der TSV Waldhausen ist für mich eine Herzensangelegenheit. Bevor man da einen Trainer holt, der von weiters herkommt und es nur fürs liebe Geld macht, mach ichs lieber selbst. Es ist ja leider mittlerweile überall so, dass es auch schon in den unteren Klassen anfängt mit der Bezahlung, was ich persönlich sehr bedauere. In der Kreisliga B sollte aber der Spaß und die Kameradschaft im Vordergrund stehen und nicht, was man dafür bekommt.

"In der Kreisliga B sollte aber der Spaß und die Kameradschaft im Vordergrund stehen und nicht, was man dafür bekommt", sagt der 35-Jährige, der nicht lange zögerte, als sein TSV einen neuen Trainer suchte.
"In der Kreisliga B sollte aber der Spaß und die Kameradschaft im Vordergrund stehen und nicht, was man dafür bekommt", sagt der 35-Jährige, der nicht lange zögerte, als sein TSV einen neuen Trainer suchte. – Foto: Timo Härer

Mit wem wirst du das Trainerteam bilden?

Anton Schreitmüller, unseren Torwarttrainer Salvatore Bergamasco und mein Co Timo Heinrich kenne ich schon sehr lange. Die letzten beiden sind auch VfB-Fans und Mitglieder bei mir im Fanclub RWWU. Ich denke, gerade hier in so einem kleinen Dorfverein muss es dann auch im Trainerteam passen und man sollte sich blind vertrauen können. Das ist bei uns auf jeden Fall gegeben.

Was bist du für ein Trainertyp?

Ich denke, bei der Jugend war ich doch eher einer, der gerne mal etwas von außen reinruft und auch mal im Spielfeld steht. Wie es bei den Aktiven sein wird, weiß ich, ehrlich gesagt, noch gar nicht. Es wird für mich sicherlich eine andere Herausforderung sein als in meiner Zeit als Jugendtrainer. Und meine Präsenz von der Seitenlinie aus hängt dann sicher auch davon ab, wie wir spielen und wie die jeweilige Spielphase läuft.

Kugeles verlängerter Arm auf dem Platz heißt Timo Heinrich und ist spielender Co-Trainer.
Kugeles verlängerter Arm auf dem Platz heißt Timo Heinrich und ist spielender Co-Trainer.

Steht der TSV Waldhausen denn vor einem kleinen Neuanfang?

Ich denk schon. Es ist auf jeden Fall ein Umbruch, den wir gemeinsam bestreiten werden. Ich kann nicht zu allen Abgängen etwas sagen, aber gerade der von Kenny – ebenfalls Fanclubmitglied und glühender VfB-Fan – trifft einen Dorfverein wie uns immer etwas mehr als andere. Es ist natürlich immer auch schön, wenn man sieht, dass einer unserer Jungs auch in einer höherklassigen Mannschaft mitkicken kann. Gleichzeitig wiegt dieser Verlust für uns schwer, denn neue Spieler für die Aufgaben in der Kreisliga B zu verpflichten, geht auch nicht so einfach. Die Achse Marcel Salzmann im Tor und Yalcin Yavuz, der mit Pfahlbronn zu einem direkten Konkurrenten um den Aufstieg gewechselt ist, und Kenny, fraglos unsere treffsichersten Angreifer, bricht uns weg.

Ich habe deshalb auch von vornherein klargestellt, dass bei uns keiner sagen braucht, wir spielen oben mit und wollen aufsteigen. Es wäre schön, wenn es so kommt. Das würde ich sofort unterschreiben. Bei den Abgängen muss man einfach realistisch bleiben. Aber ich bin da zuversichtlich!

Du hast es eben schon angesprochen: Wie sieht es denn bei euch in Sachen Neuzugängen aus?

Das ist, wie gesagt, immer schwierig für einen Verein wie uns. Von unserer früheren gemeinsamen A-Jugend mit dem SC Urbach haben wir zwei Jungs zurückholen können: Paul Werni kommt raus, außerdem ziehen wir mit Robin Paar gleich einen weiteren A-Jugendspieler hoch. Außerdem gibt es zwei Spieler, die wir reaktivieren konnten: Marco Spadaro, Selcuk Yavuz. Die habe ich auch bereits in der C- oder B-Jugend schon einmal trainiert. So ist der Weg: Man spricht die Leute an und dann kriegen sie vielleicht wieder Bock. Hinzu kommen der bislang vereinslose Alex Behzadi und Matthias Idler, der vom TSV Strümpfelbach zu uns stößt.

Juckte es mit seinen 32 Jahren nochmal in den Füßen: Selcuk Yavuz konnte von Marius Kugeles TSV Waldhausen reaktiviert werden.
Juckte es mit seinen 32 Jahren nochmal in den Füßen: Selcuk Yavuz konnte von Marius Kugeles TSV Waldhausen reaktiviert werden.

Ein gleichwertiger Ersatz zu unseren Abgängen ist das aber nicht, das sollte allen klar sein. Wir werden einfach weiterhin versuchen, die Leute bei uns im Dorf, die mal bei uns gespielt haben oder noch hier wohnen, zu mobilisieren und dann muss es das Ziel sein, zwei Mannschaften zu stellen. Viele von den jüngeren Spielern, die ich trainiert habe, kennen mich schon ihr halbes Leben und fahren gemeinsam mit mir ins Stadion. Es muss also kameradschaftlich passen – und dann kommt der Erfolg ganz von alleine.

Wie sieht bei euch die Vorbereitung aus?

Ich wollte, wie viele andere Teams, natürlich flott sein und bei den ersten Lockerungen sind wir deshalb gleich wieder ein Mal in der Woche auf den Platz und haben gekickt. Das war nicht nur schön für die Jungs, sondern auch wichtig, damit der ein oder andere, der seit acht Monaten keinen Ball mehr gesehen hat, wieder etwas machen kann. Am vergangenen Montag haben wir dann mit der Vorbereitung begonnen, die bis zur ersten Pokalrunde im August gehen soll. Das Pokalspiel sehe ich aber ebenfalls noch als Vorbereitung auf die Runde an, die dann wieder losgeht. Wenn sie losgeht, was wir natürlich alle hoffen.

Unser Fokus in der Vorbereitung liegt auf einer gesunden Mischung aus Kondition und allem anderen. Die Magath’schen Zeiten, mit dem Medizinball die Treppe hoch, sind längst vorbei – der Spaß darf bei so einer Sache niemals fehlen. In den Vorbereitungsspielen werden wir dann merken, ob die Kondition, die wir bis dahin aufgebaut haben, ausreicht. Denn natürlich haben wir auf der anderen Seite auch keine Lust darauf, jedes Spiel nach 60 Minuten noch aus der Hand zu geben. Das macht dann auch keinen Spaß. Im Moment gibt es sie noch, die großen individuellen Leistungsunterschiede und wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt. In der Ferienzeit fehlt dann sicher nochmal der ein oder andere, auch das kommt immer hinzu.

Vergangenen Montag startete der TSV Waldhausen offiziell mit der Vorbereitung auf die Saison 21/22.
Vergangenen Montag startete der TSV Waldhausen offiziell mit der Vorbereitung auf die Saison 21/22.

Wie willst du den TSV spielen lassen?

Zum Spielsystem muss ich wirklich sagen, dass ich mir da die ersten Testspiele meiner Mannschaft anschauen werde und dann kann ich sagen, mit was für einem Material wir hier arbeiten können. Ich habe zwar viele der Spieler schon in der Jugend trainiert, aber längst nicht alle. Deshalb will ich mich da noch nicht festlegen. Das beste Beispiel ist da ja auch wieder der VfB: Unter Zorniger hat das einfach überhaupt nicht funktioniert. Ich finde, gerade in den unteren Ligen muss man aus den vorhandenen Spielern eine Spielidee und eine Mannschaft formen und nicht umgekehrt einer Mannschaft ein bestimmtes System aufzwingen.

In der Jugend habe ich beispielsweise immer mit einem Libero spielen lassen, das haben andere Mannschaften vor Jahrzehnten zuletzt gemacht. Doch das war auch davon geschuldet, dass ich einen großen Innenverteidiger hatte und das ausnutzen wollte. Das wird bei den Aktiven natürlich nicht mehr so sein, aber ich werde mir alles in Ruhe anschauen und dann hoffentlich das beste System finden.

Wie viele deiner Spieler hast du denn tatsächlich schon einmal in der Jugend trainiert?

Es sind auf dem Papier circa 30 Leute. Über die Hälfte habe ich im Laufe ihrer Jugendzeit sicher irgendwann mal trainiert. Die Spieler kennen mich und müssen miteinander auskommen und gemeinsam Fußball spielen. Ich würde nicht den Trainer machen wollen, um dann zu sehen, dass Spieler einen gewissen Betrag kassieren, sondern die Einheit und die Kameradschaft fördern. Wenn der ein oder andere noch im Ort wohnt, ist das ebenfalls besser, als wenn wir jetzt aus Schorndorf oder Gmünd Spieler dazuholen würden. Es ist doch überall das Gleiche: Wenn man in der Jugend schon mit seinen besten Kumpels zusammengekickt hat, macht es auch mehr Spaß, wenn man dann bei den Aktiven immer noch gemeinsam auf dem Feld steht. Das sollte unsere Philosophie sein.

Die Mannschaft muss sich in den kommenden Wochen erst noch finden und einige Spieler werden in die Positionen erst noch hineinwachsen müssen. Doch die Zeit hat man in Waldhausen: Die sportlichen Verantwortlichen blicken realistisch in die Zukunft.
Die Mannschaft muss sich in den kommenden Wochen erst noch finden und einige Spieler werden in die Positionen erst noch hineinwachsen müssen. Doch die Zeit hat man in Waldhausen: Die sportlichen Verantwortlichen blicken realistisch in die Zukunft. – Foto: Timo Härer

Wer ist denn die wichtigste Stütze in deiner Mannschaft?

Das ist aktuell ganz klar Timo Heinrich, der mir da auch als Spielertrainer eine große Hilfe und der verlängerte Arm in der Mannschaft ist. Timo ist einer der ganz erfahrenen Spieler.

Wo willst du mit deinem Team am Saisonende stehen?

Wie vorhin schon angeschnitten: Es wäre wünschenswert, so viele Erfolge wie möglich einzufahren, aber wir müssen erstmal kleinere Brötchen backen. Die Neuzugänge sind ein hochgezogener A-Jugendspieler und einer, der seine ersten Schritte bei den Aktiven macht, dazu drei Spieler, die schon seit Jahren nicht mehr im Verein Fußball gespielt haben und mit Matthias Idler ein ‚echter‘ Neuzugang vom TSV Strümpfelbach. Gewisse Mannschaften wie der SV Pfahlbronn haben uns da einfach etwas voraus in dieser Saison. Deren Kader bleibt zusammen und Yalcin wird sicher auch seine Tore machen. Wir hingegen müssen erstmal schauen, wer die vakanten Positionen, gerade vorne, einnehmen wird. Denn wenn man keine Tore schießt, wird es naturgemäß immer schwer sein, die Spiele zu gewinnen.

Das soll jetzt aber nicht so negativ klingen! Keine Sorge: Ich denke nicht, dass wir Woche für Woche auf den Deckel bekommen werden! Vielleicht wird die Saison so aussehen, dass wir ein paar Spiele gemeinsam gewinnen und ein paar gemeinsam verlieren werden. Und an beidem wächst man mannschaftlich. Unser Team ist noch enorm jung und viele Spieler müssen erst noch in ihre Rollen auf dem Feld reinwachsen. Diese Spieler werde ich heranführen. In dieser Saison wird sicher nicht schon alles klappen.

Auch Alex Behzadi ist neu beim TSV. Der Mittelfeldmann war zuvor vereinslos.
Auch Alex Behzadi ist neu beim TSV. Der Mittelfeldmann war zuvor vereinslos.

Wir sind bei uns im Verein alle derselben Meinung, dass wir nicht oben mitspielen müssen. Falls es nachher dann doch alles ganz anders laufen sollte und wir einen Lauf starten, will ich der Letzte sein, der sich dagegen wehrt. Aber dafür müssen erstmal alle mitziehen.

Eine letzte Frage zum Abschluss: Was ist das Tollste am Trainerjob?

Also dadurch, dass es für mich ja die erste Trainerposition bei den Aktiven ist, kann sich das alles nochmal ändern, aber beim Jugendfußball war es für mich so: Wenn man gesehen hat, wie es den Kindern Spaß macht und diese Freude auch zurückbekommt – das war für mich immer das Schönste. Ich sage immer: Über den Spaß kommt der Erfolg. Und wenn ich nur daran denke, wen ich von den Jungs schon alles trainiert habe, freue ich mich ganz arg darauf, in der kommenden Saison Trainer des TSV Waldhausen zu sein.

Dafür wünsche ich dir und dem TSV alles Gute und eine verletzungsfreie Vorbereitung!

Aufrufe: 019.7.2021, 07:30 Uhr
Michael FeindertAutor

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