Neues Glück im nächsten Jahr: Thomas Ostermaier (l.) – hier im Zweikampf mit Ömer Altinisik (SpVgg Altenerding, jetzt FC Langengeisling) - wird es mit der DJK Ottenhofen im nächsten Jahr erneut versuchen.
Neues Glück im nächsten Jahr: Thomas Ostermaier (l.) – hier im Zweikampf mit Ömer Altinisik (SpVgg Altenerding, jetzt FC Langengeisling) - wird es mit der DJK Ottenhofen im nächsten Jahr erneut versuchen. – Foto: Christian Riedel (Archiv)

BFV-Abstimmung: Doppelter Verlierer Ottenhofen

Fußball

Die DJK-Fußballer verpassen nach der Entscheidung zum Saisonabbruch gleich zweimal den Aufstieg. Und das sagen die anderen Nichtaufsteiger und Absteiger.

Erding Der Saisonabbruch in Bayerns Fußballamateurligen trifft alle Kicker, aber manche Vereine gleich doppelt. Ein Beispiel ist die DJK Ottenhofen, die mit beiden Herrenmannschaften auf dem Relegationsplatz stand. Doch mit dem Aufstieg der Ersten (Tabellenzweiter in der A-Klasse 8) in die Kreisklasse beziehungsweise der Zweiten (Zweiter in der B-Klasse) wird es nichts.

Wie berichtet, wird die Fußballsaison 2019/21 wird gemäß der in der Spielordnung verankerten Quotienten-Regelung gewertet. Es wird direkte Auf- und Absteiger in den einzelnen Spielklassen geben. Die Relegation entfällt ersatzlos. Eine klare Mehrheit von 71,14 Prozent (2115 Stimmen) habe sich in einem vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) eingeholten Meinungsbild dafür ausgesprochen, meldet der BFV. Das zur Abstimmung stehende Alternativmodell (Variante 2), wonach alle Vereine, die unter Berücksichtigung der Quotienten-Regel in der Tabelle auf einem Aufstiegs- oder Relegationsplatz stehen, aufsteigen können und der Abstieg nicht zum Tragen gekommen wäre, erhielt demnach lediglich eine Zustimmung von 28,86 Prozent (858 Stimmen). Im Kreis Donau/Isar war das Meinungsbild sogar noch deutlicher. Laut BFV votierten 77,42 Prozent der abstimmenden Vereine für Variante 1.

Sportlich gesehen ist das Ergebnis für viele Vereine bitter

Benjamin Settles war nicht sonderlich überrascht, „auch wenn wir ein knapperes Ergebnis erwartet hatten“, wie der Ottenhofener Fußballchef betont. Für viele Vereine sei es vermutlich keine interessante Variante gewesen, in einer vergrößerten Liga zu spielen. „Vor allem die damit verbundene Mehrzahl an Abstiegsplätzen war auch für uns keine attraktive Aussicht.“ Sportlich gesehen sei es „natürlich bitter, wenn man bedenkt, dass wir mit beiden Mannschaften den Relegationsplatz belegen. Den ein oder anderen Spieler hätte die Kreisklasse beziehungsweise die A-Klasse mit Sicherheit gereizt, vor allem weil es der Lohn für eine von beiden Mannschaften gute Saison gewesen wäre“. Settles gab aber auch zu bedenken, „dass die Herausforderung in einer höheren Liga nach so einer langen Pause mit Sicherheit nicht zu unterschätzen gewesen wäre“.

Der Ottenhofener Fußballchef blickte schon mal voraus: „Jetzt sollte jetzt der Ansporn entsprechend groß sein, diese Leistung in der kommenden Saison zu bestätigen und möglicherweise noch zu verbessern. Sodass man am Ende seine Ziele auf sportlichem Wege erreicht und nicht am grünen Tisch in Form einer Sonderregelung.“

Ein Starnberger Verein will klagen

Apropos „grüner Tisch“. Der TSV Oberalting (Kreis Starnberg) will rechtlich gegen Abstieg aus der Kreisliga vorgehen. Das dürfte auch der Grund sein, warum der BFV noch kein offiziellen Tabellen gemäß der Quotientenregelung veröffentlicht. Entsprechende Abschlusstabellen, die das Verhältnis von Punkten zu absolvierten Spielen beinhalten, seien juristisch erst dann erstellbar, wenn die Saison auch kalendarisch beendet sei, so BFV- Sprecher Fabian Frühwirth. Die Vereine müssen also momentan noch ihre Tabellen selbst basteln, doch die Konsequenzen sind klar.

Für den Landkreis Erding bedeutet dies zum Beispiel, dass der FC Lengdorf nicht in die Bezirksliga aufsteigt, da er zwar den gleichen Quotienten wie Meister FC Langengeisling aufweist, aber im direkten Vergleich um ein Tor schlechter ist.

FC Lengdorf verpasst historischen Erfolg

Nach der Online-Info vom Freitag habe ihn das Abstimmungsergebnis „nicht mehr überrascht“, sagt Lengdorfs Fußballchef Anton Bauer. „Es war absehbar, dass nur wenige die Variante zwei befürworten werden, wenn zum Beispiel die Bezirksligen mit 20 Vereinen und acht Absteigern dargestellt werden. Da wären auch andere Alternativen möglich gewesen. Ich hatte schon den Eindruck, dass sich der BFV zwar mit dem Paragraph 93 der Spielordnung, aber nicht mit Lösungen zur Variante zwei auseinandergesetzt hat.“ Der FC Lengdorf wäre „natürlich sehr gern aufgestiegen. Das wäre historisch gewesen, wir haben das ja bisher nur einmal in der Vereinsgeschichte geschafft. Aber natürlich akzeptieren wir die Mehrheitsmeinung.“ Allerdings sei er jetzt gespannt, „wie die Abstiegsvereine reagieren, die ja vorab schon mit dem Klageweg gedroht haben“.

Verständnis bei den Absteigern

Definitiv nicht der Fall sein wird dies beim FC Erding, der schon vorher seinen Rückzug aus der Kreisliga bekanntgegeben hat. Wie berichtet, lässt sich der FCE sogar in die A-Klasse zurückstufen.

Klar ist nun auch, dass der FC Finsing aus der Bezirksliga Nord absteigt. Aber das hatte der Verein erwartet. „Überraschend ist, wenn überhaupt, der Vorsprung der gewählten Option“, sagt Vorstandsmitglied Robert Hartmann. „Vielleicht ist das aber ganz gut, wenn es nicht so knapp ist. Dann werden die Diskussionen nicht so lange andauern, und man kann sich auf eine planungssichere Zukunft fokussieren.“

Moosener Gratulation nach Walpertskirchen

In der Kreisklasse verpasst der SC Moosen hauchdünn den Aufstieg. „Ich habe die Entscheidung so erwartet. Die zweite Variante hätte deutlich mehr Arbeit gemacht. Und es hätte sicher eine Zeitlang gedauert, ehe sich die Ligen wieder zur Normalgröße zurückentwickelt hätten“, sagt SCM-Vorsitzender Manfred Slawny. „Für uns ist das natürlich schade. Hätten wir das letzte Spiel gegen Moosinning nicht mehr ausgetragen, hätten wir den besseren Quotienten gehabt.“ Slawny betont aber, dass der Verein das Abstimmungsergebnis akzeptiere. „Wir gratulieren Aufsteiger Walpertskirchen. Aber wir dürfen es schon schade finden, dass wir nach eineinhalb Jahren Aufstiegskampf jetzt mit leeren Händen da stehen. Aber so geht’s ja vielen anderen auch.“

Türkgücü Erding freut sich auf die Stadtderbys

Besiegelt ist der Abstieg des FC Türkgücü Erding aus der Kreisklasse. „Wir hatten uns eh schon damit abgefunden“, sagt Spielertrainer Benji Tas. „Diese Abstimmung war für uns wie ein Joker, aber das Ergebnis war abzusehen.“ Tas zeigt Verständnis für die Vereine, die gegen die Variante 2 gestimmt haben: „Als Tabellenfünfter hätte ich mich wahrscheinlich auch für den normalen Abstieg entschieden, um das Risiko in den folgenden Jahren klein zu halten.“ Chancenlos wäre sein Team in der Kreisklasse allerdings nicht gewesen, meint er. „Nach der katastrophalen Vorrunde, in der wir nicht mal A-Klassen-würdig gewesen waren, hatten wir eine Mannschaft zusammengeholt, die schon Qualität hatte.“ Jetzt aber freue er sich auf die heißen Stadtderbys gegen Altenerding und den FC Erding. „Vielleicht ist es ja ganz gut für uns, dass wir in der A-Klasse noch besser zusammenwachsen, und dann spielen wir auch hoffentlich bald wieder in der Kreisklasse.“

Verständnis beim FC Langengeisling

In den A-Klassen bleiben die Releganten FC Langengeisling 2 und DJK Ottenhofen in ihren Ligen. FCL-Chef Sepp Kaiser hat es kommen sehen: „Es gibt ja wesentlich mehr Vereine in der Tabellenmitte, und die haben wohl für dieses Ergebnis gestimmt.“ Geislings Vereinschef hält dies auch für richtig, „weil es die fairste sportliche Entscheidung ist und auf einen normalen Saisonverlauf für 2021/22 hoffen lässt“. Und dann verrät er noch: „Meine sportliche Leitung hat übrigens anders abgestimmt.“ Das ist aber nur ein schwacher Trost zum Beispiel für den FC Schwaig 2 und den FSV Steinkirchen, die aus der A-Klasse absteigen müssen.

Im Frauenfußball hat die Abstimmung Auswirkungen auf zwei Landkreisvereine. Die SG Lengdorf/Hörgersdorf und der TSV St. Wolfgang steigen als Vorletzter und Letzter der Bezirksliga in die Kreisliga ab.

Wahlbeteiligung bei über 80 Prozent

Die Wahlbeteiligung lag laut BFV übrigens bei 80,46 Prozent. Aufgerufen, ihr Votum abzugeben, waren insgesamt 3695 Vereine im gesamten Freistaat, die am Erwachsenenspielbetrieb teilnehmen. Dabei hatte jeder Verein eine Stimme. Von ihrem Wahlrecht machten letztlich 2973 Klubs Gebrauch. Mit der technischen Durchführung der Abstimmung und der Feststellung des Ergebnisses hatte der BFV einen externen Dienstleister beauftragt.

Weitere Beschlüsse

Neben dem Beschluss zum Abbruch der verlängerten Saison 2019/20 bei Frauen und Herren hat der BFV-Vorstand die zuletzt aufgrund der Pandemie ausgesetzte Sechs-Monats-Frist bei Vereinswechseln aktiviert und auch die persönlichen Spieler-Strafen wieder in Gang gesetzt. „Aufgrund der staatlichen Corona-Verfügungslagen bleiben bei Spieler*innen-Wechsel aufgrund von Inaktivität die Zeiträume vom 13. März bis 29. Juli 2020 (Lockdown I) sowie vom 2. bis 30. November 2020 (Lockdown II) und vom 1. Februar bis 18. Mai 2021 (Lockdown III) unberücksichtigt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

Saison-Abbruch auch bei den Juniorinnen

Zudem habe der BFV-Vorstand auch einstimmig beschlossen, die Saison bei den Juniorinnen abzubrechen. „Es ist der klare Wunsch der großen Mehrheit aller Juniorinnen-Vereine, einen Schlussstrich zu ziehen. Dem kommen wir jetzt auch nach“, sagt Sandra Hofmann, Vorsitzende des Verbands-Frauen- und Mädchenausschusses.

Junioren: Entscheidung am Samstag

Für die Junioren, die ihre Saison 2019/20 abgebrochen hatten und vor der Spielzeit 2020/21 Regelungen für einen neuerlichen pandemiebedingten Abbruch getroffen hatten, wird es laut BFV am kommenden Samstag eigene virtuelle Info-Seminare geben. Dort werde Florian Weißmann, Vorsitzender des Verbandsjugendausschusses, mit seinem Team die Klubs über das weitere Vorgehen informieren.

Alternative Spielmodelle

Der BFV will ab der neuen Spielzeit 2021/22 auch eine begrenzte Zahl alternativer Spielklassenmodelle zum klassischen System mit Hin- und Rückrunde anbieten. „Diese Alternativen werden in den nächsten Wochen finalisiert. Im zweiten Schritt überlassen wir es den Kreisen sowie Bezirken in direkter Abstimmung zusammen mit den Vereinen der einzelnen Spielklassen, welches der zur Verfügung stehenden Modelle sie für sich wählen“, sagt BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, der für den Spielbetrieb in Bayern verantwortlich ist. Dabei sei klar, dass es nur eine begrenzte Auswahl geben kann: „Wir werden diese Alternativmodelle zur herkömmlichen Saison mit Hin- und Rückrunde entsprechend bindend vorbereiten. Die einzelnen Ligen und die darin beteiligten Vereine sollen hier gemeinsam mit den Verbandsvertretern vor Ort in Zukunft also Wahlmöglichkeiten haben. Wir alle hoffen es nicht, aber auch in der neuen Spielzeit kann es dazu kommen, dass wir nicht alle Spieltage über die Bühne bringen werden und es zu einer Wertung anhand der gespielten Partien kommen kann. Das muss allen Beteiligten schon heute klar sein“, betonen die beiden Verbandsspielleiter Sandra Hofmann und Josef Janker.

Aufrufe: 019.5.2021, 04:38 Uhr
Erdinger Anzeiger / Dieter PriglmeirAutor

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