
Mainz. Es ist Zeit, Goodbye zu sagen. Vor dem letzten Heimspiel der Saison verabschiedet Regionalligist TSV Schott Mainz traditionell seine Abgänge, danach folgt eine Helfer-Ehrung im Beisammensein mit Fans und Spielern. Gegen Mitabsteiger TSG Balingen (Samstag, 14 Uhr) geht der Blick aber auch nach vorn – und nach oben.
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Drei Regionalligisten ließ noch keine TSV-Elf hinter sich. „Das ist ein großes Ziel von uns“, sagt Alexander Rimoldi, „und vielleicht muss ja noch jemand abmelden. Es gibt nichts, was es nicht gibt.“ Der 29-Jährige kehrt nach Marienborn zurück, Arbeit und Familie verringern das Zeitbudget. Etienne Portmann, Leon Kern, Johannes Gansmann – die Fraktion der End-20er verkleinert sich spürbar.
„Es wird emotional“, sagt Gansmann nach sieben Saisons bei Schott. Und blickt voraus. 23. Mai, Pokalfinale gegen Pirmasens. „Es sind die großen Spiele, an die man sich erinnert“, sagt der künftige Basara-Spielmacher, der sich mehr Spielzeit und Verantwortung erhofft. Das Double 2023 „ist mein persönliches Highlight“, betont Gansmann. „Aber jede Auswärts-Busfahrt ist etwas Besonderes.“ Freundschaften, die Bestand haben werden, sind entstanden.
„Die Leute gehen nicht verloren“, blickt Rimoldi voraus. Vermissen wird er „die Mischung aus dem hohen Niveau, auf dem man spielen kann, und den Leuten. Du musst in jedem Training 100 Prozent geben, um mitzuhalten. In der Regionalliga ist jedes Spiel ein Highlight. Es macht einfach total Spaß, sich mit so guten Gegenspielern und so großen Vereinen zu messen.“
Die Kabine wird ihm fehlen. „Es hat sich alles sehr groß angefühlt“, sagt Rimoldi: Videoanalyse, Social Media, Staff, Infrastruktur. Dabei kam das Zwischenmenschliche nicht zu kurz, im Gegenteil. Und durch die regelmäßigen Auf- und Abstiege gab es viel zu feiern. Das fünfte Pokalfinale am Stück ist, wie Gansmann und Rimoldi bestätigen, ein großer Ansporn. Die Leistungskurve ging nach oben, die Brust wird breiter, jeder will sich empfehlen.
Auch dem neuen TSV-Team wird es nicht an Erfahrung fehlen, der Großteil des Kaders bleibt. Und wird speziell den Eindruck aus der schwachen Hinrunde korrigieren wollen. „Der Ansporn wird immer sein, und so sind auch die Charaktere, dass wir höchstmöglich spielen und uns messen wollen“, stellt Dominik Ahlbach fest. Konkrete Ziele würden zu Beginn der neuen Saison besprochen, aber vier Oberliga-Meisterschaften binnen neun Jahren erzeugen automatisch Siegermentalität.
„Wir sind gut drauf“, hält Ahlbach fest. Zwei Klatschen gab es seit dem Halbfinal-Erfolg in Mechtersheim Mitte März, aber auch vier Siege und zwei weitere Spiele, bei denen allemal mehr drin war – in Großaspach (1:2), gegen Offenbach (1:3). Mehr Spielglück, mehr Erfolgserlebnisse, dadurch entwickelt sich ein anderes Selbstverständnis, wie der Abwehrchef sagt. Auch und erst recht mit Blick auf das Finale, wo unbedingt noch etwas gutgemacht werden soll.
Das 1:2 gegen Pirmasens vor einem Jahr in Weingarten warf einen kleinen Schatten auf die Saison. „Einen großen!“, korrigiert Ahlbach prompt. Diese Saison könnte, trotz des vorläufigen Abschieds von der Regionalliga, noch mit einem Erfolg gekrönt werden. „Ich habe den Finaltag der Amateure früher im Fernsehen geguckt“, sagt Ahlbach, „das ist mit das Größte, das man als Amateur erreichen kann – neben dem DFB-Pokal.“