
Mechtersheim/Mainz. Das Spiel, der Finaleinzug, die ganze restliche Saison standen auf der Kippe. Als Samuel Horozovic, Trainer des TSV Schott Mainz, nach dem Halbfinalkrimi bei der TuS Mechtersheim bei der Pressekonferenz von einem „geilen Pokal-Fight“ sprach, dachte er vor allem an die 850 Zuschauer. Ihren fünften Einzug ins Verbandspokal-Endspiel hätten sich die Favoriten aus der Regionalliga beim Verbandsliga-Ersten gern leichter gemacht als mit einem 6:5 (2:2)-Sieg nach Elfmeterschießen. Für Fußballfreunde gab es viele erinnerungswürdige Geschichten.
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Das Blitztor: Bei acht Sekunden stand der digitale Zeiger in unserer Liveübertragung, als Abdellatif El Mahaoui zum 1:0 traf. Etienne Portmann dribbelte vom Anstoß weg nach vorn, Luis Hesse spielte in die Gasse. Drei Ballaktionen genügten, und alles Taktieren war dahin. Allzeit-Rekord im Pokal? Auf der bestehenden Datengrundlage nicht nachweisbar, aber hochwahrscheinlich.
Das Trainingstor: Den langen Ball im Anlaufen auf den falschen Fuß des Mechtersheimer Torwarts lenken, beim folgenden, weiten Schlag auf die vorderste Linie nach vorn verteidigen und schnell umschalten – genau das übte TSV-Trainer Samuel Horozovic ein, genau das klappte. Maurizio Robotta stach zu, Etienne Portmann legte für El Mahaouis Doppelpack auf (49.).
Das Privatduell: Erst sah der Mainzer Pokal-Torwart Jan Schulz bei Nico Pantanos durchgerutschter Freistoßflanke zum 1:1 alt aus (11.). Dann rettete der 28-Jährige erst bärenstark gegen Andrew Wooten (80.) – und wurde dann im Elfmeterschießen zum Matchwinner, als er ausgerechnet gegen Standard-Künstler Pantano die Ecke ahnte. Weil Marc Barisic zudem die Latte traf, war Jost Mairoses im Ausrutschen verschossener Elfer Makulatur. Leon Kern, Dominik Ahlbach, Alexander Rimoldi und Portmann verwandelten allesamt sicher.
Der Er-darf-doch-Schießen-Schütze: Kern? Der sah doch in Minute 117 wegen Ballwegschlagens nach einem Abseitspfiff – genau wie zuvor Bormeth und damit doppelt doof – die Zeitstrafe. Und trat dennoch zum Elfmeterschießen an. Diverse Male fragte das Mainzer Trainerteam beim Schiri nach. Die Verbandsstatuten erlauben dies ganz explizit auch, wenn die Zeitstrafe zum Abpfiff noch nicht abgelaufen ist. Die Mechtersheimer Hoffnung auf ein Wiederholungsspiel währte nur eine kurze Regel-Recherche lang.
Das andere Privatduell: Aus der Jubeltraube heraus sprintete Schulz quer über den Platz vor das Vereinsheim, rutschte in Jubelpose auf den Knien Richtung Heim-Fans und lief dann, schon von den ersten erbosten TuS-Spielern verfolgt, zu seinen verdutzten Teamkollegen zurück, zu „Schulle auf den Zaun“-Rufen. Aus einem Pokal-Fight der Sorte „hart, aber fair“ wurde kurz eine Rudelbildung, und beim Gang in die Kabine folgte ein Spießrutenlauf durch die Schimpftiraden hindurch. Manches davon gab es, wie die Mainzer sagen, auch während des Spiels schon zu hören. Und Handylichter hinter dem Tor, um Schott-Schützen zu blenden, durch einzelne wenige stachelten die Stimmung zusätzlich an.
Der Livestream: Auf der Heimfahrt im Mannschaftsbus gingen unter Spielern und Trainerteam die ersten Clips herum, aus unserer Übertragung, auf den VRM-Nachrichtenportalen im Re-live zu sehen, und von der eigenen Veo-Cam. War das wirklich Abseits, als Luis Hesse in der Verlängerung das vermeintliche 3:2 schoss? Strittig, so oder so nicht zu beweisen.
Die Schott-Ultras: Eine siebenköpfige Gruppe mit Banner, Megafon, Trommel und reichlich Motivation unterstützte den TSV – und dominierte akustisch die meiste Zeit über, weit mehr jedenfalls, als es die Mainzer Spieler gern getan hätten.
Das Sportliche: Gut eine Stunde lang bestach der TSV mit sauberen Ballpassagen und schnellem Tiefenspiel, dann zerfaserte der Vortrag immer mehr. Nur in Überzahl (Zeitstrafe Marcel Bormeth/84.) war Zug drin, samt dreier dicker Chancen. Jacob Rodens Riesen-Chance grätschte Mate Bozic weg (116.), feierte das wie ein Siegtor und stand damit sinnbildlich für einen unerschütterlich kämpfenden Underdog. Zwei Ligen Unterschied, sichtbare Überlegenheit spätestens in der Verlängerung gegen konditionell nachlassende Platzherren? Fehlanzeige.
Die Liga: Samstag (14 Uhr) kommt Astoria Walldorf. Die Liga, sagt Horozovic, ist die Basis für den Pokal. Bis zum Finale am 23. Mai werden seine Spieler sich empfehlen wollen, das greifbare Ziel – den vierten Titelgewinn – vor Augen.