Es war eine vage Hoffnung. Nun ist klar: der Verband räumt kein zusätzliches Aufstiegsrecht außer der Reihe ein.
Es war eine vage Hoffnung. Nun ist klar: der Verband räumt kein zusätzliches Aufstiegsrecht außer der Reihe ein. – Foto: Thies Meyer

Verbandspläne: Abfuhr für die Protestvereine

Antrag für Aufstieg der Zweitplatzierten wurde abgelehnt

Vor dem Verbandstag am Samstag weist der Verband einen Antrag zurück, auch den Zweitplatzierten den Aufstieg zu gewähren. Die Betroffenen reagieren teils verärgert. Die Rede ist von einer „Sauerei“ und einem „Schlag in die Magengrube“.

Der Countdown läuft. Drei Tage noch. Am Samstag wird die endgültige Entscheidung fallen. Und dann werden rund 1700 Vereine und 14 500 Mannschaften des württembergischen Fußballs endlich die herbeigesehnte Antwort haben: Was passiert mit der aktuellen Saison? Alles andere als ein coronabedingter Abbruch sowie die Absegnung der vom Verband (WFV) vorgeschlagenen Wertungsmodalitäten wäre eine dicke Überraschung. Heißt: Abschlusstabellen per Quotientenregel, heuer kein Abstieg, und die jeweils Ersten steigen auf. Nur die Ersten – was der Punkt ist, der für dicke Luft sorgt. Einen Antrag mehrerer Clubs, auch den Zweitplatzierten den Sprung nach oben zu gewähren, hat der WFV nun abgelehnt. Er kommt vor den Delegierten des außerordentlichen Verbandstags erst gar nicht zur Abstimmung. Bei den Betroffenen reichen die Reaktionen von Enttäuschung bis zur Verärgerung und wütenden Vorwürfen.

Für Hans-Peter Fichte, den Abteilungsleiter des SV Eintracht Stuttgart, ist die Angelegenheit in zwei Worten benannt: „Eine Sauerei.“ Beim 1. SV Fasanenhof spricht man von einer „unglücklichen Geschichte“. Und aus Reihen von Tunaspor Echterdingen verlautet: „So geht’s nicht!“ Besonders bitter für die Türken, sind sie in ihrer Kreisliga-B-Staffel doch sogar Erster, rutschten aber aufgrund der besagten Quotientenregel ab.

Drei Filderclubs beteiligt

Die drei genannten sind die Vereine aus dem Verbreitungsgebiet der Filder-Zeitung, die sich einer Initiative angeschlossen haben, zu der der Alb-Bezirksligist SV Croatia Reutlingen den Anstoß gegeben hatte. Sie alle, insgesamt schließlich 34 an der Zahl, haben eines gemein: Sie fühlen sich durch Corona und vor allem aber auch durch die Vorstellungen des Verbands um den Lohn ihrer Arbeit gebracht. Die im Abbruchfall jeweils erreichte Vizemeisterschaft droht anders als sonst zum Muster ohne Wert zu verkommen. Goldene Ananas. Klar, dass die eigentlich üblichen Aufstiegsrelegationsspiele einem bescheuerten Virus zum Opfer fallen, dafür kann keiner was. Nur, wie sagt Fichte: „Dann nimmt man auf alles Rücksicht, lässt selbst Teams nicht absteigen, die keinen einzigen Punkt geholt haben. Wir dagegen werden trotz guter Leistungen bestraft.“

Das Empfinden ist: ringsherum lauter Gewinner, denen der WFV-Weg zum Vorteil gereicht. Selbst derweil unter den wenigen, die die Karte ziehen, deren Vorname mit „A“ beginnt. Endung auf die Buchstaben „rsch“.

Kritik: „Verband auf hohem Ross“

Die aus eigener Sicht „fehlende Gleichbehandlung und Fairness“ war denn auch der zentrale Aspekt in einem fünfseitigen Schreiben an die Stuttgarter Verbandszentrale. Als Wortführer, im Namen aller, fungierte Uwe Vieth, der sportliche Leiter des Zollern-A-Kreisligisten TSV Frommern. Jener registriert die jetzige Abfuhr mit dickem Hals. Seine Einschätzung: „Für den Verband wäre es die Riesenchance gewesen, mal von seinem hohen Ross herunterzukommen.“ Jene habe man verspielt. Zweifel hegt er, dass man sich beim WFV mit dem Antrag ernsthaft beschäftigt habe. „Man war da von vornherein auf seinen Weg festgefahren“, sagt Vieth und vermisst „den Willen zur Kreativität“. Fürs Ehrenamt erkennt er „einen Schlag in die Magengrube“.

Dieser Darstellung widerspricht man von Verbandsseite freilich. Dort verweist man auf ein Anhörungsverfahren unter den Vereinen vom Mai, bei dem mehr als 600 Rückmeldungen eingegangen seien – und zwar mit „überwältigender Zustimmung“ für die eigenen Pläne. „Nach ausführlichen nochmaligen Beratungen und Abwägung der Argumente hat sich der Verbandsvorstand einstimmig dafür entschieden, an seinem bisherigen Beschlussvorschlag festzuhalten“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme.

WFV will Extremfall vermeiden

Eingeflossen sind nicht zuletzt rein logistische Erwägungen: Durch den ausgesetzten Abstieg ergäbe sich für die nächste Saison in den meisten Staffeln eh schon ein Mannschaftsüberhang. Was erst, wenn nun noch zusätzliche Aufsteiger hinzukämen? In der Verbandsliga etwa wäre man dann, dies der Extremfall, bei 24 Startern – acht mehr als normal. Statt 30 Spieltagen wären sage und schreibe 46 im Terminplan unterzubringen. Und das in einer Situation, in der momentan keiner sagen kann, wann überhaupt wieder Fußball möglich ist. Dass die Punkterunde 2020/21 im September beginnt, ist bislang nur ein Wunschgedanke. Ob es tatsächlich so sein wird, hängt erneut von Corona, Politik und übergeordneten Behörden ab.

Juristisch sieht der WFV sich auf der sicheren Seite: Von den Statuten her gebe es für Tabellenzweite keinen fixen Anspruch auf einen Aufstieg. Punkt. Das wissen natürlich auch die Protestler, für die es nun abzuwägen gilt. Nun halt größere Geschütze auffahren? Stattdessen sich dennoch auf dem Rechtsweg versuchen? Da stellte sich nicht nur die Kostenfrage, sondern auch jene der Erfolgsaussichten. Ist es die Sache wert, sich weiter für etwas zu verkämpfen, dessen Happyend, vorsichtig ausgedrückt, eher unwahrscheinlich ist? „Am Ende“, ahnt Vieth, „hat man ja keine Chance.“

278 Delegierte stimmen ab

Zumindest er sowie auch die Stuttgarter Bezirkskollegen von Eintracht, Fasanenhof und Tunaspor werden die Dinge also wohl zähneknirschend hinnehmen – mithin auch das, was am Samstag von den 278 Delegierten der Vereine besiegelt wird. Theoretisch könnte das ja auch noch etwas ganz anderes sein. Mit ihrem Kreuzchen haben die Stimmberechtigten die Wahl zwischen zwei Versionen: a) der erwähnten und vom WFV befürworteten – und b) jener, dass die aktuelle Saison zu Ende gespielt würde, wann auch immer, frühestens von September an, und mit welchen weiteren Auswirkungen auch immer fürs Folgejahr. Dies steht als Alternativmodell auf dem Papier. Doch hierzu herrscht dann selbst unter den Aufmüpfigen die gleiche Meinung vor wie, wenn die Anzeichen nicht trügen, unter dem breiten Rest der württembergischen Kickerzunft: Das, aber bitte, könne nun ja wirklich keiner wollen.

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Aufrufe: 017.6.2020, 09:15 Uhr
Filder-Zeitung / Franz StettmerAutor

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