44 und noch lange nicht müde: Florian Grantner vom TSV Natternberg.
44 und noch lange nicht müde: Florian Grantner vom TSV Natternberg. – Foto: Bernhard Enzesberger

"Oldie but Goldie": Grantner will sich noch einen Traum erfüllen

Helden der Kreisklasse: FuPa erzählt die Geschichte von Kickern, die Sonntag für Sonntag Fußball leben

Fußball ist ihr Leben! Die Helden der Kreisklasse sind selten im Fokus, aber ohne sie wäre der der Sport mit dem runden Leder nur halb so liebenswert. Die dritte Halbzeit nach dem Spiel ist dabei mindestens so wichtig wie die 90 Minuten davor. In der heutigen Ausgabe beschäftigen wir uns mit Florian Grantner, der Legende des TSV Natternberg.

Die "Nattern" ohne ihre Nummer 7 Florian Grantner? Daran können sich eigentlich nur noch betagtere Semester erinnern. Der gebürtige Deggendorfer lebt zwar seit seinem achten Lebensjahr in Niederalteich, seine sportliche Heimat hat er aber seit fast 30 Jahren in Natternberg. "Das müsste so nach der C-Jugend gewesen sein. In Niederalteich habe ich mit dem Fußballspielen begonnen. Weil wir damals aber in meinem Jahrgang keine Mannschaft zusammengebracht haben, bin ich nach Natternberg", erinnert sich der mittlerweile 44-Jährige an seine Anfänge bei den Haidhof-Kickern. Über einen Freund sei er damals zum TSV gekommen - und bis auf ein einjähriges Intermezzo hat es ihn auch nie wieder weggezogen. Für 500 Einsätze im grün-weißen Trikot wurde er schon vor fünf Jahren mit Pauken und Trompeten geehrt. Etwas ganz Besonderes, denn landauf, landab können die allerwenigsten Kicker eine solch stolze Anzahl an Partien für einen Klub vorweisen. Und es ist ja längst noch nicht Schluss.

Die Außenbahn ist sein Revier: Florian Grantner (re.).
Die Außenbahn ist sein Revier: Florian Grantner (re.). – Foto: Harry Rindler


Bis die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 dem Amateurfußball den Stecker zog, hatte es der Oldie in 16 Einsätzen für die erste Mannschaft des TSV Natternberg in der Kreisklasse Deggendorf schon wieder auf stattliche sieben Treffer gebracht. Wohlgemerkt in einem Alter, in dem so mancher Kicker die Fußballschuhe schon vor zehn Jahren an den berühmten Nagel gehängt hat. Wie macht er das nur? Konsequent müsse man sein - und diszipliniert: "Ich kann schon von mir behaupten, dass ich immer 100 Prozent gebe. Sogar in Testspielen. Keine halben Sachen, das ist immer schon mein Motto." Verlässlich wie ein Uhrwerk spult er gefühlt seit einer halben Ewigkeit sein Pensum auf der linken oder rechten Außenbahn ab. Vom Naturell her eher ein ruhiger und bescheidener Zeitgenosse, mutiert er auch auf dem Platz nur in den seltensten Fällen zu einem Heißsporn: "Also da muss schon viel zusammen kommen, dass ich mal ausflippe", lacht er. An Schnelligkeit hat er mit den Jahren eingebüßt, wie er mit feinem Sinn für Humor zugibt, trotzdem kann er mit 44 immer noch mithalten mit Spielern, die gut und gerne seine Söhne sein könnten.

– Foto: Harry Rindler


Apropos Nachwuchs: In den vergangenen Jahren war er Teil des Trainerteams der JFG Ohetal Kickers. Ein gemeinsames Jugendprojekt der Vereine aus Seebach, Hengersberg, Auerbach und Schaufling. Dort coachte er Sprössling Nico. Der ist vor Kurzem 18 geworden, nun im Herrenbereich spielberechtigt - und zum TSV Natternberg gewechselt. Familienzusammenführung auf dem Fußballplatz? "Ja, natürlich ist das auch ein Ansporn für mich, noch weiterzumachen. Gemeinsam mit meinem Sohn zu bespielen, ich glaube für jeden Vater wäre das eine Riesensache."


Zusammen mit dem Sohn für den TSV Natternberg auf dem Platz stehen - kann man eine Laufbahn schöner ausklingen lassen?


Nach der schier unendlich langen Pause im Amateurfußball wird sich aber auch in Natternberg einiges ändern. Grantner senior sieht es mit Wohlwollen, dass einige junge Kicker nachkommen. Auch auf die Gefahr hin, dass seine Einsatzzeiten geringer werden: "Ich möchte schon noch ein bissl spielen, vielleicht auch nur noch in der zweiten Mannschaft. Ich werde mich aber sicher nicht aufdrängen und werden den Jungen den Vortritt lassen." Neben dem runden Leder vermisst Grantner aber vor allem auch das Vereinsleben - vielleicht sogar noch ein Stück mehr als den Fußball selbst. "Meine Frau sagt zwar manchmal: Jetzt haben wir mehr Zeit für die Familie. Aber das nehme ich ihr nicht immer ab", schmunzelt er und erzählt: "Sie vermisst das genauso wie ich, schließlich war auch sie, und auch unsere Tochter, fast immer mit dabei. Der Verein ist wie eine zweite Familie für uns geworden in all den Jahren." Wäre es da nicht das i-Tüpfelchen, würde der Vater mit dem Sohne...? Diese Vorstellung hat durchaus Charme: Mutter und Tochter sitzen stolz am Spielfeldrand und feuern gemeinsam Vater und Sohn auf dem Rasen an. Für Florian Grantner, Natternbergs nimmermüde Legende, würde wohl ein Traum in Erfüllung gehen.


Aufrufe: 8.5.2021, 04:30 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor

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