Stammspieler: Mit lediglich 17 Jahren ist Thomas Bauer im Mittelfeld des TSV Murnau gesetzt.
Stammspieler: Mit lediglich 17 Jahren ist Thomas Bauer im Mittelfeld des TSV Murnau gesetzt. – Foto: Andreas Mayr

TSV Murnau: Mit 17 schon ein alter Hase - Thomas Bauer zieht im Murnauer Mittelfeld die Fäden

Einst kickte der 1,90 Meter große Kicker beim FC Bayern

Er ist der Überflieger im Moment beim TSV Murnau: Thomas Bauer. Das 17-jährige Talent überzeugt in der Kreisliga bei den Herren.

Huglfing – Beschimpft hat man ihn oft. Und sonderlich kreativ waren die Gegner nie. „Du Bauer“, zischten und keiften sie, als ob man damit einen Fußballer vom Land wirklich psychisch treffen könnte. Bauer war er manchmal in Schwabmünchen, manchmal in Memmingen und immer in Deisenhofen. Die Münchner und ihre Vorstadtclubs hatten stets ein besonderes Faible für die Vergleiche mit den Landwirten.

Bauer war er locker 50 Mal pro Saison. Aber er hat aufgehört zu zählen. Er – das ist Murnaus neuestes Fußballtalent. Vorname: Thomas. Nachname: Bauer. Ja, dadurch verkommen die Schmährufe der Gegner glatt zur Humoreske.

Thomas Bauer: Der derzeitige Hochkaräter des TSV Murnau ist erst 17 Jahre alt

Bauer ist 17 Jahre alt. Er hat ein ärztliches Attest gebraucht, um überhaupt bei den Männern, in der Kreisliga, spielen zu dürfen. Wobei niemand, der den Huglfinger kennt, an seiner Veranlagung, also jetzt sprechen wir von der körperlichen, gezweifelt hätte. Bauer ist an die 1,90 Meter groß, hat in der Vorbereitung mit die besten Zeiten in die Lauf-App des Vereins gestanzt und sichert beim TSV Murnau gerade die Offensivlinie um Torjäger Georg Kutter ab. Das Jobprofil eines Bodyguards beschreibt seine Rolle auf dem Fußballplatz recht passend. Im Scheinwerferlicht stehen andere, aber Bauer sorgt für die Sicherheit. Zweikampfstärke nennt er, angesprochen auf seine Fähigkeiten. Die übrigen: Übersicht und Spielintelligenz. „Man muss das haben – und weiter trainieren.“

Bauer hat damit auf dem kleinen Bolzplatz vor dem Haus der Eltern in Huglfing angefangen. Sein größter Gegner war lange Zeit Cousin Maximilian Tafertshofer –derzeit ASV Habach und fünf Jahre älter. Die Zwei haben sich auch Jonglierduelle geliefert. Einmal, da war Bauer kurz davor, Tafertshofers Rekord von 80 Berührungen zu brechen, beförderte der Ältere den Ball in Nachbars Garten. „Danach herrschte dicke Luft“, sagt der Mittelfeldmann. Heute lachen die Cousins über die Anekdote. Tafertshofer und seine Teamkollegen in Huglfing haben ihn vor Jahren auch mit Freibier bestochen, damit er irgendwann heimkehrt aus Murnau. Von 20 Kästen und mehr hat man gehört. Natürlich nur ein Scherz.

Traum vom Profi: Zwei Jahre lang spielt Thomas Bauer für Bayern München – hier 2016 gegen Ingolstadt.
Traum vom Profi: Zwei Jahre lang spielt Thomas Bauer für Bayern München – hier 2016 gegen Ingolstadt. – Foto: Pri

Der TSV Murnau muss ja selbst regelmäßig um sein Talent fürchten. In diesem Sommer erreichten Bauer die ersten Anfragen aus Landesliga und Co. „Nichts Interessantes“, sagt er. In Murnau tun sie alles für den Verbleib des 17-Jährigen. Voriges Jahr hat man ihm gar eine der limitierten Tickets für das Derby gegen Uffing an der Kasse hinterlegt. Die übrigen Karten bekamen Seniorenspieler, Vorstand und Edelfans. In diesem Verein, sagt er, „macht es extrem Spaß. Man kennt sich ewig. Auf den Moment hat jeder von uns lange gewartet“. Am liebsten, das wünschen sich beide Seiten, würde er gerne mit Murnau die Expedition in ungekannte Höhen antreten. „Ich glaube daran, dass das in Murnau möglich ist“, betont Bauer. Doch sind da andere Faktoren im Leben eines jungen Menschen: Schule, Studium, Beruf. 2022 schreibt er Abitur. Dass er danach studiert, ist wahrscheinlich, nur wo, fragt er sich noch selbst. Stand jetzt sagt Bauer: „Ich mache mir noch keine Gedanken darüber, was nach dem Jahr ist.“

Protokollieren kann man, dass sich das Thema Profifußball erübrigt hat. Die Mühlen des Geschäfts hat er zu spüren bekommen, früh und mit aller Härte. Mit elf Jahren holten ihn die Bayern nach München, nachdem er im Freundschaftsspiel gegen den FCB aufgefallen war und sich auch beim Vorspielen gut angestellt hatte. Von seinem ersten Training weiß er noch, wie ihn die Dimensionen des Geländes an der Säbener Straße fasziniert haben. „Wie groß das alles ist. Alleine bis man die richtige Kabine gefunden hat.“ Im Shuttlebus fuhr die Oberland-Fraktion mit Finn Geiger (Murnau), Gabriel Taffertshofer (1. FC Penzberg) und Tobias Heiland (TSG Hoffenheim II) täglich gen München, tauschte Panini-Karten, zockte auf dem Kunstrasen. „Das war ganz lustig mit den Jungs.“

Thomas Bauer über seine Zeit beim FC Bayern München

Doch Bauer spricht auch offen über Dinge, die meist im Verborgenen bleiben, über Grüppchenbildung, über Leistungsdruck. „Es war nie leicht für mich. Ich hatte nie den Platz sicher.“ Bereits zu Murnauer Zeiten klagte Trainer Stefan Schwinghammer über seinen Hang zum Defätismus. Wenn’s nicht lief, schaltete Bauer zu früh ab. In dieser Hinsicht hätten ihm die zwei Jahre beim FCB am meisten gebracht, sagt der Huglfinger. Dazu ein Schwank aus Lille (Frankreich), vom ersten Turnier mit den Bayern. Im Finale gegen Juventus Turin entschied das Elfmeterschießen. Alle Kollegen trafen das Tor. Bauer nur den Pfosten. „Ich war mental angeknackst.“ In den Tagen danach entfaltete der Fehlschuss jedoch reinigende Wirkung. „Das hat mich krass weitergebracht. Danach hat mich Fußball nie mehr so belastet. Ich wusste: Schlimmer kann’s nicht mehr werden.“ Seitdem hat er keinen Elfmeter mehr verschossen.

Mit 13 Jahren erfuhr er, dass ihn die Bayern nicht übernehmen. Die anderen Aussortierten quittierten das Ende mit Gram und Trotz, schwänzten jede Einheit. Bauer, der oft mit Verletzungen zu kämpfen hatte, sagt: „Ich wollte die letzten Wochen genießen. Die Zeit war mit die coolste meiner Laufbahn. Man hat gemerkt, dass der Druck weg war.“ Beim FC Bayern schätzen sie derlei Mentalität. Sie boten ihm Kontakte zu den Nachwuchszentren (NLZ) in Regensburg, Ingolstadt, Nürnberg an. Der Huglfinger lehnte ab. Er hatte genug gesehen. „Es hat mich nie gereizt, in den NLZ-Trichter reinzukommen. Für mich war klar, dass ich zu Murnau zurück gehe.“ Bei seiner Rückkehr spürte er „Erleichterung“ und „Freude“, wie er heute sagt. „Bloß zehn Minuten ins Training fahren, mit den Freunden zocken, mit ihnen zu feiern.“ Heute steht er mit einigen von ihnen bei den Männern auf dem Platz. Die Älteren akzeptieren ihn längst als Teil ihres Rudels. Spätestens mit seinem Tor in Lenggries hat er die Aufnahmeprüfung bestanden. Danach zelebrierten die Drachen ihren 7:0-Kantersieg mit einer großen Teamparty. Was man so hört, hat sich Bauer auch dabei nicht schlecht angestellt. (Andreas Mayr)

Aufrufe: 015.9.2021, 07:37 Uhr
Andreas MayrAutor

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