Alfons Hörmann, Präsident des DOSB, nimmt Stellung zur aktuellen Situation
Alfons Hörmann, Präsident des DOSB, nimmt Stellung zur aktuellen Situation – Foto: Guido Kirchner / dpa

DOSB-Präsident Hörmann zur Lockdown-Verlängerung: „Herber Rückschlag“

Inzidenz-Zahlen steigen - folgen weitere Beschränkungen?

Alfons Hörmann beklagt sich über die aktuelle Beschlusslage der Politik. Vor allem die Nicht-Beachtung tut dem Präsidenten des DOSB „richtig weh.“

Frankfurt/Main – Die Forderung der Sport-Bosse nach einer „Roten Karte“ für die Corona-Notbremse ist bei der Politik ungehört verhallt. Die Hoffnungen auf Lockdown-Lockerungen im Amateurbereich unabhängig von den Inzidenz-Werten haben sich zerschlagen. Der Sport wurde nach den Beratungen von Bund und Ländern in den Beschlüssen gar nicht erst erwähnt.

Alfons Hörmann: „Nach ersten wichtigen Öffnungsschritten wird nun der gesamte Vereinssport erneut zur Bewegungslosigkeit verdammt“

Die Nicht-Beachtung sorgte für große Enttäuschung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). „Die aktuelle Beschlusslage stellt auch für den gesamten Sport nochmals einen herben Rückschlag dar. Nach ersten wichtigen Öffnungsschritten wird nun der gesamte Vereinssport erneut zur Bewegungslosigkeit verdammt“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann: „Das tut richtig weh und wird die schon jetzt deutlich erkennbaren Schäden im gesamten Sportsystem nun von Woche zu Woche nochmals weiter erhöhen.“

Ähnlich sieht es die Chefetage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). „Es ist enttäuschend, dass der organisierte Amateursport bei den jetzt getroffenen Bund-Länder-Beschlüssen mit keiner Silbe erwähnt wird“, sagten Präsident Fritz Keller und sein für die Amateure zuständiger Vize Rainer Koch in einer gemeinsamen Stellungnahme: „Bei aller gebotenen Vorsicht angesichts steigender Infektionszahlen bedauern wir es sehr, dass abermals Verbote im Mittelpunkt stehen und nicht Lösungen, die Wege bieten, angemessen mit der Pandemie umzugehen.“

In vielen Amateurligen droht der Saisonabbruch

Nach der Entscheidung der Politik bleibt es beim Status Quo, der aber aufgrund der Koppelung an die Inzidenz-Werte weitere Beschränkungen mit sich bringt. Schließlich steigen die Zahlen stetig an. Gestern lag der bundesweite Wert bei 108. Nur bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 dürfen bis zu zehn Personen in kleinen Gruppen unter freiem Himmel Sport treiben. Einen solchen Wert weisen nur noch die wenigsten Landkreise und Städte auf.

Aufgrund der zunächst bis zum 18. April verlängerten Lockdown-Regeln droht wie bereits im Vorjahr vielen Amateurligen der Saisonabbruch. Vor den Auswirkungen auf den Breitensport und das Vereinsleben hatte zuletzt der DFB gewarnt. Eine Verbands-Umfrage hatte ergeben, dass die Verbundenheit der Mitglieder zu den 25.000 Vereinen schwindet. Vor der Pandemie sagten 88 Prozent, dass sie eng oder sehr eng mit ihrem Klub verbunden sind. Diese Zahl ist auf 52 Prozent gesunken. 22 Prozent der Funktionäre und Trainer verzeichneten eine „spürbare“ Zahl von Austritten.

Alfons Hörmann: „Immer mehr Vereine echte Existenzsorgen für die Zukunft“

Auch die Klubs jenseits des Fußballs berichteten zuletzt über Mitgliederverluste, die Zahl der ehrenamtlich Engagierten nehme zudem ab. „Immer mehr Vereine spüren eine hochbedenkliche Armut an Aktivitäten und echte Existenzsorgen für die Zukunft“, äußerte Hörmann.

Im Gegensatz zu den Amateuren bleiben die Profis privilegiert. Eliteklassen wie die Fußball-Bundesliga, die ihr Hygienekonzept verschärft hat, dürfen weiterspielen – wenn auch wie bisher ohne Zuschauer.

278 Aufrufe24.3.2021, 13:12 Uhr
Münchner Merkur / Redaktion Münchner MerkurAutor

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