Daniel Stangl hatte die Löwen im Online-Training.
Daniel Stangl hatte die Löwen im Online-Training. – Foto: )TSV Isen)

Laptop und Liegestütze statt Laptop und Leberzirrhose

DAS SPORTGEFLÜSTER

Online-Training statt Sauf-Challenge - diese Entwicklung gefällt uns. Trotzdem: Den Kick auf dem Platz kann das nicht ersetzen.

Corona hat vieles verändert, auch die Challenges in den Sozialen Medien. Vorbei sind die Zeiten, in denen es darum ging, schnell nach dem Motto „Bier und Bayern“ eine Halbe zu exen, um nach einem Rülpser den nächsten Kandidaten zu nominieren. Nein, wir sind nicht mehr „Laptop und Leberzirrhose“.

Willkommen im Freistaat von „Laptop und Liegestütze“. Allein unser Landkreis – das ist ein Ort der Online-Sportler. Kaum eine 70-jährige Gymnastikdame, die nicht schon mal an einer Zoom-Veranstaltung teilgenommen hat. Schulen laufen virtuell vom Nordkap bis Sizilien (Gymnasium Dorfen) oder erklimmen den Mount Everest (KAG Erding, Berichte folgen). Übungsleiter tüfteln an Workout-Programmen. Der Isener Daniel Stangl zum Beispiel ist darin so gut, dass sich jüngst die U 16 des TSV 1860 München daran beteiligt hat. Deren Trainer Michael Hieber kickte einst mit Stangl in Isen, meinte danach: „Vieles neu, sehr interessant, aber auch anstrengend.“ Jeden Dienstag bietet Stangl sein „Functional Training an“, in dem die Teilnehmer mit dem eigenen Körpergewicht arbeiten (Anmeldung über Stangls Instagram- und Facebook-Seiten). Das Training ist nach einer Gratisstunde kostenpflichtig. Die Fußballer des TSV Isen zahlen nichts – weil Stangl ihr Fußballtrainer in der A-Klasse ist.

Für die Löwen-Nachwuchskicker war es übrigens vorerst das einzige Workout. „Nächste Woche dürfen die Nachwuchsleistungszentren wieder öffnen“, sagt Stangl. Und das klingt schon ein bisschen nach Wehmut. „Seit fünf Monaten dürfen wir Amateurfußballer draußen nichts mehr machen.“ Es gehe ihm gar nicht so um die fußballspezifischen Übungseinheiten, beteuert Stangl. „Uns fehlt der Flair des Mannschaftssports, das Flachsen in der Kabine, das Gemeinsame eben.“ Und – Workout hin oder her – klar sei auch: „Ich versuche momentan die Jungs zu beschäftigen. Das ist nichts gegen die Zeit, wenn wir wieder dreimal die Woche auf dem Platz stehen.“

Wann das wieder der Fall sein wird, konnten auch die beiden DFB-Chefs Fritz Keller und Rainer Koch in einem gestern veröffentlichten Brief an die Vereine nicht beantworten. Das wäre angesichts der undurchsichtigen Situation auch zu viel verlangt. Aber nach knapp fünf Monaten Pause nur Plattitüden („Fußball ist viel mehr als Bundesliga oder Nationalmannschaft“, echt?) und Durchhalte-Parolen („So, wie wir sonst kein Spiel in der 90. Minute aufgeben, so geben wir kein Kind verloren“) ablassen? Da haben die zwei Millionen Aktiven in den 145 000 Mannschaften mehr erwartet.
Oder auch nicht. Ist ja der DFB. Nein, das wäre jetzt ein bisserl gemein, denn gerade in den Webinaren haben die Verbände – speziell der Bayerische Fußballverband – in den vergangenen Monaten ihre Qualität bewiesen. Online ist also auch der Verband spitze. Aber: Entscheidend ist aufm Platz. Das war immer so – und wird hoffentlich bald wieder so werden.

DIETER PRIGLMEIR

Das Online-Angebot

wird immer besser

Aufrufe: 20.2.2021, 13:00 Uhr
Erdinger Anzeiger / Dieter PriglmeirAutor

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