Ins Finale des Toto-Pokals führte Marcus Huber (2.v.l.) den SC Wörnsmühl 2016 als Trainer. Aktuell sieht er sich mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert. 
Ins Finale des Toto-Pokals führte Marcus Huber (2.v.l.) den SC Wörnsmühl 2016 als Trainer. Aktuell sieht er sich mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert.  – Foto: Andreas Leder

Huber: „Werde immer mit der Mannschaft leiden“

Neuer Trainer des TSV Irschenberg im Interview

Noch in keinem Spiel konnte Neu-Trainer Marcus Huber für den TSV Irschenberg an der Seitenlinie stehen. Er arbeitet aber bereits im Hintergrund.

Irschenberg – Rund zweieinhalb Jahre nach einem Herzinfarkt kehrt Marcus Huber auf die Trainerbank bei einem Herrenteam im Landkreis zurück. Wie berichtet, folgt der 45-Jährige beim TSV Irschenberg auf Christian Pralas, der zurückgetreten war. Huber, der bereits beim SC Wörnsmühl und seinem Heimatverein TSV Weyarn an der Seitenlinie stand, spricht im Interview mit der Heimatzeitung über das vergangene Jahr, warum er eigentlich nicht mehr als Trainer arbeiten wollte und wie Irschenberg ihn doch überzeugen konnte.

Herr Huber, Sie erlitten am 31. Mai 2018 einen Herzinfarkt. In welchen Situationen sind sich das Coronavirus und ihr Herzinfarkt im Jahr 2020 in Ihrem Kopf begegnet?

In gewissen Momenten, zum Beispiel wenn ich alleine war oder eine Talkshow schaute, erinnerte mich das Virus schon an meinen Herzinfarkt. Dann konnte ich das Ganze reflektieren und mir wurde bewusst, dass ich nun ein Risikopatient bin. Anfangs dachte ich darüber nicht weiter nach.

Hat sich Ihr Umgang mit der Pandemie im Laufe des Jahres verändert?

Er hat sich nicht um 180 Grad gedreht, aber in gewisser Weise schon. Anfangs wollte ich mir selbst keine Angst machen und versuchte, die Gefahr eher zu verdrängen. Ich war schon immer ein Mensch, der dachte, mir könne nichts passieren. Aber ich nahm die Krankheit auch immer ernst und habe versucht, die Kontakte zu meinen Mitmenschen so gut es geht zu reduzieren. Mir tat es gut, ein bisschen ruhiger zu treten und mehr daheim zu sein. Das Wichtigste war immer, dass ich meinen Sohn sehen und mit meiner Familie beisammen sein kann.

Im Mai 2018 waren Sie noch Spielertrainer bei Ihrem Heimatverein TSV Weyarn. Kurze Zeit später hätten Sie die Kreisligamannschaft des FC Real Kreuth übernehmen sollen. Wann fiel die endgültige Entscheidung, diese Aufgabe nicht anzunehmen?

Im Juni hätte ich das Amt gesundheitlich natürlich nicht übernehmen können. Ich führte dann mit den Verantwortlichen in Kreuth ein überragendes Gespräch. Das Ergebnis war, dass ich mir viel Zeit lassen konnte. In der Winterpause sind wir dann gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass es besser sei, dass sich Kreuth einen anderen Trainer sucht. Ich konnte keine hundertprozentige Zusage geben und wollte Kreuth nicht im Weg stehen, sich für die neue Saison frühzeitig aufzustellen.

War für Sie zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass Sie wieder an die Seitenlinie zurückkehren werden?

Nein. Ich habe mich dann im Sommer 2019 gemeinsam mit Sahin Gümüs in der A-Jugend der Weyarner Spielgemeinschaft wieder herangewagt. Und so bitter das klingt: Die Einstellung der Jungs hat mir die Motivation komplett genommen. Im Winter haben wir dann als Trainerteam aufgehört und da war ich so frustriert, dass ich gar nicht mehr wollte.

Dann kam im Oktober der TSV Irschenberg auf Sie zu.

Ich kann die Füße nicht komplett stillhalten und als Irschenberg auf mich zukam, hörte ich mir das an. Die ersten Gespräche mit dem Vorstand liefen super und das hat mir meine Motivation zurückgegeben. Die Spieler haben mir das Gefühl gegeben, dass sie auch eine Freude an der Zusammenarbeit haben.

Nach zwei Trainingseinheiten und ohne ein Spiel wurde die Saison wieder unterbrochen. Bereuen Sie ihre Entscheidung?

Auf keinen Fall! Wir haben aufgrund der Richtlinien momentan fast keinen Kontakt. Ich versuche im Hintergrund jetzt schon Pläne zu erstellen und Testspiele zu vereinbaren. Mehr ist einfach nicht möglich, da müssen wir das Beste draus machen. Wir wissen auch nicht, was auf uns zukommt, aber ich sehe ein Riesenproblem im Nachwuchs auf uns zukommen. Wir müssen kreative Ansätze finden, um das mit Fleiß und Ideen zu kompensieren. Ich bin heiß auf die gesamte Aufgabe in Irschenberg!

Der Landkreis kennt Sie als emotionalen Trainer, der mit seiner Mannschaft leidet und sich aufregen kann. Nehmen Sie sich vor, weniger emotional an die Aufgabe beim TSV Irschenberg zu gehen?

Ich kann jetzt natürlich sagen, ich versuche ruhiger zu sein und mich bei schlechten Spielen oder Schiedsrichterleistungen nicht so reinzusteigern. Wie es dann tatsächlich am Spielfeldrand wird, da lasse ich mich überraschen. Wahrscheinlich habe ich mich auch unbewusst verändert. Ich will nicht wieder einen Herzinfarkt am Fußballplatz haben, so weit wird es nicht mehr kommen. Aber mit meiner Mannschaft leiden werde ich immer. Wie hoch die Intensität des Mitleidens sein wird, kann ich noch nicht sagen.

Aufrufe: 2.1.2021, 06:36 Uhr
Miesbacher Merkur / Michael EhamAutor

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