Wenn Hasan Kivran nicht doch noch in letzter Sekunde einspringt, droht Türkgücü in der kommenden Woche die Insolvenz.
Wenn Hasan Kivran nicht doch noch in letzter Sekunde einspringt, droht Türkgücü in der kommenden Woche die Insolvenz. – Foto: Imago Images / Ulrich Wagner

Türkgücü München: Entscheidung über Insolvenz wohl nächste Woche - rettet Kivran den Klub doch?

Verein könnte bis Montag noch Spieler verkaufen

Die Unruhe vor dem Kellerduell gegen den TSV Havelse ist bei Türkgücü München groß. Ob es für den Klub noch eine Rettung gibt, entscheidet sich in nächsten Woche.

München – Die Lage spitzt sich zu bei Türkgücü München. Erstes Anzeichen: Der Trainer kann sich nicht mehr nur zu sportlichen Themen äußern. Auf der Pressekonferenz vor dem (dann ausgefallenen) Spiel gegen 60 waren sämtliche Fragen zur Finanzsituation an Andreas Heraf noch verboten. Vor dem Kellerduell mit Havelse am Samstag sagte Heraf nun: „Mittlerweile, wenn du jeden Tag in den Zeitungen liest, was kommen könnte, dann gibt es schon ein bisschen Unruhe. Die Jungs sprechen uns auch darauf an.“ Man versuche das Sportliche im Vordergrund zu halten, „aber natürlich sind solche Dinge eigentlich nicht förderlich.“

Türkgücü Mün
0:1
TSV Havelse

Türkgücü München: Springt Präsident Hasan Kivran doch noch in letzter Sekunde als Retter ein?

Die Anzeichen verdichten sich, dass Türkgücü aufgrund der finanziellen Notlage – es soll ein Leck von rund zwei Millionen Euro geben – einen Insolvenzantrag stellen wird. Auf Blogs wurde spekuliert, dass der Antrag bereits am Freitag eingereicht wurde. Nach Informationen unserer Zeitung soll es vor nächster Woche keine finale Entscheidung geben. Anfang nächster Woche könnte es dann so weit sein – eine Folge des Insolvenzantrags wären neun Punkte Abzug. Türkgücü München stünde anschließend auf dem letzten Tabellenplatz, ein Abstieg – mit dann zehn Punkten Rückstand auf das rettende Ufer – wäre wohl unvermeidlich.

Warum wird also noch gewartet? Eine Möglichkeit: Mehreren Spielern von Türkgücü soll eine Vertragsauflösung angeboten worden sein. Ist der Antrag auf ein Insolvenzverfahren erst mal gestellt, darf der Verein auch nicht mehr mit Spielern verhandeln. Sämtliche Angelegenheiten liegen dann in den Händen des Insolvenzverwalters. Bis zum 31. Januar, also Montag, ist das Transferfenster noch geöffnet. Durch weitere Abgänge könnte Türkgücü die Liquiditätslücke zwar nicht schließen, aber immerhin verringern. Nicht ausgeschlossen ist zudem, dass Hasan Kivran in letzter Sekunde doch noch als Retter einspringt.

„Weitere Abgänge können wir nicht verkraften.“

Türkgücü-Coach Andreas Heraf über drohende Notverkäufe von Spielern.

Zu den Gerüchten, dass weitere Spieler den Verein verlassen könnten, sagt Heraf: „Das ist auch logisch. Wenn man liest, dass wir in so einer Situation stecken, dann wollen die Berater der Jungs natürlich das Beste für ihre Spieler herausholen. Weitere Abgänge können wir aber nicht verkraften.“

Und wie geht die Mannschaft mit der Situation um? Offizielle Aussagen von Vereinsverantwortlichen sollen vor dem Team noch nicht getroffen worden sein. Dem Vernehmen nach erfahren die Spieler Informationen oft erst aus den Medien und zeigen sich selbst überrascht. Es wird also spannend zu beobachten sein, wie sich die Mannschaft gegen den Tabellenletzten Havelse präsentieren wird. Erste Auflösungserscheinungen oder eine Jetzt-erst-recht-Mentalität? Heraf warnt jedenfalls: „Die Jungs aus Havelse leisten auch gute Arbeit. Das hat man in den Spielen zuletzt gesehen.“ (Nico-Marius Schmitz)

Aufrufe: 028.1.2022, 15:55 Uhr
Nico-Marius SchmitzAutor