Ist eine Verletzung bald noch schlimmer? Spieler aus Ligen unterhalb der 1. und 2. Bundesliga könnten bald deutlich schlechter versichert sein.
Ist eine Verletzung bald noch schlimmer? Spieler aus Ligen unterhalb der 1. und 2. Bundesliga könnten bald deutlich schlechter versichert sein. – Foto: Sven Leifer/Imago

Drastische Folgen für Regional- und Bayernliga? BFV bestätigt umstrittenen Plan des DFB

Unfallversicherung für Spieler

Verletzt! Und nun? Unter anderem der DFB und FC Bayern forcieren einen Plan, der die Versorgung gering bezahlter Sportler gefährdet.

München - Trifft bezahlte Sportler bald eine grundlegende Änderung? Hohe Sportfunktionäre und große Profiklubs arbeiten offenbar gerade daran, Geringverdiener aus der Versicherung der Berufsgenossenschaft zu drängen. Die Beweggründe sind vielfältig, die Folgen womöglich drastisch.

Der „Spiegel“ berichtete schon vor gut einem Jahr über Musterverfahren einiger Handball- Eishockey und Basketballvereine gegen das bestehende System. Im April wurde bekannt, dass auch der FC Bayern mitmischt. Die großen Klubs eint ein Ziel: Sie wollen nicht mehr für die Kleinen mitbezahlen. „Zeit online“ sollen ähnlich brisante Dokumente vorliegen.

Zahllose Spieler nicht mehr voll versichert: DFB strebt extreme Änderung an

Ab einem Jahresgehalt von 3.000 Euro gilt ein Sportler in Deutschland als Berufssportler. Sozialabgaben werden fällig und er ist versicherungspflichtig. Versichert werden die Aktiven dann über die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (BG). Der Beitrag wird vom Arbeitgeber, in diesem Fall der Verein, entrichtet. Über die BG sind Sportler umfangreich versichert. Bei einer Verletzung übernimmt sie Behandlungskosten und leistet im Fall der Fälle eine Lohnfortzahlung. Das Geld kommt aus einem Topf, in den alle Sportvereine einzahlen.

Der Deutsche Fußballbund will die bestehende Lohnschwelle deutlich anheben. „Zeit online“ berichtet von einem Schreiben vom März 2021, in dem der DFB seine Regionalverbände darüber informiert. Die Gehaltsgrenze soll auf 20.000 Euro steigen. Wer weniger verdient, fliegt raus. Gut die Hälfte aller versicherten Sportler und Sportlerinnen wären damit raus.

Auf Nachfrage von Fussball Vorort bestätigt BFV-Geschäftsführer Fabian Jäckle, das Schreiben erhalten zu haben. Der Grundgedanke des DFB unterscheidet sich aber stark von dem der Profiklubs.

„Gebühren als große Belastung“: DFB will ermöglichen, dass Vereine sparen - auf Risiko der Spieler

Die Corona-Pandemie sei der Stein des Anstoßes gewesen, sagt Jäckle. Gerade kleine Vereine hatten in den vergangenen zwei Jahren kaum Einnahmen. Trotzdem mussten die vollen BG-Beiträge entrichtet werden. Er betont: „Die Regionalliga-Klubs sehen die Gebühren als große Belastung.“ Die BG könne die Gehaltsschwelle relativ frei bestimmen. Der DFB versuche momentan, eine „Einsicht“ zu erwirken.

Steigt die Einkommensgrenze auf 20.000 Euro Jahresgehalt, kommen etliche Klubs um die BG-Gebühren herum. Der Verein spart Geld. Aber können darüber alle glücklich sein? Aktive Spieler und Spielerinnen dürften sich Sorgen machen. Schließlich wird ihnen die Versicherung gestrichen. Jäckle wendet ein, die Sportler würden dann in die Gruppenversicherung der Landessportverbände wechseln. Im Regen bleibe niemand stehen. Ohne Versicherung könne man keinen Sport machen.

Wer so wenig verdient, lebt nicht nur vom Fußball, sagt der DFB. Vereine aus der vierten und fünften Liga, die der Verband nicht nennen möchte, sollen dem zustimmen.

Auf eigene Gefahr: Versicherungs-Änderung würde Spieler hart treffen

Aus Sicht der Spieler sieht die Lage allerdings ganz anders aus. Die Behandlung und Absicherung ist ohne Berufsgenossenschafts-Versicherung um Längen schlechter. Gerade Spieler aus der Bayern- und Regionalliga - teils auch aus der 3. Liga - trifft das besonders. Sie verdienen einen großen Teil ihres Einkommens durch den Sport. Ihre Gesundheit ist wertvoll, das Risiko hoch.

Aus Spielerkreisen ist zu hören, dass viele ohne BG-Versicherung überhaupt nicht spielen möchten. Steigt die Einkommensgrenze, müssten private Versicherungen abgeschlossen werden, um das aufzufangen. Wer das bezahlen soll, wenn es schon an den BG-Beiträgen scheitern sollte, bleibt das große Fragezeichen. Regional- und Bayernliga könnten mit der Versicherung etliche Spieler verlieren. (moe) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Aufrufe: 028.1.2022, 15:35 Uhr
Moritz BletzingerAutor