Trainer Gerhard Hildmann, Abteilungsleiter Klaus Assum, die Neuzugänge Stefan Heger und Simon Achatz (von rechts) sowie Torhüter Jürgen Engelleiter (sitzend) vom Landesliga-Aufsteiger TSV Gersthofen blicken der neuen Saison optimistisch entgegen.
Trainer Gerhard Hildmann, Abteilungsleiter Klaus Assum, die Neuzugänge Stefan Heger und Simon Achatz (von rechts) sowie Torhüter Jürgen Engelleiter (sitzend) vom Landesliga-Aufsteiger TSV Gersthofen blicken der neuen Saison optimistisch entgegen. – Foto: Oliver Reiser

Der Teamgeist ist Gersthofens Faustpfand

Mit einer homogenen Mannschaft will der Landesliga-Rückkehrer bestehen +++ Der neue Trainer Gerhard Hildmann weiß jedoch aus Erfahrung, dass dort ein anderen Wind weht

Der Saisonauftakt in der Landesliga Südwest steht unmittelbar bevor. Und der TSV Gersthofen steht gleich im Mittelpunkt, denn am Freitagabend (19.30 Uhr) steht für den Aufsteiger gleich ein Derby in der heimischen Arena gegen den SV Mering an. Im Kick-Off-Check nimmt der Augsburger Landbote die Gersthofer unter die Lupe.

Hin & weg

Schon in der Winterpause ist den Schwarz-Gelben mit Stefan Heger vom FC Memmingen ein ganz dicker Fisch ins Netz gegangen. Der 28-Jährige hat über 300 Regionalliga-Spiele auf dem Buckel. „Mit seiner Erfahrung und seiner Ruhe tut er unserer jungen Mannschaft sehr gut“, ist sich Gerhard Hildmann sicher, dass Heger ein ganz wichtiger Spieler werden wird. Dazu kamen Aladin Halilovic (TSV Schwabmünchen U19) und Noah Baum, der aber mittlerweile wieder zum TSV Pöttmes zurückgekehrt ist. Zum Re-Start im Sommer konnte man Simon Achatz (TSV Dinkelscherben), Moritz Seban (SB DJK Rosenheim), Michael Hildmann (TSV Aindling) und Torhüter Dennis Ortner (FC Gundelfingen) verpflichten.
Nicht mehr dabei sind die beiden Meistertrainer Mario Schmidt, der seinen Pass beim VfL Ecknach deponiert hat, und Florian Fischer, der eine schöpferische Pause einlegen will. Aus der Aufstiegsmannschaft haben der langjährige Kapitän und Abwehrchef Christoph Wagemann (Spielertrainer beim A-Klassisten SV Gessertshausen) und Daniel Biehal (Spielertrainer beim Kreisklassisten DJK Gebenhofen) den Verein verlassen. Noch vor Ende der Wechselfrist verließen Matthias Buckow (FC Affing) und Aykut Atay (VfL Ecknach) den Verein. Man konnte ihnen wenig Chancen auf ausreichende Einsatzzeiten versprechen.

Coach & Co.

Schon im Winter 2020 war klar, dass Florian Fischer und Mario Schmidt am Ende der Saison aufhören würden. Klar war auch, dass Gerhard Hildmann das Traineramt übernimmt. Zum dritten Mal. Der 55-jährige Polizeibeamte war mit den Schwarz-Gelben in der Saison 2010/11 als Co-Trainer in die Bayernliga aufgestiegen, coachte die Mannschaft dort dann im zweiten Jahr bis zum Herbst 2012. In der Saison 2017/18 kehrte er für elf Spiele zurück, scheiterte mit der Mannschaft ganz knapp in der Aufstiegsrelegation zur Landesliga. Als Co-Trainer hat der ehemalige Scout des Bundesligisten Borussia Dortmund seinen Sohn Michael mitgebracht, mit dem er zusammen auch das DFB-Stützpunkttraining in Augsburg leitet. Der 30-jährige Lehrer spielte ebenfalls schon zu Bayernliga-Zeiten für den TSV, war zuletzt für den TSV Aindling am Ball. Von dort kommt auch Olaf Fakner. Der ehemalige Physiotherapeut der deutschen Bob-Nationalmannschaft besitzt in Fußballerkreisen einen ausgezeichneten Ruf. Als Torwarttrainer fungiert der unverwüstliche Richard Kozurek (69), als Betreuerin Sonja Heigemeir.

Glücks- & Sorgenkinder

Dass sich Aladin Halilovic hinten links festspielen würde, hatte nicht einmal Gerhard Hildmann auf dem Zettel. „Er macht seine Sache gut“, lobt der Coach, den 20-Jährigen, der aus der Jugend des TSV Schwabmünchen kam und beim FC Augsburg und beim 1. FC Heidenheim ausgebildet wurde. Sehr viel Freude machen im auch die Youngsters wie Oktay Yavuz, Florian Gai, ANdi Durner oder Nico Baumeister, die seit seinem letzten Engagement in Gersthofen „einen Riesenschritt nach vorne gemacht haben.“ Viel versprochen hatte man sich auch von Manuel Rosner, der aber momentan durch eine Viruserkrankung („Nicht Corona!“) außer Gefecht gesetzt ist. Sorgen bereitet Manuel Lippe, der immer wieder an muskulären Problemen laboriert.

Plus & Minus

„Ich habe hier eine gut funktionierende Truppe vorgefunden, in der sich alle dem Team verschrieben haben und den Teamgeist leben“, sagt Gerhard Hildmann über die Mannschaft, die zum Großteil seit Jahren zusammen spielt: „Das homogene Auftreten wird unser Faustpfand sein.“ Während die spielerische Linie und der Zug nach vorne stimmen, ist in der Defensive ein Vakuum entstanden, nachdem Christoph Wagemann, Florian Fischer und Daniel Biehal nicht mehr da sind. Bisher ist in der Viererkette nur Florian Gai gesetzt. „Einen oder zwei Innenverteidiger könnten wir noch gebrauchen“, verrät Hildmann, dass man hinter den Kulissen sehr umtriebig war und noch die eine oder andere Personalie im Köcher hat: „Da wird sich noch etwas tun.“ So lange muss Co-Trainer Michael Hildmann in die Bresche springen. Nach den drei kurzfristigen Abgängen ist der Kader auch quantitativ etwas dünn geworden.

Test & Taktik

Mit der 1:8-Schlappe gegen die A-Junioren des FC Augsburg und dem 8:0-Sieg beim BC Adelzhausen gab es Höhen und Tiefen. Zuletzt unterlag man beim Bayernligisten Schwaben Augsburg mit 1:3. Der Auftritt sei dabei noch besser gewesen, als es das Ergebnis vermuten lässt. „Frei vor dem Tor wurden Canchen zum 2:1 und 3:1 nicht genutzt. Mit zwei groben individuellen Fehlern haben wir dem Gegner dann Geschenke gemacht“, berichtet Gerhard Hildmann, der das Spielsystem dem vorhandenen Spielermaterial angepasst hat, zumal im Vergleich zu seiner letzten Amtszeit mit Stefan Schnurrer und Mihal Korenik zwei pfeilschnelle Außenstürmer fehlen. Ob es ein 4-4-2 oder ein 4-2-3-1 werden wird – darauf will er sich nicht festlegen. „Das ist alles fließend. Entscheidend wird sein, dass wir im Spiel gegen den Ball richtig anlaufen“, sagt der alte Trainerfuchs, der diesem Verfahren schon in seiner letzten Station beim FC Ehekirchen beste Erfahrungen gemacht hat.

Wunsch & Wirklichkeit

„Wir können in der Landesliga mitspielen“, setzt Gerhard Hildmann großes Vertrauen in die Aufstiegsmannschaft. Der neue Gersthofer Coach weiß jedoch aus seiner Tätigkeit in Ehekirchen auch, was seine Mannschaft dort erwartet: „Es wird ein anderer Wind wehen.“ Körperlich intensiver und mit höherer Geschwindigkeit werde in der Landesliga gespielt. „Mit Fußball allein, wie in der Bezirksliga, wird es nicht reichen. Wir müssen auch Power und Kampf in die Waagschale werfen und taktisch auf das Niveau kommen, dass wir mithalten können“, glaubt Hildmann, dass man ein ganz dickes Brett zu bohren habe.

Vollgas oder Zwangspause?

„Man sollte Corona nicht unterschätzen. Die Gefahr ist immer da und mit einer Erkrankung ist nicht zu spaßen“, sagt Gerhard Hildmann, der zur Jahreswende selbst für mehrere Monate betroffen war. Deshalb hat er seine Spieler aufgefordert, sich Corona-konform zu verhalten. „Ich glaube, dass es keine Unterbrechung mehr geben wird, weil die Inzidenzzahlen nicht mehr das entscheidende Kriterium sind.“

Prognose

Der TSV Gersthofen wird es nicht leicht haben, die Klasse zu erhalten. Da die Mannschaft jedoch über einen extrem guten Teamspirit und einen erfahrenen Trainer verfügt und ohne echten Torjäger auch ganz schwer auszurechnen ist, sollte das Unternehmen dennoch gelingen.

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Aufrufe: 021.7.2021, 06:48 Uhr
Augsburger Landbote / Oliver ReiserAutor

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