
Gau-Odernheim. 28. August 2024, 19.30 Uhr. Vor rund 600 Zuschauern wird das Duell TSV Gau-Odernheim gegen Wormatia Worms angepfiffen. Es ist, im Verbandspokal, das erste Pflichtspiel gegeneinander. Am Sonntag, 15.30 Uhr, folgt in der Oberliga das erste Punktspiel der beiden ungleichen Kontrahenten, die sich sportlich so nah sind wie nie.
Und doch so fern, wie TSV-Trainer Florian Diel sogleich unterstreicht. Augenhöhe? Alltag? Weder noch! „Obwohl wir gerade so hoch Fußball spielen wie noch nie, können wir uns nicht annähernd mit Wormatia Worms auf einer Ebene sehen, die ewig nicht mehr tiefer als Oberliga gespielt haben.“ Von 1993 bis 1998 war der VfR letztmals lediglich Verbandsligist, dafür seit 2008 insgesamt zwölf Jahre in der Regionalliga – wo der Club auch unbedingt wieder hin will.
Wenn zu Spielbeginn auf der Gegengerade die Pulte für die Übertragung im VRM-Livestream und nebenan für Wormatia TV aufgebaut sein werden, „dann fühlt es sich ja fast schon wie Regionalliga an“, muss Torhüter Daniel Diel schmunzeln. Wie weit weg die ersten Oberliga-Wochen der Gau-Odernheimer Vereinsgeschichte von Normalität sind, zeige sich allein schon in der Vorbereitung.
Die Partie soll ähnlich organisiert werden wie das jüngste Gastspiel der TuS Koblenz. Also wieder mit einem Bereich für Gästefans auf der „Gegengerade“ sowie diagonal dem Clubheim gegenüber neben dem Tor. „Das ist immer noch Ausnahmezustand“, blickt Daniel Diel hinter die Kulissen, auf die vielen Helfer, um die der TSV auch via Social Media warb. Jede Unterstützung ist willkommen für den Verein ohne Angestellte.
Viele neue Plätze und Gegner, das wird den TSV durch die nächsten Wochen begleiten. Zwischen den Heim-Highlights gegen Worms, den FCK II und Pirmasens geht es nach Koblenz, zu RW und Cosmos. Ein happiges Programm. „Wir sind eine junge Truppe und müssen noch nicht alle schon oben in der Lernkurve angekommen sein“, sagt Kapitän Jakob Friedrich. „Je besser die Gegner, desto mehr ist man gefordert. Das gibt uns die Möglichkeit, zu wachsen.“
Der Abwehrchef hatte damals, vor einem Jahr und zwei Wochen, mit Kopfballtor und Vorlage maßgeblichen Anteil am 2:1-Sieg nach Verlängerung. Die Intensität des Spiels hat Friedrich bleibend in Erinnerung. Und die 90-minütige Überzahl, die natürlich geholfen hat. Damals schürte der TSV die Euphorie, die bis zum Aufstieg tragen sollte. Geblieben ist die Favoritenrolle der Gäste. „Sie haben auf dem Papier vielleicht den besseren Kader, aber unsere Chancen stehen ziemlich gut“, findet Friedrich. Begründung? „Aus dem Gefühl heraus. Wir müssen den Kampf annehmen.“
Eine breite Brust sollen die Spiele gegen Engers und TuS Koblenz geben, beide daheim 0:2 verloren, gegen den aktuellen Zweiten und Ersten, doch mit weiten Spielphasen auf Augenhöhe. Und der Erkenntnis, so Daniel Diel, wie hoch die Messlatte an Abgezocktheit und Effizienz in der Oberliga hängt. „Der Punch nach vorne, da fehlt es uns am meisten“, sagt der Keeper, „und du brauchst defensiv perfekte Spiele.“
„Wir werden in dieser Liga auf eine ganz andere Art und Weise gefordert“, hält Friedrich fest. „Ganz viele sehen uns als Abstiegsfavoriten Nummer eins.“ Und doch geben die bereits eingefahrenen neun Punkte das Zutrauen, zurecht dort zu spielen, wo man spielt. Das Spieltempo, wie schnell Fehler bestraft werden, da liegen für den Kapitän die größten Unterschiede zur Verbandsliga: „Je besser wir das Ganze annehmen, desto besser werden wir. Unser großer Vorteil ist, dass wir eine sehr fitte Truppe sind. Das wird sich über die komplette Saison bemerkbar machen.“
Gegen die Wormatia wird dem TSV gewiss wieder alles abverlangt. „So viel Tradition und Emotion hat kein Verein im Südwesten“, sagt Florian Diel, der auf den in Breite und Spitze starken Wormser Kader verweist und voller Wertschätzung über Trainerkollege Anouar Ddaou und dessen gleichermaßen ansehnliche wie erfolgreiche Spielweise spricht: „Das wird eine Horror-Aufgabe. Wir dürfen uns überhaupt keine Auszeit gönnen.“ Denn das, eine 20-minütige Schwächephase, kostete schon beim bis dato sieglosen FV Eppelborn Punkte (1:3).
An die Leistung gegen Koblenz „müssen wir anknüpfen“, fordert Daniel Diel, „da waren wir ziemlich am Limit, haben sehr viel aggressiv wegverteidigt“. Effektivität muss hinzukommen. Aber: „Ich sehe viele Fortschritte. Bei Intensität, Taktik, Fitness sind wir in der Liga angekommen. Uns hat noch kein Gegner vorgeführt.“ Auch wenn er noch so überlegen scheint.