
Gau-Odernheim. Es gibt Momente im Leben, da traut man seinen Augen nicht. Beim Oberliga-Spiel des TSV Gau-Odernheim gegen die TuS Koblenz (0:2) erlebten Jakob Friedrich und Luis Breitenbruch sie.
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Breitenbruch war es, der seinem Gegenspieler aus kurzer Distanz den Ball an den weit nach oben geschleuderten Arm köpfte. „Ganz, ganz, ganz klares Handspiel“, betont der Neuzugang vom FCK II. Schließlich heißt die Regel: Hand über Schulterhöhe ist grundsätzlich abzupfeifen. „Da ist man erst einmal frustriert“, sagt der 20-Jährige. „Gegen einen so großen Gegner waren wir absolut auf Augenhöhe.“ Dann auf diese Weise, Sekunden nach dem nicht geahndeten Handspiel, das 0:1 zu schlucken, ist mehr als bitter. Trainer Florian Diel gab seiner Mannschaft die Botschaft mit auf den Weg: „Der Fußballgott merkt sich das, wir bekommen das irgendwann zurück.“
Beim Blick auf den Video-Mitschnitt der Nachspielzeit verlor auch Friedrich die Fassung. Sanih Music schlug dem TSV-Kapitän die Hand ins Gesicht. „Da gibt es eigentlich keine zwei Meinungen, und Linienrichter und Schiedsrichter haben den Blick zu mir.“ Nicht einmal Foul wurde gepfiffen, und Music traf wenige Minuten später zum Endstand. Dass das 0:1 auch bei der Torerzielung wohl Handspiel war, kam noch obendrauf. „Das macht schon was mit einem“, sagt Friedrich, „aber was gestern war, war gestern, wir gucken auf das Heute.“
Zwei Tage brummte Friedrich nach dem Spiel noch der Schädel, im Pokal in Buhlenberg am Mittwoch (4:0) schaute der Abwehrchef zu. Das linke Ohr und der Kiefer taten weh, von einem Kopfball-Zusammenprall trug Friedrich zudem eine Beule davon. „Wir haben ein überragendes Spiel gemacht gegen einen der Top-Favoriten der Liga“, blickt der 26-Jährige zurück. „Wir sind stolz, dass wir mithalten konnten. Der Respekt von Koblenzer Seite kam auch sehr schnell.“ Gänzlich anders sind die Vorzeichen am Samstag (15.30 Uhr) bei Schlusslicht FV Eppelborn. Der Vorjahres-14. stieg seit 2017 schon drei Mal auf. Ein Sechs-Punkte-Spiel also im Klassenkampf.
Schon vor dem Gau-Odernheimer Aufstieg hatte Breitenbruch seinen Vertrag am Petersberg unterschrieben. Der Kontakt kam durch Ex-Cotrainer Joachim Lawall zustande, der den in Bolanden und Steinbach ausgebildeten Mittelfeldspieler als C-Junior am Göllheimer Stützpunkt trainiert hatte. Nach zwei Probetrainings war Breitenbruch überzeugt. Sechs Jahre hatte er beim 1. FC Kaiserslautern zugebracht. „Das war eine Herzensangelegenheit“, schwärmt er. U17-Kapitän, Abstieg aus und Aufstieg in die Bundesliga, dann Kreuzband- und Meniskusriss. „Ich bin dem FCK sehr dankbar, weil ich noch ein Jahr Vertrag bekommen habe. So konnte ich die Reha bestmöglich absolvieren. Jetzt geht es darum, Spielzeit zu sammeln.“
Vom Betzen- an den Petersberg, das ist schon ein Kulturwandel. „Aber ich komme vom Dorf, der krasse Wandel war eher der zum FCK, mit Fahrdienst, Ausstattung, Verpflegung, Fototerminen.“ Die Rückkehr in den reinen Amateursport „erdet einen, und das macht uns auch aus“. Einen Zusammenhalt wie beim TSV habe Breitenbruch noch nie erlebt. „Und wir haben einen ganz klaren Plan, den wir nahe an der Perfektion spielen. Wir wissen, was wir können und was wir nicht können. Alle haben maximal Bock auf das Projekt Gau-Odernheim Oberliga.“ Da kann ein solcher, fremdbestimmter Rückschlag wie gegen Koblenz eigentlich nur noch mehr zusammenschweißen.