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Ligabericht

TSV Gau-Odernheim: Donnerwetter vom Trainer

Auf klägliche erste Halbzeit gegen den FK Pirmasens folgt ein deutlich verbesserter Auftritt - trotz der 1:4-Niederlage

von Torben Schröder · 05.10.2025, 20:59 Uhr · 0 Leser
Florian Diel hatte beim Seitenwechsel einen dicken Hals.
Florian Diel hatte beim Seitenwechsel einen dicken Hals. – Foto: Michael Wolff (Archiv)

Kaum war Florian Diel mit grimmigem Gesicht in der Kabine verschwunden, kam er auch schon wieder raus. Kurz und bündig war die Trainer-Ansprache beim TSV Gau-Odernheim – und offenkundig wirksam. Denn trotz der 1:4 (0:3)-Niederlage war seine Mannschaft gegen den FK Pirmasens nach dem Seitenwechsel nicht wiederzuerkennen.

„Ich bin ausgerastet“, gibt der Chefcoach des Oberliga-Aufsteigers zu. Über Inhalte wird geschwiegen, der Anlass aber war offenkundig. „Wir hatten viel zu viel Respekt, Angst, haben uns gefühlt vor dem Spiel schon ergeben und sind ganz klassisch überrollt worden.“ Eine „aggressiv-emotionale Lockerheit“ sei das Ziel gewesen. „Anscheinend ist nur die Lockerheit übrig geblieben.“

Erschwerend kam hinzu, dass der Aufstiegsaspirant früh in Führung ging. Noah Stilb flankte von rechts, Marc Ehrhart nickte mittig ein (6.). Das passte zum dominanten Pirmasenser Start und wäre doch, bei der gewohnten Zweikampfführung und Aufmerksamkeit der Gau-Odernheimer, zu verteidigen gewesen – genauso wie der zweite und dritte Streich des Viererpackers. Flanke durch Silas Gutmann, diesmal von links, und wieder war Ehrhart mit dem Kopf zur Stelle (19.). Pirmasenser Fehlpass ins Zentrum, der Stürmer schaltet am schnellsten, läuft durch die Mitte durch, umkurvt Keeper Daniel Diel, und perfekt war der Hattrick (43.).

Es ist nicht so, dass die Westpfälzer nichts angeboten hätten. Bester gegen zweitschwächster Sturm der Liga, das sah man auch in Sachen Effizienz. Julian Meiningers abgefälschter Distanzschuss landet mit etwas Glück nicht Zentimeter neben dem Pfosten (16.), nach Hannes Zundels weitem Einwurf wackelte das Gebälk (26.), mit Christopher Hahns Distanzschuss hatte Keeper Benjamin Reitz seine liebe Mühe (40.). Wobei der FKP im unmittelbaren Gegenzug durch Luka Dimitrijevic (26., 40.) dicke Möglichkeiten hatte zu erhöhen. „Du bist schlecht und hast trotzdem Großchancen“, resümiert Diel.

"Schlechteste Halbzeit der Saison"

Pause, Blitz-Donnerwetter. Und eine Reaktion auf die, so der TSV-Trainer, „schlechteste Halbzeit der Saison“. Vielleicht habe man den FKP damit ja eingelullt. „Jedenfalls haben wir es danach geschafft, kein Sparringspartner mehr zu sein.“ Der TSV war aktiv, hatte Abschlüsse, schraubte die Intensität um einige Level hoch und brachte tatsächlich wieder Spannung rein. Querschläger vom Keeper, Gradi Nkunga setzt nach, Jannis Maurer knallt den Abpraller ins kurze obere Eck (76.).

Aus dem Gewusel gelingt Jonathan Maier beinahe das 2:3 (83.), dann sieht der Pirmasenser Jonas Vogt die Ampelkarte (90.). Schade für den TSV, dass Maurer minutenlang mit Platzwunde behandelt werden muss, denn in den letzten Minuten trudelt die Partie aus. Und Ehrhart knallt den Ball nach kurz gespieltem Freistoß zu Treffer Nummer vier ins kurze Eck (90.+4).

"Das sind wir von uns selbst nicht mehr gewohnt"

„In der ersten Halbzeit sind wir alle zusammen 30 Mal weggerutscht“, schüttelt Daniel Diel den Kopf. So einen Auftritt „sind wir von uns selbst gar nicht mehr gewohnt“. Gegen den FCK II (0:3) waren die Gau-Odernheimer chancenlos, weil der Gegner bärenstark war. Diesmal war gefühlt viel mehr Eigenverschulden bei der zweiten klaren Niederlage dieser Saison mit im Spiel.

Nun gilt es, wie Kapitän Jakob Friedrich sagt, die guten Momente aus Durchgang zwei mitzunehmen. „Jetzt kommt die Phase, in der wir zwei Schippen draufpacken müssen.“ Die Serie an Heimspielen gegen die Top-Fünf der Tabelle ist gespielt, mit zwei guten Leistungen, bei denen mehr drin war (0:2 gegen Engers, 0:2 gegen TuS Koblenz), einem Zähler (2:2 gegen Worms) und zwei Lehrstunden.

Nun beginnt der Auswärtsmarathon

Dass die Gau-Odernheimer ihre Lektionen schnell lernen, zeigten sie stets, denn auf eine Niederlage folgte bislang nie eine zweite. „Jetzt kommen die wichtigen Spiele für uns“, blickt Friedrich voraus. „Solche Halbzeiten wie die erste können wir uns nicht noch einmal erlauben. Spielen wir direkt so wie in Halbzeit zwei, wird es ein ganz anderes Spiel.“

Acht Auswärtsfahrten sind bis Weihnachten, das Pokalspiel in anderthalb Wochen in Büchelberg einbezogen, noch angesetzt. Sowie zwei Heimspiele, am 19. Oktober gegen Idar-Oberstein und am 30. November gegen Arminia Ludwigshafen. Die Folge aus getauschtem Heimrecht: Die letzten vier Saisonspiele finden allesamt am Petersberg statt. Ein Faustpfand, wie Florian Diel sagt. Doch erst mal beginnt die große Reisezeit.

TSV Gau-Odernheim: Diel – Juricinec, Friedrich, Schrod – Zundel, Dietrich, Breitenbruch (46. Maier), Meininger (46. Maurer) – Meslem (71. Nkunga) – Rexhepi (64. M. Hofmann), Hahn (64. Gümüs).