Elstorf: Spiel nach Ausschreitungen abgebrochen

Anhänger des TuS Celle FC zündeten beim Fußball-Bezirksligaspiel beim TSV Elstorf Bengalos und legten sich mit der Polizei an

Anhänger des TuS Celle FC zündeten beim Fußball-Bezirksligaspiel beim TSV Elstorf Bengalos und legten sich mit der Polizei an. Die Situation eskalierte und der Schiedsrichter brach die Partie ab. Jetzt beginnt die Aufklärung.

ELSTORF. 35 gewaltbereite und alkoholisierte Anhänger des Fußball-Bezirksligisten TuS Celle FC, 20 Polizisten, Pfefferspray, Bengalos, Würfe mit Bierflaschen, vier verletzte Polizisten, ein abgebrochenes Fußballspiel und womöglich eine makabere Ankündigung dieser Ausschreitungen. Behörden und Sportgerichte werden in den nächsten Tagen die Ausschreitungen am Rande des Fußball-Bezirksligaspiels zwischen dem gastgebenden TSV Elstorf und dem TuS Celle FC aufarbeiten.

"Das ist eine riesengroße Schande für den Amateurfußball", sagt der Trainer des gastgebenden TSV Elstorf, Hartmut Mattfeldt. Bereits vor dem Anpfiff soll eine Bierflasche in das Vereinsheim geflogen sein. Mit dem Anpfiff brannten die ersten bengalischen Feuer im Gästeblock. Im Laufe der ersten Halbzeit rief der TSV die Polizei auf das Sportgelände, die anwesenden Beamten forderten offenbar weitere Verstärkung an. Mattfeldt beobachtete, wie sechs oder sieben Polizisten in der 30. Spielminute quer über das Feld gelaufen sind, um ihre Kollegen auf der anderen Seite zu unterstützen. Ein Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion Harburg schreibt in seinem Bericht, dass die eingesetzten Polizisten die zum Teil vermummten, gewaltbereiten und alkoholisierten Störer der Sportveranstaltung verweisen wollten.

Dabei sei es zu Widerstand gekommen. Die Polizei setzte Pfefferspray ein und setzte einige Randalierer kurzzeitig mit Handfesseln fest. Nachdem die Celler Anhänger später doch in einen Bus eingestiegen waren, eskortierte die Polizei den Tross bis zur Autobahn zurück. Dass keiner der Außenstehenden verletzt wurde, sei ein Glücksfall, berichtet der Polizeisprecher. Der Schiedsrichter brach die Partie beim Stand von 1:2 aus Elstorfer Sicht in der Halbzeitpause ab.

Nach TAGEBLATT-Informationen soll dem Vorstand des TSV Elstorf angedroht worden sein, das Vereinsheim anzuzünden. Noch am gleichen Abend hätten die Mitglieder des TSV bei ihrer Weihnachtsfeier Angst gehabt, die Randalierer könnten zurückkehren. Die Feier fand einige Meter weiter in der Schützenhalle statt. In der Nacht vor dem Spiel sollen Unbekannte in Elstorf etwa ein Dutzend Holzkreuze mit der Aufschrift "TSV Elstorf - 20.12.2016" aufgestellt haben. TSV-Trainer Mattfeldt sagt, er könne dieser "Kriegserklärung" nichts abgewinnen. "Das ist kein Spaß mehr", so Mattfeldt.

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Die Polizei hatte von dieser Aktion bis Sonntagabend keine Kenntnis. Zudem sollen Celler Anhänger beim Eintreffen der Polizei versucht haben, verschiedene Drogen in der Toilette der Sportanlage zu entsorgen.Spekuliert wird in der Szene, warum es zu den Ausschreitungen kam. Im Vorfeld habe es keine Hinweise gegeben, sagt Mattfeldt. Im Hinspiel in Celle sei nichts passiert. Ähnlich äußert sich der Vorsitzende des TuS Celle FC, Wolfgang Lidle. Er sei von der Aktion überrascht. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Anhänger eine derartige Aktion geplant hätten. Wenn der Vorstand Hinweise erhalten hätte, hätte er eingewirkt. Lidle verurteilt die Ausschreitungen aufs Schärfste. Der Verein sei bemüht, die Dinge aufzuklären, werde aber die offiziellen Stellungnahmen der Polizei und des Fußballverbandes abwarten, bevor er reagiere. "Wir werden diese Aktion keinesfalls tolerieren und mit den Wortführern reden", sagt Lidle. Der FC-Chef kündigt an, den Unruhestiftern Stadionverbote zu erteilen, sie anzuzeigen oder ihnen mögliche Strafen, die auf den Verein zukommen könnten, in Rechnung zu stellen.Die Anhänger des TuS Celle FC waren einst berüchtigt. Allerdings ist es um die Anhänger des Vereins mit dem sportlichen Absturz in die Bezirksliga ruhig geworden. Der letzte Vorfall datiert aus dem Jahr 2011 und passierte in Walsrode. "Eigentlich haben wir unsere Fans im Griff", sagt Wolfgang Lidle.Welche strafrechtlichen Folgen auf die Randalierer zukommen, bewerten entsprechende Behörden.

Das Bezirkssportgericht Lüneburg wird sich um die Beurteilung der Geschehnisse in sportlicher Hinsicht kümmern. Staffelleiter Hartmut Jäkel wird den Bericht des Schiedsrichters weiterleiten. Spekulativ sind die Konsequenzen für den TuS Celle FC. Eine mögliche Geldstrafe reicht bis 1000 Euro. Der Verein könnte bis zu einem halben Jahr lang für den Sportbetrieb gesperrt werden. Im Vergleich geringere Strafen sind eine 0:5-Wertung des Spiels gegen Elstorf oder Punktabzug.

Aufrufe: 12.12.2016, 08:32 Uhr
Tageblatt / Daniel BerlinAutor

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