Eine Überlegung wert?

„Ich war bisher auch immer optimistisch...“, stellt Maryan Zachert dem Gespräch mit FuPa Thüringen voran. Dass das, was danach kommt, dann weniger erbaulich ist, kann man erahnen.

Maryan Zachert ist Trainer des TSV Elgersburg, hat als aktiver Spieler unter anderem bei Ilmenau, Martinroda und Geratal in der Landesklasse und Thüringenliga gekickt. Die paar Spiele, die er in dieser Saison mit seinem TSV absolviert hat, liefen mehr als gut für die Elgersburger. Sechs Spiele, sechs Siege und ein überragendes Torverhältnis. Bester Torschütze dabei übrigens Maximilian Zachert (17) – Maryans Sohn – der in den wenigen Spielen 18-mal eingelocht hat.

Hat eigentlich alles nach einer ziemlich leckeren Saison in der Kreisliga Mittelthüringen ausgesehen. Dass dann gleich wieder Schluss war – angesichts der sportlichen Ausgangslage bitter. Da nun ein erneuter Saisonabbruch droht, ist das gleich doppelt bitter.

Im vergangenen Frühjahr entschied der Thüringer Fußball in Form eines Verbandstages, dass die Saison abzubrechen ist und im Sommer 2020 neu begonnen wird. Jeder, der sich nur ein bisschen mit dem Fußball in Thüringen befasst, wird sich erinnern, welch großer Kraftakt nötig war und welch tiefe Gräben sich teilweise durch den Fußball-Kosmos zogen. Ob eine Saisonfortführung seiner Zeit vielleicht die bessere Entscheidung gewesen wäre? Müßig darüber zu diskutieren, denn eine Glaskugel hatte damals keiner. Wobei vielleicht so mancher Befürworter nun doch der Mehrheitsentscheidung aus dem vergangenen Jahr nachtrauert.

Nun, und das hatte sich niemand gewünscht, steht die aktuelle Saison auch unmittelbar vor dem Abbruch. Mal ehrlich, inzwischen müsste ein Wunder her, wenn man angesichts der aktuellen Entwicklungen die Hälfte der Saison über die Bühne bringen möchte. Denn ein bisschen mehr als die Hälfte ist eben nötig, um eine verwertbare Saison zu bekommen.

Doch, und das ist die Frage, die sich Maryan Zachert inzwischen stellt, ist der erneute Abbruch die beste Lösung? Zumindest diskutieren sollte man darüber, denkt der Coach. „Man stelle sich vor, das passiert dann in einer kommenden Saison zum dritten Mal und es wird nochmal abgebrochen. Ich glaube nicht, dass die Jungs das dann noch mitmachen“, sagt Zachert. Beim genauen drüber nachdenken, wird wohl jedem Fußballfreund bei dieser Vorstellung ein bisschen anders. X-te Welle, X-ter Lockdown, nächste Saison auch noch abbrechen. Ne, oder? Irgendwann muss doch mal Schluss sein mit dem ganzen Mist. Wir haben doch bald hoffentlich Tests und Impfungen und außerdem hat verdammt nochmal keiner Bock mehr darauf.

Aber das mit dem Bock ist so eine Sache. Das war ja auch schon im letzten Jahr so. Geholfen hat es nicht. Haben wir uns mehrheitlich für einen Abbruch entschieden, weil wir so fest an eine reguläre Saison 20/21 glauben wollten? War der Wunsch Vater des Gedankens? Wieder einmal müßig das zu diskutieren.

„Ich war bisher auch immer optimistisch aber die jetzige Situation, mit den ganzen Meldungen jeden Tag, die man eigentlich schon nicht mehr hören kann und will... Man verliert den Glauben an das Ganze. Das ist das, was es so schwierig macht. Es scheint nichts zu funktionieren und das macht mich eben auch misstrauisch, dass wir die kommende Saison regulär durchspielen können. Es wird sich jetzt alles noch eine ganze Weile ziehen und uns noch lange beschäftigen“, sagt Zachert, der es begrüßen würde, wenn eine Saisonfortführung oder zumindest Verlängerung erneut Inhalt der Diskussion und möglicher Szenarien wäre. Dabei weiß der 38-Jährige um alle Schwierigkeiten, die damit einher gehen würden. Von Nachwuchs bis „Thüringer Sonderweg“ – es gibt wie letztes Jahr eben auch die Argumente dagegen. Aber was (und muss man das vielleicht wirklich in die Überlegung mit einbeziehen), wenn tatsächlich auch in einer kommenden Spielzeit eine lange Zwangspause droht? Ein dritter Abbruch wäre wirklich zum Heulen.

„Das hätte natürlich wieder einen riesen Rattenschwanz. Es wäre dann wahrscheinlich auch ein Sonderweg. Allerdings hat Bayern mit der Verlängerung ja gezeigt, dass es die Möglichkeit gibt, den Weg zu gehen. Aber da haben viele Vereine ganz sicher unterschiedliche Wahrnehmungen und Ansichten“, sagt Zachert, der nicht die Saisonfortsetzung fordern will, sondern einfach dazu anregen möchte, auch diese Möglichkeit wieder in die Überlegungen einzubeziehen. Vermutlich, so war es ja im vergangenen Jahr auch, wird man ohnehin erst wieder in der Retrospektive sagen können, welche Entscheidungen gut oder schlecht waren. Auch deshalb, und das betont Zachert, möchte er nicht in der Haut der Entscheidungsträger stecken.

Aufrufe: 024.3.2021, 14:00 Uhr
FuPa ThüringenAutor

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