Von der E-Jugend bis zur U19 sind alle Teams des TSV Eching im Onlinetraining, hier beschäftigt Trainer Mario Crapanzano seine C1.
Von der E-Jugend bis zur U19 sind alle Teams des TSV Eching im Onlinetraining, hier beschäftigt Trainer Mario Crapanzano seine C1. – Foto: Uffinger

Jugendfußball: Große Lust auf Cyber-Training

Nachwuchsfußballer trotzen der Pandemie

Die meisten Vereine im Landkreis Freising kommen gut durch die Pandemie und verzeichnen keine Austritte. Ein breit gefächertes Online-Angebot ist dabei wichtig.

Landkreis – Corona hält den Amateursport weiter im Würgegriff. An regulären Fußball ist nicht zu denken – und eine Perspektive, wann und wie es auch für die jungen Kicker weitergehen könnte, ist noch nicht in Sicht. Haben die Vereine im Landkreis also mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen? Und wie versuchen Verantwortliche und Trainer, den Nachwuchs bei der Stange und vor allem in Bewegung zu halten? Das FT hat sich umgehört.

Herzlich lachen muss Florian Uffinger, als er die Frage nach dem Online-Training hört. Erst am Abend vorher war der Jugendleiter des TSV Eching als Gast bei zwei E- und D-Junioren-Teams der Zebras dabei, „und heute hab ich einen saubern Muskelkater“, schmunzelt Uffinger. Die Stimmung ist gut in Eching, die Stimmung muss gut sein, noch ist überhaupt nicht absehbar, wann und in welcher Form sich die Nachwuchs-Zebras wieder auf der Anlage rund um das Willi-Widhopf-Stadion werden sehen können. Und deswegen machen die TSV-Verantwortlichen das, was aktuell am meisten hilft: Routine schaffen. Kurzerhand haben Jugendleiter Uffinger und sein Team das Training einfach ins Internet verlagert. Seit Mitte Januar treffen sich alle Jugendteams, von der E-Jugend bis zu den U19-Junioren, zwei Mal die Woche vor dem Bildschirm. Über die Plattform Google-Meet konferieren Trainer und Spieler mit der Webcam. „Wie im Homeschooling“, vergleicht Florian Uffinger. Die Anwesenheit aller Sportler und Trainer wird erwartet, wer nicht erscheint, soll sich abmelden – wie im herkömmlichen Training auch. Und man merkt: Beim TSV gehen sie mit dem nötigen Ernst an die Sache. Viel Intervalltraining gibt es aktuell, oft ist der Ball mit dabei. „Ganz wichtig ist der Spaßfaktor“, bestätigt Uffinger. Und das Training kommt an, bei den beiden E- und D-Jugend-Teams waren 30 Spieler mit an Bord. Und auch die Rückmeldungen der Eltern sind durchweg positiv. „Manche sind vielleicht einfach froh, dass sie zu Hause mal eine Stunde ihre Ruhe haben.“

Uffinger: „Abmeldungen haben wir bisher keine“

Viele Kinder sind quasi durchgehend in den eigenen vier Wänden, da schafft der Sportverein eine willkommene Abwechslung im Alltag der Familie. Die Arbeit beim TSV Eching kommt so gut an, dass von einem Mitgliederschwund aktuell nichts zu spüren ist, wie vielerorts befürchtet wird. „Abmeldungen haben wir bisher keine“, berichtet Florian Uffinger. „Aber natürlich ist die Angst da, dass sie merken, dass es ohne Fußball auch geht.“

Ebenfalls noch ohne Abmeldungen sind die Jugendfußballer des FC Moosburg. „Ich gehe auch nicht davon aus“, hofft Großfeld-Leiter Janis Reinelt auf die Solidarität der Bonauer. „Alle sind froh, wenn sie irgendwann wieder rausdürfen.“ Heißt: Beim FCM spekulieren die Verantwortlichen schon drauf, dass Kinder und Jugendliche nach dem langen Lockdown wieder ins Training kommen dürfen und bis dahin ausharren. Wann das soweit sein wird? Hier will sich Janis Reinelt an keine Prognose wagen, zu vage waren und sind die Aussagen der Politik aktuell. „Meine persönliche Meinung ist, dass wir zu Ostern nicht damit rechnen sollten.“ Ob’s zumindest danach mit lockerem Training wieder losgehen könnte, „das ist schwierig zu sagen.“

FC Moosburg: Wichtig ist es in Kontakt zu bleiben

Auch wegen der Gebühren und Mitgliedsbeiträge gab’s noch keine Anfragen. Damit das so bleibt, setzen auch die Dreirosenstädter auf ein Online-Angebot, das aktuell ausgebaut wird. Momentan läuft vieles individuell über die Trainer, meistens treffen sich die Teams in einer lockeren Runde ein Mal die Woche, „ähnlich wie im Hallentraining, das ja momentan laufen würde“, erläutert Reinelt. Natürlich gibt es in den Online-Übungen Fußballeinheiten, „viel wichtiger ist aber, dass wir mit den Mannschaften und die Spieler untereinander Kontakt halten können.“ Doch auch in Moosburg soll das Online-Angebot ausgebaut werden. Derzeit stehen die Verantwortlichen in Kontakt mit einer Firma aus Österreich, die sich hier spezialisiert hat. Für den Sport und auch das Teambuilding hoffen die Moosburger auf einen Mehrwert. „Wir halten uns gerne bereit, wenn wir wieder starten dürfen“, so Großfeldleiter Janis Reinelt.

VfB Hallbergmoos: Was fehlt, ist der persönliche Kontakt

Ebenfalls in Eigenregie läuft das Angebot bei den Nachwuchs-Fußballern des VfB Hallbergmoos. Ob jede Woche oder nur 14-tägig, das entscheiden die Übungsleiter individuell. „Vor allem entscheiden wir je nach Alter, ob wir alles mit Videokonferenzen abdecken oder auch Trainingspläne rausschicken“, erläutert Jugendleiter Sebastian Papenmeyer. Meistens enthalten die Online-Einheiten Übungen für 30 bis 40 Minuten, vor allem geht es darum, dass Kinder und Jugendliche fit bleiben. Zudem streut der eine oder andere Trainer Familien-Challenges, kleine Wettbewerbe, fürs Wochenende ein. „Dann kommen unsere Familien auch mal zusammen raus“, so Papenmeyer weiter. Auch in Hallbergmoos ist die Resonanz durchweg positiv. „Am Ende ist das jetzt, im zweiten Lockdown, nichts Neues mehr“, relativiert Papenmeyer. „Eine gewisse Lethargie kann sich da im Laufe der Zeit schon breit machen, das merke ich auch an meinen eigenen Kindern.“ Was nach wie vor fehlt, ist der persönliche Kontakt, der Austausch. „Kinder sind einfach für soziale Kontakte ausgelegt“, plädiert Papenmeyer. Vereinsaustritte sind bislang ausgeblieben. „Aber“, so Papenmeyer, „wenn Schulen wieder öffnen, könnten wir doch auch starten.“

SE Freising: Trainingsangebot für alle Mannschaften

Ebenfalls auf Cyber-Training setzen die Verantwortlichen des SE Freising. „Alle Trainer schauen, dass sie ihren Mannschaften individuell Aufgaben stellen und Angebote zur Verfügung stellen“, berichtet Jugendleiter Manuel Esch, der selbst die hauseigene U17 trainiert. Einige fußballspezifische Übungen sind da mit dabei, Esch setzt aber auch auf den Challenge-Charakter der Maßnahmen. Beispielsweise mussten seine Kicker einen Monat lang ihre gelaufenen Kilometer tracken, also digital nachweisen, und dann einsenden, am Ende gab’s Preise zu gewinnen. Mancher Spieler absolvierte da 70 bis 80 Kilometer die Woche. „Bei den Eltern kommt das richtig gut an, dass sich die Kinder und Jugendlichen bewegen“, schwärmt Esch. So gut, dass auch beim SE Freising aktuell noch kein Austritt eines Spielers zu verbuchen ist, auch Nachfragen bezüglich der Mitgliedsbeiträge gibt es aktuell nicht. Kontrolliert werden die Spieler im Online-Training nicht, „und auch meine Trainer kontrolliere ich nicht andauernd, wie und ob das umgesetzt wird.“ Dafür spornt Esch seine Spieler beispielsweise mit dem Leistungsgedanken an. „Nach dem Lockdown“, schmunzelt Esch, „wird man recht schnell sehen, wer gut und wer schlecht trainiert hat in dieser Zeit.“ Das Online-Training läuft erst einmal weiter wie bisher, „alles andere“, resümiert der Jugendleiter und Trainer, „lässt sich superschlecht planen.“

TSV Nandlstadt: Vielleicht schadet die Ruhe nicht

Einen anderen Weg haben die Nachwuchsfußballer des TSV Nandlstadt eingeschlagen. „Wir bieten momentan kein Online-Training an“, berichtet Jugendchef Erich Schinagl. Tenor: Vielleicht schadet ein wenig Ruhe gar nicht. „So eine Situation war vorher ja noch nie da, ergänzt er, „egal ob jung oder alt, viele können die Zeit jetzt auch nutzen, um sich auszukurieren.“ Vor allem die, die in den letzten Jahren immer angeschlagen gespielt hätten. Schinagls Hoffnung lautet, dass derjenige, der sich bewegen will, das sowieso von sich aus tun werde. Zudem, auch da bleibt Nandlstadts Jugendleiter ehrlich, fehle ihm das technische Knowhow, um ein Online-Training auf die Beine zu stellen. „Von den Trainern ist auch noch niemand mit dem Wunsch an mich herangetreten.“ Doch, so gibt auch Erich Schinagl zu, besteht schon die Gefahr, dass nach der Corona-Pause nicht alle zum Fußball zurückkehren werden. Vor allem andere Sportarten seien zur Alternative geworden. „Triathlon beispielsweise könnte immer populärer werden“, führt Schinagl aus. Laufen und Fahrradfahren sei trotz Corona möglich gewesen, „da ist eine gewisse Tendenz zu erkennen.“ Auch unabhängig von Corona werden sich die Fußballvereine strecken müssen, glaubt er.

Abmeldungen von Jugendlichen gibt es auch in Nandlstadt aktuell noch nicht, doch Schinagl befürchtet, dass diese noch kommen werden.

Fazit: Es wird an den Vereinen selbst liegen, Kinder und Jugendliche zu binden, attraktiv zu bleiben. In welcher Form? Da gibt es viele Wege.

(Matthias Spanrad)

Aufrufe: 025.2.2021, 08:33 Uhr
Freisinger Tagblatt / Matthias SpanradAutor

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