Michael Steppan ist der Meinung, dass die Tage eines Fußballers begrenzt sind. Doch er fühlt sich noch lange nicht über seinem Zenit.
Michael Steppan ist der Meinung, dass die Tage eines Fußballers begrenzt sind. Doch er fühlt sich noch lange nicht über seinem Zenit. – Foto: Stefan Rossmann

TSV Ebersberg: Kapitän Michael Steppan wechselt in die Landesliga 

Eber verlieren ihren Leitwolf an Ampfing

Der TSV Ebersberg muss sich von seinem Kapitän Michael Steppan verabschieden. Der 29-jährige wechselt nach vier Jahren beim TSV in die Landesliga zum TSV Ampfing.

Ebersberg – Die Saisonvorbereitung ist noch ein gutes Stück entfernt. Einmal die Woche lässt man bis dahin zusammen entspannt die Kugel rollen, um wieder Ballgefühl zu entwickeln. Doch der Neuanfang in der Kreisliga wirft bei den Fußballherren des TSV Ebersberg bereits seine Schatten voraus. Beim jüngsten Zusammentreffen stellte Kapitän Michael Steppan zwei Bierkästen als Geste des Abschieds und der Dankbarkeit in die Runde.

„Ich fühle mich momentan zu fit. Ich bin noch lange nicht über meinen Zenit.“

Michael Steppan auf die Frage, wieso er in die Landesliga wechselt

Vier Jahre lang führte der 29-jährige Grafinger die Eber in der Bezirksliga als „extrem beständiger und zuverlässiger“ Leitwolf, als Dreh- und Angelpunkt im zentralen Mittelfeld an, wie der Sportliche Leiter, Zeljko Prelcec, anmerkt. Dass er in seinen insgesamt fünf TSV-Jahren nur ein einziges Pflichtspiel verpasst habe, ist für Steppan selbst „ein persönlicher Erfolg, der zeigt, dass ich immer alles für den Verein gegeben habe“. Den Weg in die Kreisliga könne er nun aber nicht mehr mitgehen. „Ich fühle mich momentan zu fit. Die Tage eines Fußballers sind begrenzt, und ich bin noch lange nicht über meinen Zenit.“

Viele verlockende Offerten habe Steppan in den letzten Jahren ausgeschlagen, weil der teaminterne Zusammenhalt in Ebersberg konkurrenzlos war. Nur ist bei einem Kicker, der bereits in der Beletage des Amateurfußballs angekommen war, weiterhin auch sportlicher Ehrgeiz Triebfeder.

Wiedervereinigung mit Ex-Trainer Baumgärtner beim TSV Ampfing

Bei den Markt Schwabener Falken empfahl er sich einst in der Landesliga für die Regionalligatruppe des SV Heimstetten. Fußnote: Mit beiden Klubs stieg Steppan auch einmal ab. Ehe 2016 sein Wechsel in die Kreisstadt folgte, wurde Steppan in seiner letzten Bayernligasaison mit dem SVH von Heiko Baumgärtner trainiert, der später bekanntlich ebenfalls in Ebersberg seine sportliche wie auch private Heimat fand. Inzwischen ist Baumgärtner Cheftrainer bei Landesligist TSV Ampfing und ab sofort mit Steppan auf dem Platz wieder vereint. Gemeinsam mit Ex-Eber Torhüter Marinus Pohl, der Buchbach ohne Regionalliga-Einsatz ebenfalls nach Ampfing verlässt, könne man sogar eine Fahrgemeinschaft bilden.

„Ich habe nochmal richtig Bock auf eine sportliche Herausforderung und in Ampfing einen Top-Eindruck von der Anlage, der Vision und dem Management bekommen“, bedauert Steppan indes die sportlich widrigen Umstände seines Abschieds aus Ebersberg. „Ich habe aber schon vor Tagen eigentlich mit allen Spielern persönlich gesprochen. Alle haben sehr cool reagiert. Ein freundschaftliches Ende einer tollen Zusammenarbeit.“

Gleichzeitig mit dem langjährigen Capitano verlässt auch Angreifer Viktor Bogatov, 31, die Eber nach nur vier Einsätzen wieder. „Viktor kam im Winter 2020 zusammen mit Trainer Tom Wolff zu uns“, erklärt Zeljko Prelcec, dass die beiden künftig bei A-Klassist ASV Happing als (Spieler-)Trainer-Gespann weitermachen werden. „Schade, dass uns zwei so erfahrene Spieler verlassen, die den Jungen jetzt hätten helfen können“, findet Prelcec, nur um gleichzeitig seinen eigenen Rückzug anzukündigen: „Durch Corona und meine berufliche Situation will ich kürzertreten und das Amt des Sportlichen Leiters abgeben.“

Für den TSV Ebersberg hagelt es zur neuen Saison vier personelle Verluste

Michael Steppan, Viktor Bogatov, Zeljko Prelcec, dazu der langjährige Teambetreuer Thomas Kräuter – vier personelle Verluste, die Ebersbergs Coach Timi Tepedelen vergangene Woche bereits eingepreist haben dürfte, als er im Rahmen seiner Vertragsverlängerung von einem „Restart für die Zukunft“ sprach. Wie sein Kader final aussieht, und wer dann die Führungszügel auf dem Feld in die Hand nimmt, „wird sich erst in der Vorbereitung herauskristallisieren“. Tepedelen hält nichts von Stammplatzgarantien, sagt aber in Bezug auf sein künftiges Grundgerüst: „Die Karten werden permanent neu gemischt, aber zunächst sind schon die Älteren wie Maxi Volk oder Michi Pohn gefragt, Verantwortung zu übernehmen.“

Die durch Steppans Wechsel vakant gewordene Position des Assistenztrainers will Tepedelen indes nicht nachbesetzen. „Ich habe noch nie einen Co-Trainer gehabt und bin überzeugt, dass man den bis zur Bayernliga auch nicht braucht.“ Dass durch die Abgänge von Steppan und Bogatov auch viel Führungs- und Offensivqualität verloren geht, ändert nichts an Tepedelens Überzeugung, wonach der sofortige Wiederaufstieg keinesfalls ein Muss für die Eber ist. „Gegen Ebersberg werden sich doch gerade die Landkreisteams den Ar… aufreißen. Wenn bei uns aber die Infrastruktur, Spaß, Wille und Ehrgeiz bei den Spielern passt, dann ist der Aufstieg ein Selbstläufer. Es liegt nur an den Jungs und ich kann ihnen nur Tipps mitgeben.“ Ein gewichtiges Wort im Aufstiegsrennen mitzusprechen, traut Michael Steppan den Ebern in jedem Fall zu: „Die Verantwortlichen haben in der Konstellation mit Timi die richtige Bindung zur Jugend hergestellt. Das kann funktionieren. Als Kreisstadt sollte man schon das Ziel haben, sich mit Forstinning und Baldham auf Augenhöhe zu duellieren.“

(JULIAN BETZL)

Aufrufe: 04.6.2021, 05:49 Uhr
Julian BetzlAutor

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