Der FC Erding würde bei einem Saisonabbruch absteigen.
Der FC Erding würde bei einem Saisonabbruch absteigen. – Foto: Christian Riedel

Erding: Lob für Vorgehensweise des BFV - Glaube an Saisonabbruch

Nach Vier-Punkte-Plan

Der BFV nennt erstmals ein Ultimatum für einen Saisonabbruch. Die Verantwortlichen im Kreis Erding loben die Vorgehensweise, befürchten aber einen Saisonabbruch.

Erding – Wenn der „nahezu uneingeschränkte Trainingsbetrieb“ nicht spätestens ab 3. Mai möglich ist, wird die Punktrunde wohl vorzeitig abgebrochen. Erstmals hat der Bayerische Fußball-Verbandes (BFV) ein konkretes Datum in Verbindung mit einem Saisonabbruch genannt. Auf noch dünneren Füßen steht der Ligapokal. Der BFV hält die Durchführung dieses Wettbewerbs für nicht mehr möglich, „sollte ab dem 19. April kein flächendeckender Trainingsbetrieb mit Kontakt in Bayern möglich sein“.

Dies steht in einer Pressemitteilung des BFV. Demnach habe der Vorstand am Dienstagabend in einer Videokonferenz einen Vier-Punkte-Plan verabschiedet, wie er mit der Saison umgehen will. So soll bei verspätetem Trainingsbeginn der Ligapokal auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene gestrichen werden. Diese Regelung gelte nicht für die Regionalliga, hier werde noch eine gesonderte Entscheidung getroffen, heißt es in der BFV-Mitteilung.

Bezüglich der Punktrunde will der BFV nicht allein entscheiden. Sollte am 3. Mai noch kein Trainingsbetrieb möglich sein, „muss über einen Abbruch der Verbandsspielrunden entschieden werden. Hierzu werden alle Vereine vor der Entscheidung des Verbandsvorstands durch Einholung eines Meinungsbilds mit einbezogen“, schreibt der BFV. Für den Fall des Abbruchs gelte für Auf- und Abstieg die Quotienten-Regelung – „unter Wegfall der Relegationsspiele“.

Weitere Punkte des Vier-Stufen-Plans: Spielbetrieb unter der Voraussetzung negativer Corona-Tests hält der BFV „in der Fläche für nicht durchführbar“. Der Toto-Pokal soll noch nicht verändert werden.

Lob aus Wartenberg und Hohenpolding

„Ich find’s gut, dass Deadlines gesetzt wurden“, sagt Hohenpoldings Spielertrainer Thomas Bachmaier. „Dann weiß man wenigstens, wie und wann es weitergeht oder eben nicht.“ Notfalls müsse eben abgebrochen werden. „Hauptsache, wir können eine relativ normale Saison 21/22 spielen.“ Auch Ernst Halir, Fußballchef des TSV Wartenberg, begrüßt, „dass jetzt mal eine Aussage kommt, die in jedem Verein sicher schon diskutiert wurde. Der Liga-Pokal ist sicher eine gute Sache, aber diesen mit Hängen und Würgen durchzuziehen, geht nicht. Wichtiger sind die Punktspiele.“ Halir hofft, „dass wir die Liga zu Ende spielen“. Voraussetzung dafür sei eine vierwöchige Vorbereitungszeit. „Wenn das nicht der Fall sein sollte, beziehungsweise die Inzidenzwerte weiter steigen, wird’s wohl nicht möglich sein, die Saison zu Ende zu spielen.“

Skeptische Kletthamer und Forsterner

Thomas Greckl, 2. Abteilungsleiter von Rot-Weiß Klettham, hält den Ligapokal für nicht mehr relevant: „Er wäre eine super Alternative gewesen, um freie Wochenenden zu füllen. Aber es sieht ja ganz stark danach aus, als wären keine freien Wochenenden bis zum 30. Juni zur Verfügung. Daher verstehe ich nicht, warum man daran überhaupt noch festhält.“ Auch Greckl plädiert für ein Minimum von vier Wochen uneingeschränkten Trainingsbetrieb, um überhaupt nochmal in diese Saison zu starten. „Und dann würde die sportliche Beendigung der Saison auch nur mit Spielen unter der Woche möglich sein. Mittlerweile haben wir im Verein eher die Meinung, dass ein endgültiger Abbruch das Sinnvollste ist. Aber wir nehmen es, wie es kommt.“

Auch Albert Bowinzki. Pressesprecher des FC Forstern, plädiert für einen Schlussstrich. „Es ist ja nett, dass es diesen Vier-Stufen-Plan gibt. Aber wir sind derzeit so weit davon weg, überhaupt den Platz ohne Strafe betreten zu dürfen. Deshalb sehe ich nullkommanull Chance für diese Saison. Und ganz ehrlich: Ob wir das eine oder andere Spiel noch machen, dadurch wird diese Saison auch nicht mehr repräsentativer.“ Er habe die Hoffnung schlichtweg aufgegeben, gesteht Bowinzki. Umso mehr freue er sich „auf eine vernünftige Vorbereitung auf die Saison 2021/22“.

TG und FC Erding rechnen mit Abstieg

Für den FC Erding würde ein vorzeitiges Saisonende den Abstieg in die Kreisklasse bedeuten. Dennoch hält Ralf Sandner das Vorgehen des BFV für richtig. „Drei Wochen Vorbereitung brauchst du als Amateursportler, um die Saison möglich verletzungsfrei zu überstehen.“ Ein Re-Start um Pfingsten wäre noch möglich. „Danach macht es keinen Sinn mehr. Dann muss man aber auch sagen: Der BFV hat wirklich alles probiert, aber einfach keine Chance gehabt.“

Benji Tas, Spielertrainer des FC Türkgücü, klingt frustriert. „Wie können wir noch über Fußball reden, wenn Frau Merkel mit einem Mega-Lockdown droht? Jeder ist sich doch bewusst, dass wir nun nichts zu sagen haben und abwarten sollten.“ Für sein Team sei es schade, „dass der Ligapokal im A... ist“. Schließlich galt dieser Wettbewerb als letzter Strohhalm für den abstiegsbedrohten Kreisklassisten. „Aber die Hauptsache ist doch, dass wir irgendwann wieder Sport treiben können.“

Der FC Eitting, so sagt sein Vorsitzender Fred Neudecker, hätte kein Problem, „wenn wir auf den Ligapokal verzichten müssten“. Eine Punktrunde mit Wochenspieltagen hält er aber für durchführbar. „Ein Abbruch wäre sehr schade, aber wenn keine Spielfreigabe erfolgt bleibt ja fast nichts anderes mehr übrig.“

Bezirksligisten sind nicht überrascht

Für Berni Schöberl (TSV Dorfen) kamen beide Ultimaten nicht überraschend: „Der Zeitplan bleibt trotz allem sehr eng, und es darf auch nichts mehr passieren. Da bin ich gespannt, wie das funktioniert mit den unterschiedlichen Infektionsgeschehen in den Landkreisen. Ein Spiel unter Woche zum Beispiel in Teisendorf würde für uns sehr sportlich werden.“

Robert Hartmann (FC Finsing) hatte die Marschroute des BFV so erwartet. „Der Amateursport ist abhängig von den Entscheidungen in der Politik. Auch wenn es uns nicht gefällt, müssen wir den Vorgaben folgen.“ In Finsing könne man die Zwangspause wenigstens sinnvoll nutzen. „Die Eigenleistung der Mitglieder an dem Projekt der neuen Tribüne ist jetzt schon doppelt so hoch, wie ursprünglich geplant.“

(Dieter Priglmeir)

324 Aufrufe31.3.2021, 08:00 Uhr
Erdinger Anzeiger / Dieter PriglmeirAutor

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