Trainer und Spielmacher in Personalunion: "Deandorfs" Christian Eder (li.).
Trainer und Spielmacher in Personalunion: "Deandorfs" Christian Eder (li.). – Foto: Robert Geisler

Eder? Kennt in Oberdiendorf jeder - oder: Immer ganz vorne mit dabei

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Fußball ist ihr Leben! Die Helden der Kreisklasse sind selten im Fokus, aber ohne sie wäre der der Sport mit dem runden Leder nur halb so liebenswert. Die dritte Halbzeit nach dem Spiel ist dabei mindestens so wichtig wie die 90 Minuten davor. Heute widmen wir uns Christian Eder vom TSV-DJK Oberdiendorf.

Was macht die Unendlich-Pause mit mir? Bei der Frage muss Christian Eder kurz überlegen und Luft holen. "Meine Frau und ich haben grad die Planung für den Hausbau abgeschlossen, im Sommer geht`s los. Unter dem Aspekt betrachtet, ist es gar nicht so schlecht, im Moment ungewöhnlich viel Zeit zu haben." Aber andererseits: "Ich bin ein Fußballnarrischer. Die Situation nervt mich tierisch. Man verliert sich aus den Augen. Aber vor allem will ich endlich einmal wieder auf einen Ball draufhauen", fleht er förmlich den Fußballgott an. Dieser möge doch endlich ein Einsehen haben mit seinen kickenden Jüngern und diesem vermaledeiten Virustreiben ein Ende setzen. So einfach wenn`s wäre.


Quälende Zeit: Ein Jahr Pause nach Knie-OP - und dann kam Corona.


Für Christian Eder kam Corona zu einer Unzeit. Just als er richtig ins Trainergeschäft eingestiegen ist, ging dem Amateurfußball die Luft aus. Und ausgerechnet zu der Zeit als, als er nach langer Verletzungspause wieder in Schwung kam. "Ich habe schon seit meiner Jugendzeit Probleme mit der Patellasehne. Nach langem Hin und Her wurde dann diagnostiziert, dass die Sehne arg in Mitleidenschaft gezogen und halb abgerissen war. Ich musste mich in Regensburg operieren lassen und konnte fast ein Jahr lang nicht mehr spielen", erzählt der 30-Jährige. Seit Jahren gibt er den Antreiber im Mittelfeld der "Deandorfer": "Am wohlsten fühle ich mich im defensiven Mittelfeld oder auf der 10. Ausgestattet mit viel Offensivdrang, würde ich mich als kleinen Leon Goretzka-Verschnitt bezeichnen", schmunzelt er.

– Foto: Bernhard Enzesberger


Im Oktober 2019 übernahm der Leistungsträger den Posten des scheidenden Coaches Reinhard Völdl im Hauzenberger Ortsteil. "Jetzt bin ich seit eineinhalb Jahren Trainer und habe eine handvoll Spiele vorzuweisen. Ein idealer Einstieg sieht natürlich anders aus", merkt er süffisant an. Die Konstellation ist ohnehin ein wenig heikel. Plötzlich ist er nicht mehr nur Kumpel und Mitspieler. Langjährige Teamkollegen muss er nun maßregeln. Kommt das so gut an? "Eine Umstellung war`s auf alle Fälle. Manche muss ich jetzt auch mal strenger anpacken. Aber ich bin ja ein Alteingesessener in Oberdiendorf. Ich glaube schon, dass ich das Standing im Verein und bei der Mannschaft habe, um als Autorität durchzugehen. Zudem war ich jahrelang Kapitän und hatte da schon ein Führungsrolle inne." Als Trainer würde er sich als eine Mischung aus Motivator und Taktiker beschreiben: "Ich war selbst immer jemand, der vor dem Spiel gepusht werden wollte. Deshalb versuche ich schon, mit immer neuen, kleinen Maßnahmen die Jungs vor den Partien geil zu machen", grinst er.


Oberdiendorf: Der Eder-Clan ist groß...


"Deandorf" und Eder, das gehört zusammen wie Granit und Hauzenberg. "Alles in Eder-Hand, das kann man durchaus so sehen", muss er lachen. Sein Bruder Andreas steht mit ihm auf dem Platz, genauso wie vor wenigen Jahren noch die Cousins Michael, gennant "Mitsch", der ebenfalls schon als Coach fungierte, und dessen Bruder Christoph. Der musste allerdings verletzungsbedingt seine Laufbahn beenden. Papa Franz, einst Spieler in Oberdiendorf als der Verein Anfang der 1990er Jahre seine Hochphase in der Bezirsksoberliga verlebte, nahm ihn einst mit. "Sobald ich laufen konnte, wurde ich nach Oberdiendorf auf den Fußballplatz gebracht. Ich kann mich noch gut an legendäre Hallenturniere oder Busfahrten erinnern", schwelgt er in längst vergangenen Zeiten.

Mit dem Verein ist er also seit jeher fest verbandelt. Nur zu Jugendzeiten, in Ermangelung einer eigenen "Deandorfer" Mannschaft, suchte er die Herausforderung kurz anderswo. In Hauzenberg und Büchlberg schaute er sich um und kam dann mit Eintritt in den Seniorenbereich zu dem Entschluss: In "Deandorf" ist es doch am schönsten. Gut ein Jahrzehnt später hat sich an der Einstellung nichts geändert. "Da hätte schon eine Hammermannschaft kommen müssen, damit ich Deandorf verlasse. Der Verein stand für mich in meinen Planungen immer an erster Stelle und wird es immer stehen." Das soll aber freilich nicht heißen, dass er sich eines fernen Tages nicht vorstellen könnte, eine andere Mannschaft zu trainieren. "Da bin ich durchaus offen. Ausschließen tue ich nichts."

Schon ein wenig her: Christian Eder (re.) im Jahr 2014.
Schon ein wenig her: Christian Eder (re.) im Jahr 2014. – Foto: Robert Geisler


Bis dahin wird er aber noch eine Weile in "Deandorf" den Ton angeben. Apropos, bei der Musik dabei ist er auch in anderer Hinsicht. "Wenn ein Festl oder eine Party steigt, da bin ich immer ganz vorne mit dabei. Ich bin ein äußerst geselliger Mensch", lacht er und gibt eine weitere Leidenschaft preis: "Ich bin nicht nur fußballnarrisch, ich bin auch faschingsnarrisch." Auf und neben dem Platz. Christian Eder kennt in Oberdiendorf wirklich jeder.


1609 Aufrufe9.4.2021, 07:00 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor

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