„Die kannst du nicht halten“: Lars und Sven Bender im Kreisklasse-Einsatz für den TSV Brannenburg.
„Die kannst du nicht halten“: Lars und Sven Bender im Kreisklasse-Einsatz für den TSV Brannenburg. – Foto: screenshot

TSV Brannenburg: Sven Bender tröstet Gegner ASV Flintsbach nach Sieg mit einem Kasten Bier

Das Comeback der Bender-Zwillinge freut auch die Gegner

Das Comeback der Bender-Zwillinge in der Kreisklasse freut auch den Gegner. Die Brüder sind Zugpferde in Brannenburg und möchten die Jugendarbeit ankurbeln.

Brannenburg – Statt bis zu 80 000 Fans in Dortmund waren es letztlich nur knapp 500 Zuschauer, die das Sensations-Comeback von Sven und Lars Bender am Fuße des Wendelsteins verfolgten. Den beiden ehemaligen Nationalspielern war’s egal. Ihnen bereitete es sichtlich Freude, wieder für ihren Heimatverein und vor allem zusammen mit ihren Freunden Fußball zu spielen.

Die Zwillinge sind zurück – für den TSV Brannenburg ist damit ein Traum Wirklichkeit geworden. Für den Sportlichen Leiter Marc Wolf war’s zunächst „schon ein bisschen surreal, wobei es für Brannenburg irgendwie normal war, dass die beiden irgendwann zurückkommen“. Der langjährige Abteilungsleiter Jörg Beller sei im Hintergrund stark involviert gewesen und so habe sich das alles entwickelt. „Dann haben wir Gespräche geführt und sie haben ihre Meinung eingebracht. Und dann habe ich es auch geglaubt“, sagt Wolf.

„Das ist schon ein komisches Gefühl. Sie wollen aber auch, dass man ihnen von außen hilft.“

Brannenburgs Trainer Hans Nietzold über das Coaching der Bender-Zwillinge.

Der frühere Coach bekennt, dass er „sich im Vorfeld immer wieder die Spielberechtigungsliste im Verband aufgemacht und angeschaut“ hat, als sich mitten unter den vielen Brannenburger Spielernamen auch die von Lars und Sven Bender einreihten. „Wir hatten ja nur die Abmeldung gebraucht, der Bayerische Fußball-Verband hat dann nach fünf Tagen die Freigabe mitgeteilt. Und so war alles bereitet, dass die beiden Olympia-Silbermedaillengewinner gut zwei Monate nach dem Ende ihrer Profi-Laufbahn bei Bayer 04 Leverkusen* im Inntal-Derby aufliefen – mit den Rückennummern 7 (Sven) und 8 (Lars), die sie schon in der E-Jugend beim TSV Brannenburg getragen haben.

„Es war natürlich anders als sonst“, bekennt Brannenburgs Trainer Hans Nietzold, „wir hatten ja eine völlig andere Gewichtung in der Mannschaft als in den Vorbereitungsspielen“. Auch bei ihm selbst sei die Vorfreude „riesengroß“ gewesen: „So etwas erlebt man ja auch nicht jeden Tag.“ Und so kommt Nietzold erstmals in den einzigartigen Genuss, zwei ehemalige Nationalspieler anzuweisen. „Das ist schon ein komisches Gefühl“, sagt er, „sie wollen aber auch, dass man ihnen von außen hilft“. Dem Trainer hilft dabei, „dass die beiden so bodenständig geblieben sind. Das Eis war schnell gebrochen und sie geben einem ein gutes Gefühl.“

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TSV Brannenburg: Bender-Zwillinge „wollen etwas zurückgeben, und das ist überragend“

Das erhofft sich Nietzold auch für den Rest des Teams. Der Auftakt ließ sich mit dem 5:2-Erfolg schon einmal gut an, auch wenn es noch kein Tor von Lars und Sven Bender gab. „Wichtig ist aber, dass sich die Jungs nicht nur auf die beiden verlassen, sondern noch mehr tun. Dann können alle Spieler, vor allem aber die vielen jungen Akteure, von ihnen profitieren.“

Darum geht es dem Verein und auch den beiden Ex-Profis. „Wir haben in den letzten Monaten viele junge Spieler aktivieren können“, sagt Sportlicher Leiter Wolf, nun wollen sich die Benders aktiv an der Nachwuchsarbeit beteiligen. „Da erhoffen wir uns schon einen Effekt“, so Wolf. Die beiden Rückkehrer sollen und wollen bei Jugendtrainings aktiv mitwirken. „Wenn man sieht, wie sie sich jetzt schon einbringen, dann kann das für den Verein eine Riesensache werden.“ Wolf erwähnt einen Arbeitseinsatz, „den es ohne die beiden nie mit so einer Personenzahl gegeben hätte“. Es sei bei Weitem nicht so, dass Lars und Sven Bender nur kommen, um mit ihren Spezln zu kicken: „Sie wollen etwas zurückgeben, und das ist überragend!“

TSV Brannenburg: Sven Bender spendiert ASV Flintbach nach Sieg zum Trost eine Kiste Bier

Da ist dann auch der Derby-Gegner nicht böse. „Wir waren anfangs schon ein bisschen schockiert“, gibt Flintsbachs Coach Sven Thriene zu, „das sind zwei ehemalige Nationalspieler, beide noch dazu topfit“. Man habe versucht, beim Spielaufbau „immer einen Mann dran“ zu haben, was aber nicht funktionierte. „Die kannst du nicht halten“, bilanzierte er, „die stehen halt immer richtig, spielen dann den genauen Pass oder wissen, wo der Ball hinkommt“. Thriene bewundert aber auch die Bodenständigkeit: „Sven hat uns nach dem Spiel einen Kasten Bier in die Kabine gestellt, ich habe mich dann noch lange mit ihm unterhalten. Das sind Top-Jungs, und es ist ein Wahnsinn, dass sie in unserer Liga auflaufen.“

Er hofft aber, dass der Auftritt im Derby nicht der einzige ist: „Die müssen immer spielen. Das wäre für die Liga super und natürlich auch fair uns gegenüber.“ Auch Brannenburg hofft, dass die beiden Sympathieträger und Zugpferde häufig auflaufen: „Das ist schon unser Plan, hängt aber von der Gesundheit ab. Wir haben schon im Hinterkopf, dass sie ihre Karriere aus Verletzungsgründen beendet haben“, sagt Wolf. Er glaubt aber an weitere Spiele der Benders im Brannenburger Dress, denn: „Sie haben einfach Spaß daran, mit den Jungs zu spielen.“ (THOMAS NEUMEIER)

Aufrufe: 05.8.2021, 06:03 Uhr
Thomas NeumeierAutor

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