
1860 München ist mit zwei Kantersiegen gegen Amateurclubs in die Vorbereitung gestartet, Trainer Patrick Glöckner hätte keine Bauchschmerzen, sollte kein weiterer Transfer folgen.
Erschöpft sah Weyarns Trainer aus, als er sich neben Patrick Glöckner auf einer Bank niederließ. Improvisierte PK am Sportheim, die Sonne knallte vom Himmel, und man sah Michael Hub an, dass es nicht nur für seine Feierabend-Kicker heftig war. 15 Gegentore sind eine Menge Holz, auch wenn der Gegner sechs Klassen höher spielt, aber immerhin: Wenn‘s schon nicht zu einem Ehrentreffer gereicht hatte, so erntete Hub wenigstens einen Lacher. „Besonders zufrieden bin ich mit den ersten fünf Minuten“, sagte er: „Und mit den ersten fünfzehn der zweiten Halbzeit.“ In diesen Spielphasen, vor 2060 Zuschauern, hatte der Kreisklasse-Aufsteiger die Tormaschine des Drittligisten aufhalten können.
Trotzdem hatten am Ende fast alle Offensivspieler des TSV 1860 München Tore erzielt – und auch die meisten Neuen. Entsprechend zufrieden wirkte 1860-Coach Glöckner. „Meine Jungs haben es trotz der Temperaturen sehr gut umgesetzt“, sagte er. „Jeder hat schöne Spielfreude an den Tag gelegt.“ Wie schon am Vortag in Grafenau (10:0). Lachend fügte Glöckner hinzu: „Jeder kann zufrieden nach Hause gehen – außer vielleicht der Gegner.“
Ein Box-to-box-Player mit genau der Mentalität, auf die wir großen Wert legen.
1860-Coach Glöckner über Neuzugang Christiansen.
So ähnlich – zufriedener Löwen-Coach, hadernde Gegner – malen sich viele Fans auch die kommende Saison aus, in der in den Träumen am Ende der Aufstieg steht. So weit geht Glöckner noch nicht, zu gering sind die Erkenntnisse, die man aus Duellen mit einem Bezirksliga-Zwölften und einem Kreisklasse-Aufsteiger ziehen kann. Und trotzdem: „Auch heute konnte man unsere DNA sehen.“ Die Art und Weise, wie 1860 Fußball spielen will. Dreierkette hinten, Doppelspitze vorne, dazwischen ein lauffreudiges Mittelfeld mit dynamischen Schienenspielern.

Auch ein Verdienst der Neuzugänge. Kevin Volland & Florian Niederlechner: Beide hauen sich rein, allürenfrei – wo das Tor steht, wissen sie eh (je zwei Treffer). Dazu die Defensiv-Verstärkungen: Siemen Voet, die linke Säule der neuen Dreierkette, sucht auffällig das Zusammenspiel mit Manuel Pfeifer, der auf Außen für Dampf sorgt. Auch Neu-Sechser Max Christiansen deutete seine Klasse in Weyarn an. Glöckner: „Man hat gesehen, was er kann. Das Tor mit dem Lupfer macht er super. Ein Box-to-box-Player mit genau der Mentalität, auf die wir großen Wert legen.“
Erwähnt seien auch noch Torwart Thomas Dähne (nur in Grafenau eingesetzt), Justin Steinkötter (gute Tiefenläufe) und Kilian Jakob, der Pfeifer nicht kampflos das Feld überlassen wird. Jede Position ist doppelt besetzt, doppelt gut augenscheinlich, was die Frage aufwirft, ob es das schon war mit den Sommertransfers. „Der Wunsch ist jetzt erst mal, sich die Mannschaft gegen stärkere Gegner anzuschauen“, sagte Glöckner: „Dann kann man ja immer noch schauen, ob noch was auf dem Transfermarkt abfällt.“ Die tz weiß: Sportchef Christian Werner sondiert weiter den Markt. Druck von Glöckner bekommt er dabei nicht: „Ich hätte keine Bauchschmerzen, mit dem Kader, wie er jetzt ist, in die neue Saison zu gehen.“