Paul Agostino, Roman Tyce und Michi Hofmann (v.li.)
Paul Agostino, Roman Tyce und Michi Hofmann (v.li.)

Ex-Löwen-Trio über den TSV: Angst, aber Hoffnung

TSV 1860 München - In den 90er Jahren waren sie die Helden der blauen Fangemeinde. Paul Agostino, Roman Tyce und Michi Hofmann waren Eckpfeiler in einer Mannschaft, die im Jahr 2000 mit den Löwen den Sprung in die Champions League Qualifikation geschafft haben.

Viele Fans wünschen sich die drei Identifikationsfiguren in einer Funktion im Verein. Doch Agostino und Co. haben sich für einen anderen Weg entschieden. Gemeinsam haben sie das Munich Soccer Camp gegründet. Eine Fußballschule, mit der sie Kindern fernab vom Profibereich den Spaß am Fussball vermitteln wollen.

„Wir wollen die Kinder hier fordern und fördern“, verspricht Paul Agostino. Fussball Vorort hat die drei Ex-Profis bei einem Oster-Camp beim SV 1880 München besucht. Die Zeiten, in denen Kinder mit Löwen-Trikots über den Platz gerannt sind, sind schon länger vorbei. „Bei den Camps in München sieht man leider nur noch Kinder in Bayern-Trikots“, sagt Roman Tyce. Um ihren Ex-Verein machen sie sich die Urgesteine Sorgen, glauben aber fest an den Klassenerhalt.

Wie sehr glaubt ihr noch an den Klassenerhalt? Ihr habt als Spieler auch einen Abstieg mit 1860 miterleben müssen.

Tyce: Stimmt, aber bei uns war das damals ein bisschen anders. Wir standen in dieser Saison nie auf einem Abstiegsplatz. Damals hat keiner damit gerechnet, dass wir absteigen könnten. Die jetzige Mannschaft spielt seit dem ersten Spieltag an um den Klassenerhalt. Ich habe am Wochenende mit Michi das Spiel gegen Aue gesehen. Die Mannschaft hat gut gespielt. Mit der Leistung können die Fans zufrieden sein. Aber 1860 muss jetzt Punkte sammeln.

Agostino: Der eine oder andere hat zu Beginn der Saison das Wort Aufstieg in den Mund genommen. Der Kader wurde für höhere Aufgaben zusammen gestellt. Von der Qualität müsste 1860 in der oberen Tabellenhälfte mitspielen. Die Mannschaft hat gute Typen wie Gary Kagelmacher. Genau so einen brauchen die jetzt. Der Kader ist stark genug.

Hofmann: Der Kader ist gut genug, um drei Mannschaften in der Liga hinter den Löwen zu lassen.

Wie ist es für euch, von außen mitzuerleben, was im Verein derzeit los ist?

Agostino: Natürlich bekommt man einiges mit. Aber ich weiß noch als wir vor einigen hundert Jahren mal Profis waren, haben wir es nicht gerne gesehen, wenn ehemalige Spieler ihren Senf zur Lage gegeben haben. Ich glaube an die Mannschaft. Sie haben es noch selbst in der Hand. Wir glauben an den Klassenerhalt. Das ist für die Stadt München sehr wichtig, dass 1860 mindestens in der zweiten Liga spielt.

Wie sehr hängt ihr noch an dem Verein, für den ihr jahrelang gespielt habt?

Hofman: Klar haben wir noch eine Leidenschaft für 1860. Ich bin im Herzen ein Blauer. Unsere Gedanken sind immer bei diesem Verein. Aber wir verfolgen das ganze nur noch aus der Ferne. Im Moment ist wieder mal eine sehr schwierige Situation. Aber wir glauben an den Klassenerhalt. Dieser Glaube muss auch bei der Mannschaft da sein, nicht nur die Hoffnung.

Viele Löwenfans würden euch gerne in einer Funktionen im Verein sehen. Warum engagiert ihr euch jetzt im Kinder- und Freizeitfußball und nicht im Profibereich?

Agostino: (lacht) Ich würde viel zu risikoreich spielen lassen und wäre nach drei Spieltagen entlassen. Spaß beiseite: Das macht uns richtig Spaß mit den Kindern. Wir haben ein Trainerteam zusammen, das sich super versteht. Wir kennen uns seit 17 Jahren und sind immer noch glücklich verheiratet miteinander. Im Moment bin ich sehr glücklich. Alles andere ist Zukunftsmusik.

Tyce: Wir haben im Moment selbst genug zu tun. Wir bieten Camps und Fördertraining an. Es war immer unser Ziel, im Profibereich zu arbeiten. Aber jetzt sind wir seit längerer Zeit raus aus dem Profi-Geschäft. Wenn man sieht, was dort abläuft, muss ich ehrlich sagen, dass das für mich nichts ist. Dort werden Trainer geholt und wieder rausgeschmissen. Jetzt sind wir unsere eigenen Chefs, wer soll uns da rausschmeißen (lacht)? Jetzt können wir so trainieren, wie wir uns das vorstellen und unsere eigenen Ideen umsetzen.

Was würde ein Abstieg der Löwen für den Münchner Fußball bedeuten?

Hofmann: Wir wollen nicht über Abstieg sprechen. Die Löwen bleiben drin.

Munich Soccer Camp

Nicht alle Kinder schaffen es in die Leistungszentren der Bundesliga-Clubs. Paul Agostino und Co. wollen einen anderen Weg gehen: Sie bieten Fußball-Camps in den Ferien und ein gezieltes Fördertraining für Kinder an, die sich auf ihrem Niveau weiterentwickeln wollen. Die Fussball-Schule der Ex-Löwen finden Sie im Internet unter www.munichsoccercamp.de.

Das Video mit den drei Ex-Löwen seht ihr hier

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Aufrufe: 010.4.2015, 09:56 Uhr
Christoph SeidlAutor

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