Kampfbereit: Spielmacher-Kollege Kobylanski packte auch mal die Grätsche aus.
Kampfbereit: Spielmacher-Kollege Kobylanski packte auch mal die Grätsche aus. – Foto: Stefan Matzke

TSV 1860: Ein Duo für Köllners „Leader-Vakuum“? Holzhauser und Kobylanski zeigen gute Ansätze

Zehner überzeugen auf der Acht

Beim wichtigen Heimsieg gegen den FSV Zwickau wussten vor allem zwei Akteure von sich zu überzeugen: Raphael Holzhauser und Martin Kobylanski.

München – Aus Michael Köllner sprach eine Mischung aus Frust, Ungeduld und Lampenfieber. Hinter ihm lag das einwöchige Trainingslager in der Türkei, vor ihm der Liga-Neustart in Mannheim, und plötzlich sah der 1860-Coach dieses „Leader-Vakuum“ vor sich. So nannte er das Fehlen eines spielstarken Achters, als er am Flughafen von Antalya drauflos polterte.

Köllners Bestandsaufnahme am 10. Januar sah so aus: Martin Kobylanski ist nicht fit genug, Marius Wörl, 18, zu jung und Erik Tallig inzwischen auf dem Flügel zu Hause. Der Trainer wusste zwar, dass die Lösung seines Problems ganz nah war, doch an diesem Vormittag ließ er Dampf ab und klagte: „Uns fehlt auf der Achter-Position ein Qualitätsspieler!“

TSV 1860: Neuzugang Holzhauser und Kobylanski überzeugen auf der Achter-Position

Zwei Wochen und zwei Spiele später würde Köllner das nicht mehr behaupten, dem Transfer von Raphael Holzhauser sei Dank. Aus einem angeblichen Mangel ist ein Überfluss geworden. Köllners neue Rechnung geht so: 10 + 10 = Doppel-8. Weil zum vorhandenen Zehner Martin Kobylanski ein weiterer gelernter Spielmacher dazugekommen ist. Und weil beide gegen Zwickau andeuteten, dass sie Seite an Seite das von Köllner festgestellte Achter-Problem lösen könnten.

Holzhauser erzielte am Samstag ein Blitztor zur 1:0-Führung, Kobylanski stellte kurz vor der Pause auf 3:0. Zwei Kopfballtore, die überzeugte Kreativspieler nicht jeden Tag erzielen. Beide stellten ihr Ego zurück, kämpften im Verbund und widerlegten Kritiker, die nach der Uraufführung des Duos in Mannheim Skepsis geäußert hatten. Kobylanski legte beim Torjubel demonstrativ die Hand ans Ohr und sagte: „Ich glaube, die Antwort haben wir heute allen gegeben, dass es doch funktionieren kann.“

Lufthoheit: Neulöwe Holzhauser überragte so manchen FSV-Gegenspieler.
Lufthoheit: Neulöwe Holzhauser überragte so manchen FSV-Gegenspieler. – Foto: Sampics

Vorne Leader, hinter ihnen ein neues Vakuum, das der arme Tim Rieder zusprinten muss? So sollte es natürlich nicht laufen. Nachdem in Mannheim noch Sand im Getriebe der neuen Schaltzentrale war, sind sich Holzhauser und Kobylanski einig, dass sogar noch mehr möglich ist als das, was beide in der guten ersten Halbzeit gegen Zwickau gezeigt haben. „Es gibt viele Sachen, die besser werden müssen“, sagte Holzhauser selbstkritisch: „Es ist noch lange nicht alles gut. Aber heute waren nur die drei Punkte wichtig.“

Kobylanski über Kritik: „Was geschrieben wird, ist mir völlig egal“

Kobylanski, der sich die mediale Kritik mehr zu Herzen nahm als die seines Trainers („nicht 100 Prozent fit“), sagte: „Was geschrieben wird, ist mir völlig egal. Ich arbeite an mir. Der Trainer vertraut mir.“ Seinen Hand-am-Ohr-Jubel dürfe „jeder so interpretieren, wie er das möchte“. Kobylanski sah die Leistung gegen Zwickau noch etwas besser als sein neuer Partner. „Wir haben eine solide Partie abgeliefert und drei Punkte geholt“, sagte er: „Unser Anspruch ist es, zu Hause immer zu gewinnen.“

Auch Köllner wirkte am Ende hochzufrieden, dass offenbar funktionieren kann, was er bei seiner Wutrede einen Tag vor Abschluss der Holzhauser-Hängepartie am Trainer-Reißbrett skizziert hatte. Über den Auftritt seines neuen Leader-Duos sagte er: „Dass beide Achter heute Kopfballtore machen, hätte ich im Vorfeld nicht gedacht.“ So kann es weitergehen, findet Köllner – am besten schon am Montag, wenn in Dresden ein ungleich stärkerer Gegner im Grünwalder Stadion vorstellig wird.

„Das wird sicher ein tolles Spiel“, sagte Köllner. Derweil Holzhauser Angriffswirbel wie phasenweise gegen Zwickau in Aussicht stellte: „Wenn die Mannschaft Vertrauen hat, können wir auch richtig gut Fußball spielen.“ (Uli Kellner)

Aufrufe: 025.1.2023, 08:04 Uhr
Uli KellnerAutor