– Foto: Clemens Budde

Das war es mit dem Fußball

CORONA / Kreis Dillenburg: +++ Erste Trainerreaktionen auf die Aussetzung des Spielbetriebs bis zum 10. April +++

Dillenburg. Nun hat das Corona-Virus auch den Amateurfußball erwischt. Der Hessische Fußballverband hat am Donnerstag entschieden, alle Spieltermine für das kommende Wochenende abzusagen und die Saison bis zum 10. April ruhen zu lassen. Dem Virus soll eine weitere Ausbreitung so schwer wie möglich gemacht werden.

Die meisten Trainer der Verbands-, Gruppen- und Kreisoberligisten wurden am Donnerstag vom Spielverbot regelrecht überrascht, zum Beispiel Fabio Eidelwein, Coach des Verbandsligisten SSV Langenaubach. „Corona ist nicht wirklich ein Thema“, sagte er mit Blick auf den Trainingsalltag in den vergangenen Wochen. „Wir sind auch keine Experten, was dieses Thema betrifft. Wenn der Verband die Entscheidung trifft, die Saison ruhen zu lassen, dann müssen und können wir das respektieren.“ Er hoffte noch am frühen Donnerstagnachmittag, dass der Kelch eines Spiel- und Trainingsverbots am Amateurfußball vorbeigehen würde: „Vielleicht kommt ja alles noch anders.“ Ein Plan B für die kommenden vier Wochen muss vereinsintern erst entwickelt werden.

Im Gegensatz zu Fabio Eidelwein hatte Steffen Hardt, Trainer des Gruppenligisten SSC Burg, schon so einen Riecher: „Ich habe meinen Jungs am Mittwoch gesagt, dass es sein kann, dass uns eine längere Pause droht.“ Mit dieser Pause hätte er allerdings erst ab Montag gerechnet. Seine Reaktion: „Ich sehe das Aussetzen des Spielbetriebs als verständlich an. Wir nehmen es, wie es kommt.“ Für das Thema „Corona“ sei Hardt seit einiger Zeit schon an der Berufsschule in Dillenburg, an der er unterrichtet, sensibilisiert worden. Der Umgang mit der Situation sei an der Schule ein Thema. „Im Trainingsalltag hingegen gehen die Jungs mit der Sache gelassen um“, sagt er. Was die kommenden vier Wochen angeht, sagt Hardt: „Ich habe mich in dieser Woche schon einmal gefragt, wie es weitergehen könnte.“ Eine Antwort hatte er allerdings noch nicht parat.

Beim Gruppenligisten TSV Bicken ist das Thema Prävention schon längst auf dem Trainingsplatz angekommen. Trainer Florian Kissel berichtete: „Wir haben keine Angst, aber wir achten auf ein paar Dinge.“ So gebe es zur Begrüßung untereinander keinen Handschlag mehr, und im Vereinsheim stehe Desinfektionsmittel zur Verfügung. „Wir wollen alles tun, um die Verbreitung des Virus einzudämmen“, sagte er. Aber im Mittelpunkt stehe bei den meisten etwas anderes als Corona: „Hoffentlich fällt das Spiel nicht aus. Das ist die größte Sorge der Spieler“, sagte er wenige Stunden, bevor der HFV seine Entscheidung bekannt gab.

Zur Spielabsage hat Florian Kissel eine Meinung, die polarisiert, und das ist ihm bewusst: „Experten sagen, dass früher oder später sowieso 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung das Virus in sich tragen werden. Eine Absage der Spiele halte ich deswegen für übertrieben. Es ist ein Versuch, Zeit zu gewinnen, um Medikamente zu entwickeln. Wo ist der Unterschied zu einer Grippe? Die Leute, die sich an einem Samstagnachmittag auf einem Sportplatz wie in Bicken begegnet wären, begegnen sich doch vormittags beim Einkaufen im Supermarkt.“ Insofern trage das Fußballspielverbot gar nicht so viel dazu bei, das Verbreiten des Virus einzudämmen. Wie Kissel einen Samstag ohne Fußball verbringen wird, weiß er schon: Er wird etwas mit seiner Familie unternehmen.

Maik Six, Trainer des Gruppenligisten TSV Steinbach II, sieht ähnlich wie Kissel ein Pausieren der Saison maximal als Teil in einem größeren Mosaik an, und das müsse erst einmal gelegt werden. „Das öffentliche Leben geht doch in vielen anderen Bereichen weiter. Wir gehen doch auch weiterhin zur Arbeit“, wirft er ein. Und: Die Amateure pausieren, die Profis spielen – mal mit Zuschauern, mal ohne. „Mir fehlt da eine klare Linie, und das führt zu einer gewissen Verunsicherung“, sagt er. Für den Trainingsalltag blickt er auf die vergangenen Wochen zurück: „Grippe haben wir jedes Jahr, Covid-19 spitzt die Situation zu. Wir sollten vorsichtig sein und der Hygiene besondere Beachtung schenken, vor allem uns die Hände vernünftig waschen. In der Mannschaft nehmen wir das Thema ernst, wir verfallen aber nicht in Panik.“

„Ich weiß nicht, ob das ideal ist. In der Bundesliga stehen sich bei Geisterspielen auch 22 Mann gegenüber, und so viele Zuschauer haben wir im Lokalfußball ja nicht“, sagt Dominique Haas vom Kreisoberligisten TuSpo Beilstein. Die Tabellenachte hatte für sein nun abgesagtes Heimspiel am Samstag gegen Spitzenreiter SG Eschenburg einiges vor – unter anderem mit einer öffentlichen Pressekonferenz. „Wir hatten Mittwoch das Abschlusstraining, der Kader steht, die Taktik steht. Es wäre schön, wenn wir spielen könnten, aber wir haben mit einer Absage gerechnet“, teilte Haas schon vor der offiziellen HFV-Mitteilung mit. „Wir haben gute Kontakte nach Eschenburg und hätten ihnen den Weg zur Meisterschaft gerne schwergemacht“, so Haas, der vor der Absage plante, in der „Corona-Pause“ zweimal die Woche zu trainieren, „um die Spannung zu halten“.

Trainer Torsten Opitz von der SG Eschenburg gibt zu, dass das Corona-Virus am Dienstag im Training noch kein großes Thema gewesen ist. „Seit Donnerstagmittag ist es ein großes Thema, viele Spieler haben uns Trainer angeschrieben“, sagte Opitz. Auch er plante, den Trainingsbetrieb fortzuführen, nach der Herausgabe der Pressemittelung des HFV – in der auch zur Aussetzung des Trainings aufrief – wurde aber zumindest das Donnerstagtraining abgesagt, im Verein würde man nun ein weiteres Vorgehen besprechen. Was Opitz auch beschäftigt, ist die Frage, was passieren würde, wenn die Saison an Ostern nicht fortgeführt werden könne, eventuell sogar komplett abgebrochen werden würde und die Saison ohne Auf- oder Abstiegsentscheidungen beendet wäre. „Natürlich geht uns das durch den Kopf, das wäre ein völliges Horrorszenario für uns. Vier Jahre haben wir sportlich darauf hingearbeitet und dann kommt so ein Virus und zerstört die Arbeit eines Vereins. Das könnte auch eine größere Klagewelle nach sich ziehen, wenn der sportliche Wert der Saison gleich null wäre. Letztlich ist es aber höhere Gewalt und es geht um die Sicherheit auf der ganzen Welt und um Menschenleben. Klar wäre es sportlich aber eine sehr, sehr große Enttäuschung.“

Der SSV Dillenburg setzt mit dem Trainingsbetrieb zumindest teilweise aus, verrät Coach Peter Sichmann. Fußballerisch werde nicht gearbeitet, „aber wenn es wieder weitergeht, müssen die Jungs natürlich fit sein“. Die abstiegsbedrohten SSV-Kicker würden einen Trainingsplan erhalten, könnten sich alleine mit Läufen fit halten. „Ich werden aber zweimal in der Woche auch Läufe im Stadion anbieten. Eventuell laufen wir auch nach Sechshelden und zurück“, gibt Sichmann Einblicke. Kurz bevor die Saison fortgesetzt werde, würden die Dillenburger dann auch wieder in den regulären Spielbetrieb einsteigen.

Pal Gojanaj, Trainer des Kreisoberliga-Schlusslichts SSV Frohnhausen, gibt zu Protokoll: „In der Mannschaft ist das seit Dienstag ein Thema. Die Sache ist aber, dass wir nicht sehr viel darüber wissen und es schwierig ist, Entscheidungen zu treffen. Man muss aber auf die Behörden hören“. Der Oranier-Coach, der mit seinem Club noch den Klassenerhalt anpeilt, hoffe zwar, wisse aber nicht, ob er mit seinen Spielern in der Pause auch trainiere.

Erst am Nachmittag im Gespräch mit dieser Zeitung wurde Ufuk Benzerli, Trainer des SSV Sechshelden, von der Absage unterrichtet: „Ich war in einer Besprechung und kann nicht viel dazu sagen. Für den Donnerstagabend haben sich laut unserer App 20 oder 21 Mann für das Training angesagt. Wir werden uns besprechen müssen, wie wir fortfahren und ob wir weiter trainieren. In einer solchen Liga muss man ja fit bleiben. Aber klar ist auch: Die Gesundheit geht vor und der Fußball ist nur eine Nebensache.“



Aufrufe: 012.3.2020, 21:03 Uhr
Sven Jessen und Christian Pomoja (Dill-Post / DillAutor

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