2026-01-09T09:36:09.492Z

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Boris Feldmann zieht seine Konsequenzen aus der Entwicklung bei der TSG Schwabenheim.
Boris Feldmann zieht seine Konsequenzen aus der Entwicklung bei der TSG Schwabenheim. – Foto: Timo Babic/ TSG Schwabenheim

TSG Schwabenheim geht freiwillig in die C-Klasse

Trainer abgesprungen, Unruhe im Verein +++ »Tödlich für einen Mannschaftssport«

Schwabenheim. Neue Entwicklungen bei Fußballern der TSG Schwabenheim – und keine allzu erfreulichen: Trotz des knapp geschafften Klassenverbleibs in der B-Klasse Mainz-Bingen West werden die Schwabenheimer in der Saison 24/25 freiwillig in der C-Klasse starten. Im Interview klärt der Sportliche Leiter Boris Feldmann über die Hintergründe auf.

Dieser Text wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung und Wormser Zeitung.

Herr Feldmann, jetzt doch nur C-Klasse statt B-Klasse? Was genau hat Sie zu diesem schwerwiegenden Schritt bewegt?

Es ist extrem bitter, so eine Entscheidung zu treffen, nachdem wir in der abgelaufenen Saison wirklich alles für den Ligaverbleib investiert haben. Es war aber keine Einzelentscheidung. Wir haben uns mit der kompletten Mannschaft, dem Trainerteam und dem Vorstand zusammengesetzt und die Lage mit all ihren Vor- und Nachteilen besprochen. Wir mussten am Ende aber uns selbst gegenüber ehrlich sein, dass es qualitativ, aber vor allem auch quantitativ in der B-Klasse sehr eng werden würde – und damit vermutlich den letzten Spielern noch der Spaß vergeht.

Gab es denn wirklich keine Alternative?

Natürlich haben wir alle Optionen ausführlich besprochen. Eine gute Lösung gab es in unserer Situation nicht mehr. Somit haben wir die – aus unserer Sicht – sinnvollste Lösung gewählt.

Man hört, dass es auch auf der Trainerposition eine Veränderung gab – dabei wurden die neuen Coaches Daniel Küting und Patrick Langen doch erst Mitte April vorgestellt?

Nachdem wir am 28. Mai noch ein Probetraining für alle interessierten Spieler veranstaltet hatten, hat Daniel Küting mir via WhatsApp am 31. Mai mitgeteilt, dass er seine Zusage für die kommende Saison zurückziehen wird. Das war natürlich ein Schlag ins Gesicht – mehr möchte ich zu der Personalie aber auch nicht mehr sagen. Ich denke, die Aktion steht für sich. Patrick Langen steht zu seinem Wort und wird auf die Position des geplanten Spielertrainers rutschen. Erfreulicherweise konnten wir mit Jörg Medinger einen erfahrenen Mann an seine Seite gewinnen, der die vergangenen zwei Jahre schon Bestandteil des Trainerteams unserer „Zweiten“ war.

Stimmt es, dass auch Sie sich nächstes Jahr im Sommer von Ihrem Posten als Sportlicher Leiter zurückziehen werden – und was sind Ihre Beweggründe?

Ich habe am vergangenen Freitag auf der Mitgliederversammlung mitgeteilt, dass meine Amtszeit im Sommer 2025 enden wird und ich meinen Stuhl auch schon früher räumen würde, wenn es jemanden gibt, der den Posten übernehmen möchte. Darüber hinaus habe ich mich mit sofortiger Wirkung auch offiziell aus dem Kreis der Alten Herren zurückgezogen. Hier sind, insbesondere in den letzten Wochen – auch im Zuge unserer 100-Jahr-Feier – Sachen gelaufen und Äußerungen gefallen, die ich nicht akzeptiere und von denen ich mich distanzieren möchte. Ich kann mit Überzeugung sagen, dass ich die TSG immer mit Herzblut gelebt und mir den Hintern dafür aufgerissen habe. Wenn man aber in aller Regelmäßigkeit so oft hängengelassen wird und der negative Höhepunkt darin endet, dass ich per SMS persönlich beleidigt werde, dann ist das Maß mehr als voll und ich ziehe meine Konsequenzen daraus.

Eine zweite Mannschaft gibt es in Schwabenheim ja auch nicht mehr. Täuscht der Eindruck, dass es bei den TSG-Fußballern gerade ein Stück weit die Bachgasse runter geht?

Ich sehe nicht nur die TSG Schwabenheim in einer sehr angespannten Situation. Schaut man sich in ganz Rheinhessen die entstehenden oder bereits entstandenen Spielgemeinschaften im Jugend- oder Seniorenbereich an, wird einem mit Blick in die Zukunft schon etwas bange. Die Prioritäten haben sich extrem verschoben. Alles wird unverbindlicher und flexibler – was für einen Mannschaftssport tödlich ist. Wenn mich jemand fragt, wie der Amateurfußball in den unteren Klassen in zehn Jahren aussehen wird, traue ich mir keine Prognose zu. Aber ich ahne nichts Gutes…

Das Interview führte Michael Heinze



Aufrufe: 023.6.2024, 15:00 Uhr
Michael HeinzeAutor