
BODENHEIM. „Wir sind am Boden zerstört“, sagte Nauwid Amri, Trainer der TSG Pfeddersheim, am Morgen nach dem rheinhessischen Flutlicht-Derby am Freitagabend beim VfB Bodenheim. „Das 2:3 tut mehr weh als die hohen Niederlagen gegen Zeiskam und Dudenhofen“, befand der 33-Jährige, der nach dem Schlusspfiff tief gefrustet schnell in der Kabine verschwand. Dabei hätte sein Team in der ersten Halbzeit die bisher beste Saisonleistung abgeliefert. Seine Zufriedenheit hatte Amiri mehrmals lautstark mit „Überragend Rot“ bekundet. Was er nicht zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: das Spiel in Bodenheim war sein letztes als Trainer der TSG Pfeddersheim. Am Samstagabend sickerte das Traineraus bereits durch den Wormser Fußballkreis, am Sonntagvormittag bestätigte dann Manuel Wöllner, der Sportliche Leiter der TSG, die Entlassung Amiris.
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„Warum entlässt man einen Trainer?“, holte Wöllner auf Anfrage dieser Zeitung etwas aus. „Nauwid ist ein lieber Kerl und hat das Herz am richtigen Fleck, aber jetzt nach 14 Spieltagen musste einfach mal was passieren.“ Die bislang geholten 16 Punkte sind für die Ambitionen der TSG, die kurz- und mittelfristig zurück in die Oberliga möchte, trotz Viertelfinal-Einzug im Verbandspokal zu wenig. „Diese Entscheidung hat rein sportliche Gründe und wir trennen uns im Guten. Aber wir haben uns natürlich eine andere Ausbeute vorgestellt.“ Wöllner selbst leitet in der kommenden Woche das Training in Pfeddersheim und sagt: „Ich versuche jetzt erstmal, das Vertrauen der Spieler zu gewinnen, die voll hinter ihrem Trainer gestanden sind.“
Bis zum Verbandspokal-Spiel in Dudenhofen (30. Oktober) möchte Wöllner einen Amiri-Nachfolger finden. Erste Gespräche fanden bereits statt. Wie es mit Co-Trainer Frederik Tilger-Kuh weitergeht, der im Sommer mit Amiri zur TSG gekommen war, entscheidet sich am Montag. In Bodenheim sah Tilger-Kuhn wegen Meckerns die Rote Karte und ist für die kommenden zwei Spiele gesperrt.
Apropos Spiel in Bodenheim: Dort ließ sich die TSG nicht lumpen und brannte ein frühes Offensiv-Feuerwerk ab. Kapitän Fabio Schmidt brachte die Pfeddersheimer nach Ecke von Marcel Bormeth per Flachschuss in der fünften Minute in Führung. Rouven Amos erhöhte nach Querpass von Schmidt auf 2:0 (13.). Schmidt wiederum visierte den Pfosten an (20). „Keiner darf sich beschweren, wenn wir mit 4:0 in die Pause gehen“, betonte Amiri anschließend. Doch der stark in die Saison gestartete Landesliga-Aufsteiger wurde besser – und belohnte sich. Nach einer Ecke bot VfB-Kapitän Calvin Faßnacht dem Ball trefflich die Stirn – 1:2 (88). Der Schiedsrichter zeigte fünf Minuten Nachspielzeit an – was keiner im TSG-Lager wegen nur kurzer Unterbrechungen verstand. Die Partie wurde hitziger. Die TSG verteidigte mit Mann und Maus. In der vierten Minute der Nachspielzeit gelang Felix Kammerer mit seitlichem Hammer der 2:2-Ausgleich. Und wiederum Faßnacht war es, der nach einem Freistoß das Spielgerät flach ins Eck zum der 3:2-Siegtreffer drosch. In der siebten Minute der um zwei Zeigerumdrehungen verlängerten Nachspielzeit.
„Der Schiedsrichter begründete die Verlängerung mit dem Tor zum 2:2“, ärgerte sich Co-Trainer Tilger-Kuhn. Und beim Siegtreffer des vorausgegangenen Freistoßes sei der Ball noch gerollt, hätten er und Amiri auch auf Video gesehen. „In der ersten Halbzeit hatten wir das Spiel unter Kontrolle, hatten Chancen aufs 3:0 und 4:0. Damit ist das Spiel eigentlich entschieden“, befand er. „In der zweiten Halbzeit das erwartete Spiel, wir mussten tief stehen, um das 2:0 irgendwie ins Ziel zu bringen. Wir müssen uns fragen, wie wir das 2:1-Gegentor kriegen, weil keiner deckt. Dann wird das Spiel natürlich brutal hektisch.“ Und der Assistent räumte ein: „Wir verteidigen es halt auch nicht konsequent.“
Trainersuche schon gestartet
Rouven Sven Amos, der bei der TSG zwischen Dreier- und Fünferkette pendelte, resümierte: „Wir sind gut ins Spiel gekommen und haben es wieder nicht geschafft, den Sack zuzumachen. Was in der zweiten Halbzeit am Ende passiert, passt einfach zu unserer Situation, meinte der 26-Jährige. „Die Nachspielzeit war zu lang – aber daran ist es nicht gescheitert.“ Für Trainer Nauwid Amiri gilt das nicht. Diese auf dramatische Art zustande gekommene Pleite in Bodenheim, war für die TSG-Verantwortlichen die eine bittere Pleite zu viel.
TSG: Guth – Herchenhan, Öhler, Moncada – Haber, Yilma – Amos (87. Lischka), Schubach (80. Peprah), Bormeth (80. Rupcic), Schmidt – Biedermann (85. Maurer).