– Foto: Tobias Sellmaier

TSG Backnang - SG Sonnenhof: Es geht nicht nur um Punkte

Interview Die Vorfreude aufs Derby ist bei Marc Erdmann und Benedikt Röcker, den sportlichen Machern der Fußball-Oberligisten TSG Backnang und SG Sonnenhof Großaspach, riesengroß. Die schlecht gestarteten Hausherren wollen den favorisierten Gästen nur allzu gern ein Bein stellen.

18 Jahre ist’s her, seit die Fußballer der TSG Backnang und der SG Sonnenhof Großaspach in einer Klasse spielten. Der Verein aus den Etzwiesen stieg im Sommer 2004 aus der Verbandsliga ab, der Klub aus dem Fautenhau zwölf Monate später in die Oberliga auf. Danach kletterte Aspach hoch bis in die Dritte Liga, während Backnang doch einige Zeit brauchte, bis die TSG unter Trainer Markus Lang wieder einen Aufwärtstrend einläutete. Bei der SG folgten auf viele gute Jahre nun binnen 24 Monaten zwei Abstiege. Auch deshalb stehen sich die Nachbarn heute ab 18.30 Uhr im Etzwiesenstadion in der Oberliga gegenüber und kämpfen nach fast zwei Jahrzehnten Pause wieder um Derbypunkte. Unsere Zeitung sprach im Vorfeld mit Marc Erdmann und Benedikt Röcker, den sportlichen Machern der TSG Backnang und der SG Sonnenhof Großaspach, über den Start in die Runde, die Erwartungen für diese Saison und fürs Duell mit dem Lokalrivalen heute Abend.

Wie groß ist die Vorfreude auf das Derby? Oder ist es für beide Vereine gar einfach nur irgendein Oberliga-Spiel, in dem es um drei Punkte geht?

Benedikt Röcker: „Das ist sicher kein normales Spiel. Wer so eine Partie mal selbst gespielt und mitgemacht hat, der weiß, da geht’s nicht nur um drei Punkte.“
Marc Erdmann: „Dem kann ich mich nur anschließen. Beide Vereine sind nur drei Kilometer auseinander. Deshalb ist es für mich ein richtiges Derby. Bei Spielen gegen zum Beispiel Bissingen tu ich mich mit dem Begriff etwas schwer. Aber hier passt es und auf die Partie freuen nicht nur wir uns, sondern alle Fußballbegeisterten der Region. Zumal das letzte Punktspiel gegeneinander ja schon 18 Jahre her ist. Es ist einfach super, dass es jetzt wieder zustande kommt.“

Herr Erdmann, nach zwei Niederlagen zum Auftakt droht ein Fehlstart. Zumal es nun gegen Großaspach und dann zu den Stuttgarter Kickers geht.

Erdmann: „Dass es unser Auftaktprogramm in sich hat, wussten wir ja. Das sind alles Klubs, die am Ende wohl unter den ersten vier oder fünf sein werden. Von dem her war klar, dass es nicht einfach wird. Aber wir haben es in der Vergangenheit immer wieder geschafft, auch vermeintlich stärkeren Teams wehzutun. Vor allem zu Hause. Wichtig ist für uns, einfach mal ein Erfolgserlebnis einzufahren. Vielleicht hilft da so ein Derby, um das Ganze schnell in eine andere Richtung zu lenken, obwohl wir wissen, dass es eine sehr schwere Aufgabe wird.“

Großaspach ist dagegen optimal gestartet. Hilft so ein prestigeträchtiges Spiel, die Konzentration im Team hochzuhalten, oder kann der Schwung bei einer Niederlage gleich wieder weg sein?

Röcker: „Klar war der Saisonauftakt für uns sehr gut und diesen starken Anfang wollen wir nun auch möglichst bestätigen beziehungsweise weiter ausbauen. Dafür brauchen wir aber erneut einen guten Tag.“

Backnang hat gegen Göppingen die erste Halbzeit und in Reutlingen die erste halbe Stunde gut mitgehalten und dennoch verloren. Woran fehlt es?

Erdmann: „Wir dürfen nicht vergessen, dass uns wichtige Spieler verlassen haben, wir einen Umbruch bewältigen müssen. Dabei sind wir noch in einem Findungsprozess. Phasenweise schaffen wir es ja, gut mitzuspielen, gut zu stehen. Aber wir machen uns dann immer wieder das Leben selbst schwer. Diese Unkonzentriertheiten und taktischen Fehler müssen wir schleunigst abstellen, dann kann es auch schnell wieder in die andere Richtung gehen. Ich zweifle nicht an der Qualität der Mannschaft. Die ersten zwei Spiele entscheiden nicht über Auf- oder Abstieg. Zumal Göppingen, Großaspach und die Kickers andere Tabellenregionen anstreben als wir. Wir müssen unsere Punkte sicher gegen andere Teams holen. Klar ist aber trotzdem, dass wir das Derby für uns entscheiden wollen.“

Bei der SG läuft es dagegen erstaunlich gut. Haben Sie das selbst so erwartet?

Röcker: „Natürlich war es ein optimaler Start, über den wir alle sehr froh sind. Aber wir sollten uns davon auch nicht blenden lassen. Wenn wir ein bisschen zurückblicken, dann sehen wir eine sehr stotternde Vorbereitung inklusive der Pokalniederlage in Boll sowie vielen angeschlagenen Spielern. Da war sicher nicht alles optimal. Trotzdem macht unser Trainerteam einen klasse Job, hat aufs Pokalaus super reagiert. Auch die Mannschaft hat eine klasse Reaktion gezeigt. Das war unheimlich wichtig. Man sieht, dass wir an den richtigen Dingen arbeiten, und das wollen wir selbstverständlich nun in Backnang erneut beweisen.“

Legt die TSG personell eigentlich noch einmal nach?

Erdmann: „Wir haben Qualität im Kader und es kommen Verletzte zurück. Zum Beispiel Niklas Benkeser oder Niklas Kalafatis. Athanasios Coutroumpas war in Reutlingen schon wieder dabei. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir nichts mehr machen, völlig ausschließen will ich es aber nicht.“

In Großaspach wird aber noch einmal etwas passieren . . . ?

Röcker: „Es bleibt dabei, was gesagt wurde. Wir sind auf der Suche. Zumal – und da kann ich mich nur wiederholen – wir uns von dem Auftakt nicht blenden lassen dürfen. Die Jungs haben das überragend gemacht. Gerade in der Defensive, in der wir in Nöttingen komplett und gegen Bissingen bis zur Einwechslung von Volkan Celiktas eine Halbzeit erneut mit vier etatmäßigen Außenverteidigern gespielt haben. In der Innenverteidigung brauchen wir aber auf jeden Fall noch mehr Körperlichkeit und das haben wir weiterhin im Auge.“

In den vergangenen Jahren haben TSG und SG geräuschlos zusammengearbeitet. Junge Spieler wie Michl Bauer, Flavio Santoro oder Elias Rahn wurden von Aspach nach Backnang ausgeliehen, um Spielpraxis sammeln zu können. Kaum spielt man wieder in einer Klasse, gibt’s Stress wie bei Santoro. Unnötig oder nur gesunde Rivalität?

Erdmann: „Jeder weiß, dass ich Aspach gewünscht hätte, die Regionalliga zu halten. Schon weil ich die Arbeit von Leuten wie Benedikt Röcker oder Joannis Koukoutrigas schätze und wir in der Tat sehr gut zusammengearbeitet haben. Ich von meiner Seite aus kann jedenfalls nur Positives berichten. Aber jetzt ist die Situation so, wie sie ist, und klar ist auch, dass wir nun vielleicht das eine oder andere Mal denselben Spieler im Fokus haben. Aber dann ist das eben so und man muss damit sauber und weiterhin menschlich fair umgehen. So, wie wir das auch im Fall von Flavio Santoro nach anfänglichem Hin und Her hingekriegt haben. Ich denke übrigens, dass beide Seiten voneinander profitiert haben. Elias Rahn zum Beispiel kam vergangene Saison ohne Spielpraxis zu uns, hat bei uns viel gespielt, eine klasse Entwicklung genommen. Nun ist er als starker Oberliga-Spieler nach Aspach zurück und wird dort seinen Weg machen.“

Eine Partnerschaft ist die TSG nun aber nicht mit Aspach, sondern mit den Kickers eingegangen. Ärgert Sie das, Herr Röcker, oder geht das zwischen zwei Ligarivalen mit gerade mal drei Kilometern Abstand einfach nicht?

Röcker: „Es ist ja nicht die erste Kooperation zweier Vereine aus der Gegend. Wir zum Beispiel haben eine solche mit dem VfB Stuttgart. Über die sind wir sehr froh. Die funktioniert und bringt was. Es ist doch aber normal, dass jeder Verein zunächst mal nach sich schaut und das Beste rausholen will. Das war und wird immer so sein.“

Nun darf jeder mal was über den anderen sagen. Herr Erdmann, was zeichnet Aspach aus und wofür reicht es?

Erdmann: „Ich denke, dass die Mannschaft nach dem überraschenden Pokalaus eine sehr gute Reaktion gezeigt hat. Das beweist der Auftakt mit Siegen gegen zwei ambitionierte Vereine, die sicher ebenfalls eine gute Rolle spielen werden. Die Kaderzusammenstellung trägt erste Früchte. Die SG hat einen ausgezeichneten Trainer und mit Einzelspielern wie Manuel Konrad, Fabian Benko, Hakan Kutlu oder Dominik Salz auch viel Qualität. Ich erwarte viel von ihr.“

Herr Röcker, was prägt Backnang? Sie haben die TSG diese Saison gegen Göppingen ja schon selbst gesehen.

Röcker: „Wenn man sich die letzte Saison anschaut, dann ist es schon beachtlich, was Marc und seine Mitstreiter aufgebaut haben. Dafür muss man großen Respekt zollen. Dass ein Verein nach so einer tollen Runde dann die komplette Offensive verliert und das nicht eins zu eins zu ersetzen ist, ist irgendwo auch normal. Deshalb nehme ich die ersten zwei Spiele nicht als Maßstab. Ich habe Backnang gegen Göppingen gesehen und weiß um die Stärke. Das ist weiterhin ein unheimlicher Zusammenhalt, eine große Geschlossenheit und in der Offensive der eine oder andere Spieler wie Mert Tasdelen, der in der Oberliga ein Spiel auch allein entscheiden kann. Das Ziel von allen ist, die Klasse zu halten, und ich bin überzeugt, dass das gelingt. Auch dank der Attribute, die ich genannt habe.“

Nun geht’s heute direkt gegeneinander. Wer ist Favorit?

Erdmann: „Wie hat die BKZ geschrieben: der Tabellenletzte trifft auf den Spitzenreiter. Da ist doch schon alles klar. Nein, im Ernst, den Ausgang des Spiels einfach vom Tabellenstand abzulesen, das ist mir zu einfach. Die Tagesform spielt schon eine wichtige Rolle. Klar ist Großaspach eindeutig der Favorit. Es hat bei der Kaderzusammenstellung einfach mehr Möglichkeiten, da muss man sich nur die Einzelspieler ansehen. Dennoch werden wir beim Empfang sicher nicht gleich mit der weißen Fahne wedeln. Wir müssen unsere Stärken, die Benedikt vorhin trefflich beschrieben hat, auf den Platz bringen und sehen, was uns das dann am Ende der 90 Minuten bringt.“

Die SG Sonnenhof nimmt die Favoritenrolle ohne zu murren an?

Röcker: „Marc hat das mit den Einzelspielern und unserer fußballerischen Qualität gut beschrieben. Man darf aber nicht vergessen, dass sich gerade in den ersten zwei Partien auch junge Spieler, die wir in der eigenen Jugend ausgebildet haben, ins Rampenlicht gespielt haben. Zum Beispiel die 18-jährigen Nico Engel und Niklas Mohr, die eigentlich noch A-Jugend spielen dürfen. Diesen Weg wollen und werden wir auch beibehalten. Albin Sahiti, der schon drei Tore erzielt hat, und Bastian Frölich in der Abwehr sind ebenfalls erst 21 und 22 Jahre alt. Unser Trainerteam verrichtet da wirklich sehr gute Arbeit. Natürlich haben Akteure wie Benko, Kutlu, Konrad oder Salz große Qualität, aber die Jungs drumherum machen auch einen klasse Job. Das Mannschaftsgefüge passt. Favoritenrolle hin oder her, wenn man es will, dann nehmen wir sie gerne an. Ich weiß aber auch, was ein Derby ist. Wie im Pokal gibt’s eigene Gesetze. Für uns ist wichtig, von Anfang an den Rasen brennen zu lassen, das Herz auf dem Platz zu lassen wie in der zweiten Halbzeit gegen 08 Bissingen. Machen wir das verbunden mit der fußballerischen Qualität, dann können wir selbstbewusst sein und sagen, dass wir das Spiel gewinnen wollen.“

Die FuPa-Fakten zum Spiel gibt es hier:

Hier kann das Ergebnis getippt werden:

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Aufrufe: 017.8.2022, 06:00 Uhr
Backnanger Kreiszeitung / Uwe FlegelAutor