2026-04-23T13:43:33.969Z

Spielbericht

Trotz Kritik: Coach Thomas Brunner spielt mit 58 in der A-Klasse

Oldie beim TSV Egmating

von Wolfgang Herfort · Heute, 08:18 Uhr · 0 Leser
Egmatings Dirigent neben und notfalls auf dem Platz: Thomas „Dammerl“ Brunner.
Egmatings Dirigent neben und notfalls auf dem Platz: Thomas „Dammerl“ Brunner. – Foto: HW

Der TSV Egmating setzt seinen 58-jährigen Trainer ein. Brunner weiß, dass sein Mitwirken kritisch betrachtet wird. Doch er überzeugt auf dem Platz.

Es war eine wohl kalkulierte Aktion. Um allen Verbandsregularien für Einsätze in mehreren Mannschaften eines Vereins gerecht zu werden, bedarf es eines gehörigen Maßes an Aufmerksamkeit. Beim TSV Egmating kümmert sich Thomas Jehl, Trainer der Zweiten, darum, dass alle Fristen gewahrt bleiben, Sperren vermieden werden und die Teams personell dennoch in stärkster Formation antreten können. Was bei drei Mannschaften nicht immer einfach ist, aber auch für kuriose Einsätze sorgen kann.

So durfte/musste am vergangenen Dienstag beim A-Klassenderby gegen den SC Baldham-Vaterstetten II der Trainer der Egmatinger Ersten ran. Für Thomas „Dammerl“ Brunner kein Problem. Trotz seiner 58 Jahre. Und er hat das eine oder andere Mal seine Gegenspieler, die teilweise seine Enkel sein könnten, ziemlich alt aussehen lassen.

Was Egmatings Abteilungsleiter Reinhold Betzendörfer, ehemals Zweitligakicker bei der SpVgg Unterhaching, durchaus zu würdigen wusste. „Dammerl hat die Erfahrung, das Auge und die Intuition, die die Jungen nicht vorweisen können.“ Seine Art der Kommunikation komme bei der Mannschaft an. „Er macht das Training aus dem Bauch heraus“, so Betzendörfer, „die Spieler sind voll des Lobes. Er nimmt sie mit, fordert Kritik ein und sagt, warum er etwas so oder so macht.“ Zudem sei er immer noch in der Lage, „alles vormachen zu können“. Betzendörfer: „Nach anfänglicher Skepsis ist das Bewusstsein gewachsen, von dem kann man sich was abschauen, was mir weiterhilft.“

Dammerl hat die Erfahrung, das Auge und die Intuition, die die Jungen nicht vorweisen können.

Egmatings Abteilungsleiter Reinhold Betzendörfer

Ralf Schedlbauer, Trainer der Egmatinger Dritten und selbst schon im reifen Alter von 52 Jahren, schätzt Brunner als Coach, Mitspieler und früheren Gegner. „Torjäger wird er keiner mehr“, sagt er lachend, „aber wie er den Ball abschirmt und immer für Gefahr sorgen kann, das akzeptieren die Burschen.“ Zudem steuerte Brunner bereits neun Toren zum bislang spärlichen Erfolg des C-Klassenteams bei (Egmating ist Tabellenletzter).

Aus Sicht von Thomas Brunner soll der Einsatz in der A-Klasse eine „einmalige Angelegenheit“ bleiben. Wobei er durchaus bereit sei, „im Sinne des Vereins“ zu agieren. So zuletzt, als er Rekonvaleszent Matthias Pohl einen Kurzeinsatz in der Ersten und in der abstiegsbedrohten Zweiten ermöglichte. Dass sein Mitwirken im A-Klassenteam von einigen durchaus kritisch betrachtet wird, weiß Brunner. Obwohl er seinen Mitstreitern auf dem Platz noch so einiges vormachen kann.

Gefragt, was ihm der Fußball mit jungen Spielern bedeutet und ob er glaubt, auf dem geforderten Niveau mithalten zu können, beweist der 58-Jährige diplomatisches Geschick: „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass ich mitspielen darf. Ob ich es leistungsmäßig auch kann, müssen andere entscheiden.“ Gelegenheit dazu wird sich am Samstag, 12.30 Uhr, beim SV Dornach II allerdings nicht bieten. Der TSV Egmating muss beim Tabellenführer ohne seinen kickenden Trainer auskommen. Brunner widmet sich derweil seiner zweiten Leidenschaft: dem Golfen. „Nur Spaß, Abschalten, keine Ambitionen.“ Mit Handicap 13,1 ist der Egmatinger zufrieden.