
Worms. Neun Minuten nach Wiederanpfiff war die Wormatia-Welt schon wieder in Ordnung. Fast schon vergessen waren die ersten 45 Minuten, in denen den Wormsern gegen den SV Auersmacher aber wirklich gar nichts gelingen wollte. Wenig Ballbesitzphasen, kein Spielfluss, eine Anzahl an Fehlpässen, für die zwei Hände nicht ausreichten – es schien, als hätten die Oberliga-Spieler des VfR einen „Pokal-Blues“, den sie mit sich herumtrugen. Nach dem umkämpften wie spektakulären 4:3-Sieg im Verbandspokal am vergangenen Mittwoch wirkte das Ligaduell gegen einen soliden, aber alles andere als überragenden Gast aus dem Saarland, zunächst wie ein krasses Kontrastprogramm. Für die Zuschauer hieß das: Tristesse statt Spektakel. Doch nach Abpfiff jubelten dennoch alle Wormaten – über einen am Ende ungefährdeten 3:0 (0:0)-Heimsieg.
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Nach der englischen Woche in Idar-Oberstein (2:0 in der Liga, 4:3 im Pokal) hatte Wormatia-Trainer Anouar Ddaou gegen den SVA auf Rotation gesetzt. Fünf frische Spieler beorderte der 45-jährige Coach in die Startelf. Vier davon, Vasileios Siontis, Kaan Özkaya, David Schehl und Bobby Edet, standen in dieser Spielzeit das erste Mal überhaupt zu Beginn auf dem Feld. Dass mit Mittelfeldspieler Kaan Özkaya und Angreifer Edet zwei "Startelf-Debütanten" trafen, gehört zur Geschichte dieses Spiels. Ebenso, dass die zwei Spieler im ersten Durchgang ebenfalls überhaupt nicht in die Partie fanden und Anour Ddaou anschließend feststellte: "Wir haben es geschafft, mit 0:0 in die Pause zu gehen."
Dass der Wormser Coach zur Darbietung seines Teams in Durchgang eins meinte "wir waren bemüht", lässt ebenso tief blicken. Mit der Leistung in den ersten 45 Minuten, in denen die Gäste bei einer höheren Abschlussqualität durchaus auch hätten führen können, war keiner der Wormaten zufrieden. Vize-Kapitän Tom Fladung sagte anschließend: "Die Intensität nach dem Pokalspiel hochzuhalten ist uns, obwohl wir das vorher angesprochen haben, überhaupt nicht gelungen." Das erste Mal in den Gäste-Strafraum kamen die Wormser nach 24 (!) Minuten. Die erste Chance der Wormser nach einer gelungen Pressing-Aktion gab es für Mert Özkaya in Minute 32. Tom Fladung bilanziert: "In der zweiten Halbzeit haben wir zum Glück ein ganz anderes Spiel gezeigt."
Mit dem eingewechselten Stammduo auf Außen Marc Nauth und Nico Jäger, die positionsgetreu die fast unsichtbaren Malik Yerima und David Schehl ersetzten, kam Schwung in das zuvor behäbige Angriffsspiel der Wormser. Ddaous Plan, mit den Özkaya-Brüdern als „Achter“ und Fladung als einzigem Abräumer vor der Abwehr (Laurenz Graf fehlte gelb-rot gesperrt) zu agieren, ging nun besser auf. Für die Tore sorgten zunächst jedoch zwei Spieler, die schon im ersten Durchgang auf dem Platz standen. Kaan Özkaya traf zur Führung auf Zuspiel seines Bruders Mert (48.). Kurz darauf spielte Boby Edet mit Mert Özkaya einen schönen Doppelpass, hatte freie Bahn und vollendete zum 2:0.
"Am Ende ist der Sieg vielleicht ein Tor zu hoch ausgefallen", sagte Ddaou bei der Pressekonferenz nach dem Spiel und lobte seine Spieler für ihre Mentalität: "Wir haben viele Körner verloren in den letzten Spielen und haben heute in der zweiten Halbzeit noch so viel Energie aufgebracht. Ich glaube, wir haben verdient gewonnen." Linksaußen Marc Nauth, der mit einer schönen Einzelleistung, (Ball an der Außenlinie angenommen, ins Zentrum gezogen und den Ball links unten im Tor versenkt), endete die englische Woche der Wormser trotz mauer erster Hälfte gegen Auersmacher mit der perfekten Ausbeute: drei Spiele, drei Siege.
Doch groß ausruhen ist nicht: Mit der nächsten englischen Woche und zwei Auswärtsspielen geht es für den VfR weiter Schlag auf Schlag. Im Nachholspiel beim FK Pirmasens (Mittwoch 19:30 Uhr) trifft die Wormatia auf ein Topteam der Liga, weniger Tage später im Rheinhessen-Duell beim TSV Gau-Odernheim (Sonntag, 15:30 Uhr) dann auf den Aufsteiger, der die Wormser im vergangenen Jahr aus dem Verbandspokal gekegelt hat.