
Nach turbulenten Tagen in Aachen stellt sich Interimstrainer Ilyas Trenz vor dem Duell mit Wehen Wiesbaden den Medien. Er spricht über Verantwortung, defensive Stabilität und den Glauben an die Mannschaft.
Mit nur zehn Punkten aus elf Spielen steckt Alemannia Aachen tief im Tabellenkeller der 3. Liga. Nach der Trennung von Benedetto Muzzicato hat nun Co-Trainer Ilyas Trenz gemeinsam mit U19-Coach Carsten Wissing die Verantwortung übernommen – zumindest vorübergehend. Auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel am Freitag beim SV Wehen Wiesbaden bemühte sich Trenz um Ruhe und Zuversicht.
„Ruhe, Klarheit, Besonnenheit, Fokus auf das, was jetzt wirklich wichtig ist“, beschrieb der 35-Jährige die Leitlinie der Trainingswoche. „Die Nebengeräusche ein bisschen ausschalten und die Mannschaft vorbereiten. Auf die Aufgabe, auf die Challenge und die ist riesig. Aber wir haben keine Angst – es herrscht große Zuversicht, große Überzeugung in das, was wir tun.“
Wie Trenz berichtete, sei er „in den Prozess an sich nicht eingebunden“ gewesen. „Ich war in meiner täglichen Arbeit mit dem Trainerteam, in der Nachbereitung, in den Analysen. Dann habe ich einen Anruf von Rashid bekommen, der mir mitgeteilt hat, wie die Situation aussieht. Die Frage, ob ich übernehmen mag, hat sich gar nicht gestellt – und Rashid hat sie mir auch gar nicht gestellt.“
Seit zweieinhalb Jahren ist Trenz im Verein, kennt die Strukturen und die Spieler. „Ich scheue mich nicht, im Gegenteil. Ich mag es, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe ein gutes Team im Staff und ein gutes Team auf dem Platz. Davon bin ich überzeugt.“
Inhaltlich will Trenz keine radikale Kehrtwende, aber klare Schwerpunkte setzen. „Wir haben nach Schweinfurt die meisten zugelassenen Großchancen in der Liga. Es geht um Konsequenz im Verteidigen, Klarheit, Kompaktheit. Trotzdem wollen wir hoch im Feld stehen, unsere Stärken ausspielen.“
Taktisch werde man flexibel bleiben. „An der grundsätzlichen Idee wird sich nicht viel ändern. Es geht darum, Klarheit in alle Spielphasen reinzubringen.“ Das Motto „Laden dicht machen“ interpretiert der Interimstrainer offensiv: „Für mich heißt das nicht, hinten einigeln. Laden dicht machen ist für mich, nach vorne zu verteidigen, aggressiv zu sein, intensiv zu sein. Flucht nach vorne, Kopf in den Wind stellen und mutig agieren.“
Personell kündigte Trenz keine großen Überraschungen an, doch intern wird die Rangordnung offenbar überprüft. „Ich schließe nichts aus. Am Ende zählt Leistung. Es geht nicht darum, was vorher war oder was in Zukunft ist. Es zählt die Gegenwart. Wer nicht läuft, wer keine Zweikämpfe führt, wer nicht sprintet – da werden Leibchen gewechselt.“
Auch mögliche Rückkehrer hält Trenz im Blick: „Castello ist fraglich, aber möglich, dass wir das hinkriegen bis Freitagabend.“
Trotz des Umbruchs sprach Trenz mit großem Respekt über den entlassenen Cheftrainer. „Erdals Verabschiedung war extrem würdevoll. Er hat uns geholfen, nach vorne zu schauen. Das sagt ganz viel über ihn aus.“ Auch Muzzicato habe sich bei den Spielern persönlich verabschiedet.
Trenz betonte: „Wir werden am Freitag mutig auftreten. Ich will, dass die Mannschaft Persönlichkeit zeigt, Charakter zeigt. Jeder einzelne Spieler soll seine Persönlichkeit entfalten.“
Vor dem Duell bei Wehen Wiesbaden, das am Freitagabend um 19 Uhr in der Brita-Arena angepfiffen wird, rechnet der neue Trainer mit einem anspruchsvollen Gegner. „Ich erwarte eine Mannschaft, die sehr aggressiv nach vorne verteidigen wird, die uns mit Sicherheit durch hohes Pressing unter Druck setzt. Aber die Zuversicht ist nicht gebrochen.“
Mit ruhiger Stimme, klaren Worten und einem sichtbaren Willen zur Geschlossenheit versucht Ilyas Trenz, bei Alemannia Aachen einen Neustart zu moderieren. Die nächsten 90 Minuten in Wiesbaden werden zeigen, ob seine Botschaft auf dem Platz ankommt.