2026-04-10T07:15:08.667Z

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Trauer um Hans-Jürgen Richter: Der 08er, der ein 05er wurde

Hans-Jürgen Richter erlebte bei Mainz 05 besondere Zeiten, doch der FSV Schierstein 08 war sein Verein +++ Passionierter Teamplayer und Vereinsmensch im Alter von 79 Jahren gestorben

von Stephan Neumann · Heute, 06:00 Uhr · 0 Leser
Hans-Jürgen Richter wechselte 1969 von Schierstein 08 zu Mainz 05.
Hans-Jürgen Richter wechselte 1969 von Schierstein 08 zu Mainz 05. – Foto: VRM

Wiesbaden. Hans-Jürgen Richter folgte Ende der 1960er-Jahre dem Lockruf des FSV Mainz 05. Doch im Grunde blieb er immer seinem rechtsrheinischen Heimverein FSV Schierstein 08 treu. Aus Überzeugung und aufgrund der jahrzehntelangen familiären Verbundenheit zu den 08ern. Selbst als er mit seiner Frau Gerlinde in die Peripherie von München zog, wo der gemeinsame Sohn mit seiner Familie Wurzeln geschlagen hat, blieben Schierstein und der FSV die wahre Heimat, wurden Kontakte und Freundschaften gepflegt.

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In diesem Jahr wäre Hans-Jürgen Richter für 70-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet worden. Er durfte es nicht mehr erleben – im 08-Lager trauern ältere Weggefährten um den im Alter von 79 Jahren verstorbenen langjährigen Spieler, Trainer und Spielausschuss-Vorsitzenden. „Er war immer sehr bodenständig, bescheiden und freundlich. Keiner, der abgehoben ist, das hat sich nie geändert“, schildert der langjährige 08-Vorsitzende Hans Groth, der 2023 das Zepter an Sven Lauterbach weitergeben hatte. Groth selbst hatte die Nachfolge von Hans-Jürgen Richters Vater Erich angetreten, nachdem das Vereinslokal benannt ist. Mutter Ursula und Schwiegertochter Gerlinde, die beim FSV als Fußballerin und bei der TG Schierstein auf dem Handballfeld brillierte, machten den Namen Richter am Hafen zum Markenzeichen.

Das Team des FSV Schierstein 08 wurde in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre für Hans-Jürgen Richter (untere Reihe links) zum Sprungbrett in Richtung Mainz 05. Unten in der Mitte Torhüter Hans-Jürgen Heidersdorf, später Vorsitzender des FC Bierstadt.
Das Team des FSV Schierstein 08 wurde in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre für Hans-Jürgen Richter (untere Reihe links) zum Sprungbrett in Richtung Mainz 05. Unten in der Mitte Torhüter Hans-Jürgen Heidersdorf, später Vorsitzender des FC Bierstadt. – Foto: FSV 08

Papa Erich und Mama Ursula fiebern beim ersten Spiel mit

Hans-Jürgen Richter lernte das Fußballspielen als echter Straßenkicker. In der Schiersteiner Rathausstraße (heute Höllbergstraße) ging es tagtäglich mit seinen Kumpels zur Sache „und manche Fensterscheibe wurde ungewollt aufs Korn genommen“, schreibt Hans Groth in einem früheren Beitrag auf der Homepage der 08er in der Rubrik „Historisches“. Papa Erich und Mama Ursula verfolgten mit feuchten Händen und Herzklopfen den ersten Auftritt ihres Sohnes auf dem alten 08er-Sportplatz oben an der Dotzheimer Straße. „Er zählte immer zu den Besten. Von der Schülermannschaft über die B- und A-Jugend schaffte er im Jahr 1963 bereits mit 17 Jahren den Sprung in die 1. Mannschaft der Nullachter und konnte so noch mit den „Nullachter-Größen“ Wilhelm Wehnert, Willi Barbara, Jürgen Lier, Fritz Assmann und Harry Hertling zusammenspielen“, heißt es in der von Hans Groth detailreich verfassten Zeitreise.

18 Spieler gehörten 1972/73 zum Aufgebot der Meistermannschaft des FSV Mainz 05, die fast in die Bundesliga aufstieg. Darunter Hans-Jürgen Richter (hintere Reihe, Vierter von rechts). Der Kader, Tor: Wolfgang Kneib, Wolfgang Orben. Abwehr: Friedhelm Aust, Jürgen Janz, Willi Löhr, Jürgen Richter, Walter Ziehmer. Mittelfeld: Paul Göppl, Torben Nielsen, Herbert Scheller, Peter Scherer, Gerd Schmidt. Angriff: Jochen Dries, Gerald Girrbach, Jockel Jakobi, Manfred Kipp, Gerd Klier, Herbert Renner. Trainer: Bernd Hoss.
18 Spieler gehörten 1972/73 zum Aufgebot der Meistermannschaft des FSV Mainz 05, die fast in die Bundesliga aufstieg. Darunter Hans-Jürgen Richter (hintere Reihe, Vierter von rechts). Der Kader, Tor: Wolfgang Kneib, Wolfgang Orben. Abwehr: Friedhelm Aust, Jürgen Janz, Willi Löhr, Jürgen Richter, Walter Ziehmer. Mittelfeld: Paul Göppl, Torben Nielsen, Herbert Scheller, Peter Scherer, Gerd Schmidt. Angriff: Jochen Dries, Gerald Girrbach, Jockel Jakobi, Manfred Kipp, Gerd Klier, Herbert Renner. Trainer: Bernd Hoss. – Foto: fsv05.de

1969 zu Mainz 05

1969 ging es für Hans-Jürgen Richter als Mittelstürmer-Talent über den Rhein zu den 05ern. Für die er in 178 Pflichtspielen 40 Tore erzielte. Er avancierte zum Allrounder, spielte rechter Verteidiger oder Rechtsaußen, zählte 1973 zur Mannschaft, die Südwestmeister wurde und in der damaligen Aufstiegsrunde der Regionalligisten an Fortuna Köln scheiterte. Unter Trainer Bernd Hoss zählten nebern dem Schiersteiner Wolfgang Orben, Wolfgang Kneib, Herbert Scheller, Willi Löhr, Jürgen Janz, Paul Göppl, Peter Scherer, Torben Nielsen, Gerd Schmidt, Herbert Renner, Gerd Klier, Manfred Kipp, Walter Ziehmer, Friedhelm Aust, Jochen Dries, Gerald Girrbach und Jockel Jakobi zum Kader.

Libero Richter begegnet Libero Beckenbauer auf dem Platz

Im Jahr darauf sollten sich die 05er für die neugeschaffene 2. Liga qualifizieren. „Auch auf hinteren Positionen war er als taktisch kluger, gut antizipierender Spieler mit feinem, präzisen Passspiel nicht nur als Verteidiger wertvoll für seine Mannschaft. Qualitäten, die ihn in der 2. Bundesliga zum spielstarken Libero machten. Im Herbst 1975 beendete eine schwere Verletzung seine Karriere im hochklassigen Fußball“, würdigt Mainz 05 den Schiersteiner Bub, der dem Fußball treu blieb und sich fortan bei seinem Heimatverein engagierte. Die Zeit in Mainz war auch mit einem Freundschaftsspiel gegen die Bayern verbunden. Hans-Jürgen Richter und Kaiser Franz begegneten sich, quasi von Libero zu Libero. Ein Highlight für den Mann, der niemals abhob.

„Vom Charakter war er offen und ehrlich. Wenn ihm etwas nicht gepasst hat, hat er es den anderen geradeheraus ins Gesicht gesagt. Bei ihm wusste man immer, woran man war“, weiß Hans Groth um die Geradlinigkeit des Schiersteiner Ausnahmespielers, der Teamplayer und Vereinsmensch in einem war. Am 23. April wird eine Delegation der 08er bei der Trauerfeier in Bayern dabei sein, wo Hans-Jürgen und Gerlinde Richter als Großeltern ihre zweite Heimat fanden, zusammen auch den Golfsport für sich entdeckten.